Die Arbeitsunfähigkeitsquote im Handwerk stieg 2022 um fast 40 Prozent. Das ergab eine Auswertung der IKK Classic. Die Analyse deckt aber ebenso positive Entwicklungen auf. Gegen eine verbreitete Krankheitsursache scheint die Branche sogar immuner als andere Wirtschaftsbereiche.

Laut einer Analyse der Krankenkasse IKK Classic erreichte der Krankenstand im deutschen Handwerk im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. Von einhundert Versicherten waren pro Kalendertag durchschnittlich 6,9 Personen krankgeschrieben – 1,4 mehr als noch 2021. Der Durchschnittswert aller Versicherten lag 2022 bei 6,7 Prozent.
Insgesamt haben 2022 laut IKK Classic 71,6 Prozent der handwerklich Beschäftigten mindestens einen Tag aufgrund einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) gefehlt. Damit stieg auch die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsquote um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert (51,9 Prozent). Insgesamt wurden 450.000 versicherte Handwerker mit Krankengeldanspruch in der Analyse berücksichtigt.
Während sich der Durchschnitt von 1,9 Krankheitsfällen pro Versicherten in der Handwerksbranche im Vergleich zum Vorjahr (1,2) ebenfalls erhöht hat, sank die durchschnittliche Krankheitsdauer von 17,3 Tagen auf 13,6 Tage. Laut Auswertung hat sich auch der Anteil der Langzeiterkrankungen – also Ausfälle länger als 42 Tage – von 56,3 auf 46,1 Prozent verringert.
Atemwegsinfekte zweimal so hoch
Erstmals überhaupt lagen Atemwegserkrankungen auf dem zweiten Platz der häufigsten Krankheitsursachen im Handwerk. Ihr Anteil verdoppelte sich von 2021 auf 2022. Fehlzeiten aufgrund einer Corona-Erkrankung sind darin nicht enthalten.
"Im Handwerk zeigt sich eine Entwicklung, die wir im vergangenen Jahr auch in anderen Branchen beobachten konnten", sagt Juliane Mentz, Pressesprecherin der Krankenkasse. "Besonders auffällig ist der starke Anstieg der Atemwegserkrankungen, der vermutlich auf die Lockerung der Hygiene-Regelungen und die Normalisierung der Arbeitswelt zurückzuführen ist", so Mentz. Atemwegsinfekte seien in der Regel nicht so langwierig wie andere Erkrankungen. Entsprechend sei die durchschnittliche Falldauer gesunken.
Hauptgründe für krankheitsbedingte Fehlzeiten
Den größten Anteil an den krankheitsbedingten Fehlzeiten im Handwerk hatten, wie auch schon 2021, die Muskel- und Gelenkerkrankungen.
| Krankheitsursache | 2022 | 2021 |
| Atemwegserkrankungen | 22,4 Prozent | 11,2 Prozent |
| Covid-19-Infektion | 10,2 Prozent | Keine Angabe |
| Muskel- und Gelenkerkrankungen | 29,6 Prozent | 35,6 Prozent |
| Verletzungen und Vergiftungen | 14,2 Prozent | 16,8 Prozent |
| psychische Krankheiten | 12,8 Prozent | 14,1 Prozent |
Handwerk positiv für die Psyche
Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Beeinträchtigungen ist laut IKK Classic auch im Handwerk gestiegen. Mit 3,3 AU-Tagen lag der Handwerkswert aber trotzdem unter dem Durchschnitt aller Versicherten, die mit entsprechender Diagnose fehlten (3,8 Tage). Mentz: "Handwerklich Beschäftigte sind traditionell weniger von Erkrankungen der Psyche betroffen als Beschäftigte in anderen Wirtschaftszweigen." In einer aktuellen Umfrage der IKK Classic gab ein Großteil der Handwerker an, den eigenen Beruf als sinnstiftend zu empfinden. Insgesamt scheinen im Handwerk Beschäftigte glücklicher und zufriedener als der Bevölkerungsdurchschnitt zu sein. "Das trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei und zahlt sicher auch auf die psychische Gesundheit ein", ergänzt die Pressesprecherin.
Unterschiede in Regionen und Gewerben
Die höchsten Krankenstände in Deutschland:
| Gebiet | Krankenstand | AU-Tage |
| 1. Thüringen | 7,8 | 28,6 |
| 1. Niedersachsen | 7,8 | 28,4 |
| 3. Nordrhein-Westfalen | 7,3 | 26,5 |
| 4. Sachsen | 7,0 | 25,4 |
Den geringsten Krankenstand hatte mit 6,2 Prozent Baden-Württemberg. Hier fehlten die Beschäftigten mit durchschnittlich 22,4 Tagen pro Versicherten auch am seltensten krankheitsbedingt am Arbeitsplatz.
Besonders stark von krankheitsbedingten Fehlzeiten betroffen waren laut der IKK Classic wie bereits in den vergangenen Jahren das Bau- und Ausbaugewerbe mit einem Krankenstand von 7,8 Prozent. Am niedrigsten lag der Krankenstand mit 6,3 Prozent im Gewerbe für Körperpflege und Reinigung. tb