Kürzlich sorgte der offene Brief der Kreishandwerkerschaft Halle-Saalekreis an Bundeskanzler Olaf Scholz für Aufsehen. Die Handwerker forderten darin das Ende der Sanktionen gegen Russland. Nun meldet sich der Bundesverband der Kreishandwerkerschaften zu Wort – und stellt sich klar hinter den Sanktionskurs der Bundesregierung.

Der Bundesverband der Kreishandwerkerschaften hat sich demonstrativ hinter den Sanktionskurs der Bundesregierung gestellt. Diese Positionierung erfolgt vor dem Hintergrund, dass sich einzelne Kreishandwerkerschaften in offenen Briefen gegen die Politik der Bundesregierung zum Ukraine-Krieg geäußert hatten.
"Mit dem barbarischen Überfall Russlands auf die Ukraine wurde die Gewissheit zerstört, dass Europa in Frieden und Sicherheit lebt", heißt es in einer Pressemitteilung, die vom Präsidenten und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands unterzeichnet ist. "Der Bundesverband der Kreishandwerkerschaften, der die Kreishandwerkerschaften auf
Bundesebene vertritt, unterstützt daher die Sanktionspolitik der Bundesregierung gegen den Aggressor Russland." Wenn ein Staat einen brutalen Angriffskrieg führe, müsse die zivilisierte Welt den Aggressor bestrafen und das überfallene Land unterstützen. Ansonsten würde die Macht des Stärkeren zu weiteren Überfällen führen.
Härte zeigen
Das Handwerk stelle sich damit hinter den Sanktionskurs der Bundesregierung. "Da Verhandlungen leider nicht zu dem gewünschten Ziel geführt haben, muss es jetzt darum gehen, dem Aggressor zu zeigen, dass sich Krieg nicht lohnt, sondern in die Isolation und den wirtschaftlichen Niedergang führt." Natürlich habe der Krieg in der Ukraine auch unmittelbar negative Auswirkungen auf das Handwerk in Deutschland, so Rolf Meurer, Präsident des Bundesverbands der Kreishandwerkerschaften. Steigende Energiepreise würden den Handwerksbetrieben viel abverlangen. "Dennoch muss die freie, demokratische Welt gegenüber Russland Härte zeigen, um das Land zu einem Rückzug aus der Ukraine zu zwingen." Frieden und Freiheit hätten ihren Preis.
Dank an Wollseifer
Der Bundesverband der Kreishandwerkerschaften dankte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) für seine klare Aussage zu den Sanktionen. Zugleich appellierte der Bundesverband der Kreishandwerkerschaften an die Bundesregierung, besonders betroffenen Handwerksbetrieben finanziell zu helfen, die Folgen der Energiekrise zu überstehen.
Die Kreishandwerkerschaft Halle-Saalekreis hatte den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine als verbrecherisch verurteilt. Zugleich hatten die Handwerker Sorgen geäußert. "Sorgen um die Zukunft unserer Kinder und Enkel, Sorgen um den Fortbestand unserer Betriebe, Sorgen um unser Land." Weiter heißt es in dem Brief: "Wir als Handwerker wissen aus vielen Gesprächen mit unseren Kunden, dass die breite Mehrheit nicht gewillt ist, für die Ukraine ihren schwer erarbeiteten Lebensstandard zu opfern. Es ist auch nicht unser Krieg!"
Die Kreishandwerkerschaft erhebt in dem Brief an Scholz drei Forderungen: "1. Sofortiger Stopp aller Sanktionen gegen Russland. 2. Sofortige Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen zur Beendigung des Krieges. 3. Alle politischen Entscheidungen sind auf den Nutzen für das deutsche Volk zu überprüfen – sowie Sie es geschworen haben." Am Ende des Schreibens heißt es: "Wir reden hier nicht von 1 oder 2 Grad weniger Raumtemperatur oder ob Schwimmbäder ihre Wassertemperatur senken müssen. Wir reden hier vom Sterben Deutschlands! Das erkennen viele Menschen in unserem Land, warum Sie nicht?" Und: "Ändern Sie Ihren Kurs. Im Interesse unserer Heimat."
Vereinzelt kritische Stimmen
In Teilen der Politik stieß der Brief auf Ablehnung. Vereinzelt werden immer wieder Stimmen aus dem Handwerk laut, die ein Ende der Sanktionen gegen Russland fordern.
ZDH-Präsident Wollseifer hatte sich zuletzt hinter den Kurs der Bundesregierung gestellt. "Wir als Handwerk tragen die Entscheidungen der Bundesregierung ausdrücklich mit, gegen die brutale kriegerische Aggression Russlands massive Sanktionen zu verhängen", sagte Wollseifer im Juli der Nachrichtenagentur dpa. "Den Sanktionskurs der Bundesregierung halte ich unverändert für richtig. Das ist eine Frage der Haltung, das ist eine Frage der demokratischen Verantwortung – auch und gerade in dem Wissen, dass das für uns alle und auch im Handwerk mit erheblichen Einbußen verbunden sein wird."