ZVA-Branchenbericht Krankenkassen-Frust bei Augenoptikern

Die deutsche Augenoptik verzeichnet für 2024 ein Umsatzplus von 3,1 Prozent. Doch die Freude wird getrübt: Immer mehr Betriebe wenden sich wegen hoher bürokratischer Hürden von der Versorgung gesetzlich Versicherter ab. Auch der Fachkräftemangel und die Nachfolge bleiben große Themen.

In Deutschland tragen 38,7 Millionen der Menschen ab 16 Jahren eine Brille. - © Vadim - stock.adobe.com

Die deutsche Augenoptikbranche hat ihren Umsatz im Jahr 2024 trotz einer schwachen Konjunktur um 3,1 Prozent auf knapp 6,98 Milliarden Euro gesteigert. Gleichzeitig ziehen sich immer mehr Betriebe aus der Versorgung von gesetzlich Versicherten zurück, vor allem wegen hoher bürokratischer Hürden. Das geht aus dem aktuellen Branchenbericht 2024/2025 des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) hervor, der auch Ergebnisse einer neuen Allensbach-Brillenstudie enthält.

Der Brillenoptikumsatz kletterte laut ZVA um knapp 3,5 Prozent auf 5,67 Milliarden Euro, obwohl die Stückzahlen verkaufter Brillen um 1,5 Prozent auf zwölf Millionen sanken. Der Kontaktlinsenumsatz inklusive Pflegemittel wuchs um 2,2 Prozent auf 618 Millionen Euro. Der reine Online-Handel spielt bei Brillen mit einem Umsatzanteil von lediglich 0,5 Prozent weiterhin eine untergeordnete Rolle, so der ZVA. Die Branche zeigt sich damit widerstandsfähiger als die Gesamtwirtschaft, deren Bruttoinlandsprodukt 2024 um 0,2 Prozent schrumpfte. Thomas Heimbach, Vorsitzender des Betriebswirtschaftlichen Ausschusses des ZVA, erklärt, dass gerade für mittelständische Augenoptikbetriebe Qualität und Kompetenz entscheidend seien, um erfolgreich zu sein.

Weniger Brillenträger, aber stabile Ausgabenbereitschaft

Trotz des Umsatzplus macht sich die Konsumzurückhaltung bemerkbar. Die Zahl der erwachsenen Brillenträger (ab 16 Jahren) ist laut der Allensbach-Brillenstudie 2024 im Vergleich zu 2019 um 2,6 Prozent auf 38,7 Millionen gesunken. Dies entspreche einem Anteil von 64 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren. Der ZVA führt dies darauf zurück, dass insbesondere Personen, die nicht dauerhaft auf eine Brille angewiesen sind, angesichts der wirtschaftlichen Lage den Kauf hinauszögern oder darauf verzichten. Der Anteil der Kontaktlinsenträger ab 16 Jahren ging laut Studie von 5,5 Prozent (2019) auf 5,0 Prozent (drei Millionen Personen) zurück.

Die Zufriedenheit mit der Sehleistung ist bei Brillenträgern mit 95 Prozent weiterhin sehr hoch, stellt Allensbach fest. 56 Prozent der Brillenträger besitzen mehr als eine sehtaugliche Brille, 2019 waren es noch 59 Prozent. Als Hauptgrund für den Besitz nur einer Brille nennen 68 Prozent, dass eine Brille ausreiche. Für 35 Prozent ist eine zweite Brille zu teuer – ein Anstieg gegenüber 25 Prozent im Jahr 2019. Hauptgründe für einen Brillenkauf bleiben eine veränderte Sehschärfe (86 Prozent) und zerkratzte Gläser (62 Prozent).

Die stationären augenoptischen Fachgeschäfte, deren Zahl 2024 um 180 auf 10.820 sank, erwirtschafteten inklusive Multichannel-Verkäufen einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro (plus 3,2 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten ging leicht auf 47.650 zurück. Der Konzentrationsprozess setzt sich fort: Die zehn umsatzstärksten Unternehmen vereinen laut ZVA-Bericht inzwischen 25 Prozent der Betriebsstätten und 54 Prozent des Branchenumsatzes auf sich.

Bürokratie treibt Optiker aus der Kassenversorgung

Ein wachsendes Problem für die Branche ist die Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Der ZVA-Branchenbericht zeigt, dass sich immer mehr Betriebe aus der Versorgung gesetzlich Versicherter zurückziehen. Als Hauptgrund nennt der Verband die hohe Bürokratie. Bereits 17 Prozent der inhabergeführten Augenoptikbetriebe haben sich laut ZVA-Pressemitteilung aus dem Kassengeschäft verabschiedet. Weitere 17 Prozent der Betriebe, die aktuell noch eine Zulassung besitzen, planen laut ZVA-Online-Umfrage von Januar/Februar 2025, diese nach Ablauf nicht zu erneuern.

Ende 2024 besaßen noch 83 Prozent der Betriebe die notwendige Zulassung (Präqualifizierung), um gesetzlich Versicherte versorgen zu dürfen; 2019 waren es noch 88 Prozent. Dieser Rückgang betrifft überproportional kleinere Betriebe. ZVA-Präsident Christian Müller warnt, diese Entwicklung sei eine Gefahr für die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung von schwer sehbeeinträchtigten Personen. Er fordert die Politik auf, gegenzusteuern und die GKV-Versorgung zu entbürokratisieren. Das Vertrauen der Versicherten in die Augenoptiker sei laut Allensbach-Studie weiterhin sehr hoch, sowohl bei der Versorgung als auch bei der Gesundheitsprävention.

Fachkräftemangel und Nachfolge bleiben Herausforderungen

Die Personalsituation bleibt angespannt. Laut ZVA-Online-Umfrage suchten 36 Prozent der Betriebe in den letzten sechs Monaten aktiv nach Fachpersonal. Davon konnten 63 Prozent die Stellen nicht wie gewünscht besetzen, oft mussten Abstriche bei der Qualifikation gemacht werden oder Stellen blieben unbesetzt. Auch bei Ausbildungsplätzen gab es Probleme: Von den Betrieben, die ausbilden wollten, konnten 53 Prozent die Stellen nicht wie gewünscht vergeben, meist weil keine geeigneten Bewerber gefunden wurden oder Abstriche beim Schulabschluss gemacht werden mussten.

Die Nachfolgeplanung ist ein weiteres Thema: 5,3 Prozent der Inhaber mittelständischer Betriebe planen laut ZVA-Umfrage für 2025 den Verkauf oder die Übergabe ihres Geschäfts, 1,4 Prozent eine Schließung. Mittelfristig (2026-2028) planen dies sogar 18 Prozent (Verkauf/Übergabe) bzw. 2 Prozent (Schließung). Das Durchschnittsalter der Betriebsinhaber ist laut ZVA-Branchenstrukturerhebung (Daten von 2022) auf 55 Jahre gestiegen; 36 Prozent sind 60 Jahre oder älter.

Die Kostenstruktur der Betriebe zeigt laut ZVA-Betriebsvergleich für das Jahr 2023 gestiegene Material-, Personal- und Sachkosten, was zu einem geringeren durchschnittlichen Betriebsergebnis von 1,7 Prozent des Umsatzes führte (Vorjahr: 3,5 Prozent).

Verhalten optimistischer Blick in die Zukunft

Trotz der Herausforderungen blicken die Betriebsinhaber laut ZVA-Online-Umfrage positiver in die Zukunft als im Vorjahr. Für 2025 erwarten 34 Prozent ein Umsatzwachstum (Vorjahr: 30 Prozent für 2024), 55 Prozent eine Stagnation und elf Prozent einen Rückgang. Die Investitionsbereitschaft ist stabil: Ein gutes Fünftel (22 Prozent) der Betriebe plant für 2025 größere Investitionen, vorrangig in Geräte für Refraktion und Screening sowie in Ladenumbau oder Renovierung.

Auffällig ist laut Allensbach-Studie, dass nur 22 Prozent der Brillenträger, die einen Computer nutzen, von ihrem Augenarzt oder Augenoptiker auf eine spezielle Bildschirmbrille hingewiesen wurden – 2019 waren es noch 29 Prozent. Hier sieht der ZVA ungenutztes Potenzial. fre