Sparkassen Kreditvergabe steigt, Unsicherheit bleibt

Die Sparkassen in Baden-Württemberg vergeben mehr Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen – doch die Wirtschaft im kriselnden Vorzeigeland steckt weiter im Krisenmodus. Was das für Handwerksbetriebe bedeutet.

Die Sparkassen reichen mehr Kredite an Mittelständler aus. - © Geringswald - stock.adobe.com

Die Sparkassen in Baden-Württemberg haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Kredite an Unternehmen und Selbstständige vergeben. Laut Sparkassenpräsident Matthias Neth stiegen die Kreditzusagen auf 15,5 Milliarden Euro – ein Plus von 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Nach drei Jahren Rezession lässt die steigende Kreditnachfrage auf eine gewisse wirtschaftliche Belebung hoffen", sagte Neth bei der Jahrespressekonferenz in Stuttgart. Gleichzeitig warnte er vor überzogenem Optimismus: "Die Aufhellung erfolgt auf einem viel zu niedrigen Niveau."

Die Zahlen der Sparkassen gelten als Gradmesser für die wirtschaftliche Lage im Südwesten. Als wichtigste Kreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen finanzieren sie einen Großteil der Investitionen im Handwerk und Mittelstand. Für rund zwei Drittel ihrer mittelständischen Kunden sind die Sparkassen laut eigenen Angaben der alleinige Bankpartner. Neben den Sparkassen zählen die Volks- und Raiffeisenbanken zu den bedeutenden Kreditgebern des Handwerks.

Investitionszurückhaltung belastet Mittelstand

Trotz der gestiegenen Kreditvergabe bleibt die Stimmung in der Wirtschaft angespannt. Neth sprach von "massiven geopolitischen Turbulenzen" und einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Umbruch. "Wir leben nicht in einem Strukturwandel, sondern in einem Strukturbruch", sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Sparkassenverbands. Die Wirtschaftsleistung in Baden-Württemberg sei zum dritten Mal in Folge rückläufig gewesen.

Viele Unternehmen halten sich laut Neth mit Investitionen zurück. "Wir wissen, dass die Unternehmen durchaus unter Druck sind", sagte er. Die Sparkassen gingen bei der Kreditvergabe entsprechend umsichtig vor und prüften genau, welche Vorhaben tragfähig und zukunftsträchtig seien. "Tragfähige und zukunftsträchtige Vorhaben werden auch in dieser unsicheren Zeit finanziert. Wir wünschen uns natürlich mehr solcher Investitionsvorhaben." Gleichwohl verzeichnen die Sparkassen in der Fläche mehr Kreditausfälle, allerdings bewegten sich diese auf einem Niveau, "das uns nicht schreckt", wie Neth es ausdrückte. "Wir sind an der Seite des Mittelstands", so der Sparkassenpräsident.

Neubau bleibt schwach

Bewegung gab es im vergangenen Jahr bei der privaten Immobilienfinanzierung. Die Sparkassen sagten Kredite in Höhe von 10,4 Milliarden Euro zu – ein Anstieg um 21,5 Prozent. Allerdings fließt der Großteil dieser Mittel in den Kauf bestehender Immobilien, nicht in den Neubau.

"Die Menschen kaufen Bestandsimmobilien, gehen aber nicht so deutlich in die Modernisierung, wie man erwartet hätte", erklärte Neth. "Der Großteil unserer Mittel geht in den Erwerb im Bestand." Für das Baugewerbe und die baunahen Handwerke ist das eine durchwachsene Nachricht: Die Nachfrage nach Sanierungsarbeiten bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Beim Neubau sieht die Lage noch schwieriger aus. "Im Neubau geht einfach viel zu wenig", kritisierte der Sparkassenpräsident. Zwar stieg die Zahl der Baugenehmigungen in Baden-Württemberg laut Statistischem Landesamt leicht auf 23.200 – nach 20.700 im Vorjahr. Doch das Niveau bleibt historisch niedrig. Neth forderte die Politik auf, alle Register zu ziehen, um neuen Wohnraum bezahlbar zu machen. Der Sparkassenverband spricht sich unter anderem für einen Verzicht auf die Grunderwerbsteuer beim Ersterwerb einer selbst genutzten Immobilie aus.

Für Handwerksbetriebe, die im Neubau tätig sind, bedeutet das weiterhin schwierige Zeiten. Betriebe, die sich auf Bestandssanierung und Modernisierung spezialisiert haben, könnten dagegen von einer steigenden Nachfrage profitieren – sofern die Eigentümer ihre Zurückhaltung aufgeben.

Privatleute und Unternehmen halten ihr Geld zusammen

Das Sparverhalten der Kunden spiegelt die wirtschaftliche Unsicherheit wider. Die Kundeneinlagen bei den Sparkassen stiegen um 2,1 Prozent auf 180,5 Milliarden Euro. Besonders Privatpersonen legten mehr Geld zur Seite. "Die Menschen halten ihr Geld zusammen", sagte Neth. So stieg auch der Anteil der Sichteinlagen. Sichteinlagen sind Bankguthaben, über die der Kontoinhaber jederzeit ohne Kündigungsfrist verfügen kann – ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Menschen verunsichert sind.

Unternehmen und Selbstständige erhöhten ihre Einlagen um drei Prozent auf 32,5 Milliarden Euro. Der Sparkassenverband wertet das als Zeichen der Investitionszurückhaltung: Statt in neue Maschinen oder Gebäude zu investieren, parken viele Betriebe ihre liquiden Mittel bei der Bank.

Für Handwerksunternehmer kann das Vor- und Nachteile haben. Einerseits ist ein solides Finanzpolster in unsicheren Zeiten sinnvoll. Andererseits können aufgeschobene Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gefährden – etwa wenn Betriebe bei der Digitalisierung oder der energetischen Modernisierung ins Hintertreffen geraten.

Sparkassenpräsident fordert mehr Mut zur Veränderung

Neth richtete deutliche Worte an Politik und Wirtschaft. "Wir stehen vor großen Aufgaben und spüren auf vielen Feldern, dass wir das Ruder herumreißen müssen", sagte er. "Wir brauchen mehr Mut und die Bereitschaft zur Veränderung." Auch das Thema Leistungsbereitschaft sprach er an: "Wir müssen auch zum Thema Leistung einen neuen Bezug finden."

Der Sparkassenverband fordert von der Politik bessere Standortbedingungen, weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit. Nur so könnten die Sparkassen und ihre Kunden die anstehenden Herausforderungen bewältigen.

Wertpapiergeschäft wächst

Das Wertpapiergeschäft der Sparkassen entwickelte sich im vergangenen Jahr dynamisch. Der Umsatz mit Käufen und Verkäufen stieg um 17,6 Prozent auf 36,9 Milliarden Euro. Die Zahl der Wertpapierdepots wuchs um vier Prozent auf knapp 1,134 Millionen.

Die Bilanzsumme der 50 Sparkassen in Baden-Württemberg erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 254,3 Milliarden Euro. Das Jahresergebnis lag bei 1,51 Milliarden Euro – etwas weniger als im Vorjahr. Die Sparkassen zahlten laut eigenen Angaben rund 650 Millionen Euro an gewinnabhängigen Steuern, die direkt den Kommunen zugutekommen.