Birkensperrholz, Nadelschnittholz und Eichenholz kommt normalerweise in großen Mengen aus Russland, Weißrussland und der Ukraine in die EU. Diese Lieferströme sind nun verzögert und teilweise komplett unterbrochen. Der Holzhandel warnt vor den Folgen. Im Handwerk spürt man diese noch nicht. Holzbau Deutschland erklärt, warum es nun mehr denn je darum geht, Abhängigkeiten zu reduzieren.
Durchschnittlich 190.000 m³ Birkensperrholz importiert Deutschland jedes Jahr aus Russland. In die gesamte EU sind es 2,8 Millionen m³. Dazu kommen normalerweise rund 220.000 m³ aus Weißrussland. Der Bedarf – unter anderem für den Möbelbau – ist so hoch, dass ihn der Binnenmarkt nicht decken kann. Da die EU für Weißrussland bereits Anfang März einen Importstopp verhängt hat und der Import aus Russland durch den Krieg in der Ukraine nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist, rechnet der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) mit Lieferengpässen. Auch die Ukraine zählt zu den Holzlieferanten. Außerdem befinden sich dort große Werke, die die Sperrholzplatten fertigen.
Laut GD Holz liefern die drei Länder nach Europa neben dem Birkensperrholz auch nennenswerte Mengen an Nadelschnittholz (11,4 Millionen m³ 2021) und Laubholz, darunter vor allem Eichenholz. Dieses wird zu einem großen Teil zu Fußböden verarbeitet. "Die Nachfrage nach Eichenfußböden übersteigt das Angebot, lange Lieferfristen sind bereits jetzt üblich", heißt es vom Holzhandel. Der Handel geht davon aus, dass es bei den genannten Holzarten und Holzprodukten zu einem Preisauftrieb kommen wird. "Der Import sämtlich genannter Produkte ist wichtig für die Baukonjunktur im Binnenmarkt", teilt der GD Holz mit.
Lieferengpässe wegen Ukraine-Krieg: Warnung vor Hamsterkäufen beim Bauholz
Im Handwerk spürt man diese Entwicklung bislang allerdings noch nicht. So werden Stimmen laut, die vor einer Panikmache und vor Hamsterkäufen warnen. Diese könnten einen Preisauftrieb anheizen und eine Knappheit verursachen, die quasi selbst herbeigeführt wäre. Der Verband Holzbau Deutschland, der zum Zentralverband des Deutschen Baugewerbes gehört, meldet, dass die Versorgung aktuell aber sichergestellt sei. Das liege auch daran, dass der allergrößte Teil des Bauholzes für die Holzbauten vorwiegend aus Mitteleuropa komme.
Der Vorsitzende von Holzbau Deutschland, Peter Aicher kommentiert die aktuelle Lage und die Folgen des Kriegs in der Ukraine wie folgt: "Dieser Krieg hat auch europaweit Auswirkungen. Sie sind aber kein Vergleich zu dem, was die Menschen in der Ukraine erleiden müssen. Die direkten wirtschaftlichen Folgen und insbesondere die Auswirkungen auf die Entwicklung der Schnittholzpreise können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen. Wir haben auch noch keine Hinweise über Materialknappheit oder von Lieferengpässen bekommen."
Direkte und regionale Rohstoffversorgung beim Bauholz wichtig
Dennoch weist er darauf hin, dass es nun darum gehe, Abhängigkeiten zu reduzieren – in den Lieferketten genauso wie bei der Energieversorgung. Denn auch die hohen Energiepreise hätten Folgen für die Holzbaufirmen und deren Zulieferer. "Wie schwer und tiefgreifend die Auswirkungen sein werden, können wir zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht einschätzen. Unsere Holzbauunternehmen stehen aktuell sicherlich vor zahlreichen neuen Herausforderungen", sagt Aicher.
In Bezug auf die Lieferketten betont er, dass die direkte und regionale Rohstoffversorgung nun wichtiger denn je sei und gestärkt werden müsse. "Eine stringente Wertschöpfungskette vom Wald über die Sägewerke zu den holzverarbeitenden Unternehmen mit kurzen Lieferketten ist nicht nur in hohem Maße ökologisch, sondern wir vermeiden dadurch auch lange Transportwege", sagt er. So könnten stabile und faire Preise sowie eine zuverlässige Verfügbarkeit entlang der Wertschöpfungskette erreicht werden. Außerdem weist Aicher darauf hin, dass ein ressourcenschonende Materialeinsatz an Bedeutung gewinnt mit durchdachten Holzkonstruktionen, die den Holzverbrauch so gering wie möglich halten. Vor diesem Hintergrund gewinne der Holzrahmenbau weiter an Bedeutung.
