Branchenspiegel des Handwerks Kraftfahrzeuggewerbe muss zurückschalten

Das Handwerk hat derzeit wenig Grund zur Klage über die wirtschaftliche Entwicklung. Die Handwerkskonjunktur läuft weiter rund. Allerdings können nicht alle Branchen den Aufwärtstrend der vergangenen beiden Jahre fortsetzen.

Sinkende Nachfrage, aber keine Krise: Die Auslastung in den Kfz-Werkstätten ist zuletzt etwas geschrumpft. - © Fotolia/Jörn Buchheim

Kraftfahrzeuggewerbe
Die Stimmung in den Betrieben des Kraftfahrzeuggewerbes hat sich eingetrübt, nachdem der Frühlingsaufschwung am Automarkt holprig verlief und vor allem der Mai enttäuschte. Auftragseingang und Umsätze wurden merklich schwächer beurteilt als im Frühjahr 20 11.

Offenbar hielten sich gewerbliche Kunden angesichts der Nachrichten aus Südeuropa zurück. Sowohl die Zulassungen neuer Lastkraftwagen als auch von Oberklasse-Autos, die überwiegend als Firmenwagen gekauft werden, verfehlten im zweiten Quartal das Vorjahresergebnis. Die gesamten Pkw-Neuzulassungen blieben von April bis Juni knapp darüber (+0,2 Prozent). Zusätzlich zum schleppenden Absatz wurden weniger Werkstattaufträge abgewickelt. Die Auslastung fiel im Jahresvergleich um zwei Punkte auf 74 Prozent.

Erwartungen für das 3. Quartal 2012: Der Umsatz wird voraussichtlich ...
ausgewählte Handwerksgruppen (Angaben in Prozent der Betriebe)steigengleichbleibensinken
Bau1871 11
Ausbau216712
Handwerks für den gewerblichen Bedarf196120
Kfz9 6625
Lebensmittel206119
Handwerk insgesamt 17 66 17

Baugewerbe
Das Baugewerbe schwimmt weiter auf der Erfolgswelle. So stieg der Ordereingang im Wohnungsbau im Zeitraum Januar bis April um circa 15 Prozent gegenüber 20 11 obwohl es bereits seit fast drei Jahren aufwärtsgeht. Dahinter steckt neben dem Kapitalanlagemotiv ein Mangel an modernem Wohnraum. Nach Berechnungen des Bundesbauministeriums werden in Deutschland bis zum Jahr 2030 zusätzlich drei Millionen altersgerechte Wohnungen benötigt. Insbesondere in den Ballungszentren sind Wohnungen wegen des anhaltenden Zuzugs und der über viele Jahre unzureichenden Neubauaktivitäten schon heute knapp.

Zu den fehlenden Neubauten gesellt sich ein massiver Sanierungsstau. Außer dem Wohnungsbau zeigte auch die gewerbliche Hochbaunachfrage weiter nach oben. Dagegen ist die Lage im öffentlichen Bau schwierig zu beurteilen. Drastischen Umsatzeinbußen zu Jahresbeginn steht eine Erholung beim Auftragseingang gegenüber.

Handwerk für gewerblichen Bedarf
Aus Sicht der Zulieferer und Gewerbedienstleister sind bislang nur kleine Wölkchen am Konjunkturhimmel aufgezogen. Lediglich 11 Prozent der Befragten in der Betriebsumfrage stuften die aktuelle Situation als schlecht ein, nach 13 Prozent im Eröffnungsquartal 2012. Allerdings berichteten 23 Prozent über ein Minus beim Ordereingang.

Ein Blick auf die Schlüsselbranche der Gewerbegruppe zeigt Licht und Schatten: Einerseits ist der Maschinenbau weltweit gut aufgestellt, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Anbieter nicht zuletzt wechselkursbedingt sehr hoch. Andererseits machen die rezessiven Tendenzen in Teilen Europas sowie die zögerlichen inländischen Investoren der Branche zu schaffen. So verfehlten die Bestellungen in den ersten beiden Frühlingsmonaten das Vorjahresniveau um sechs Prozent.

Lebensmittelhandwerke
82 Prozent der Lebensmittelhandwerker sind mit der Geschäftslage zufrieden (Frühling 20 11: 83 Prozent). "Stimmung weiter auf hohem Niveau", lautet also die Schlagzeile. Passend legten die Umsätze von April bis Juni in 28 Prozent der Fachgeschäfte zu, immerhin 22 Prozent meldeten Einbußen. Wichtiger als kurzfristige Schwankungen ist aber der generelle Trend: Viele Menschen kaufen wieder beim Bäcker oder beim Fleischer. Die Kunden akzeptieren auch höhere Preise, die wegen steigender Energiekosten unumgänglich sind. Darüber hinaus haben sich Betriebe mit Imbiss-Theken und Catering zusätzliche Standbeine geschaffen, die weniger preissensibel sind als der klassische Verkauf.

Erwartungen für das 3. Quartal 2012: Die Zahl der Beschäftigten wird voraussichtlich ...
ausgewählte Handwerksgruppen (Angaben in Prozent der Betriebe)steigengleichbleibensinken
Bau9865
Ausbau12 826
Handwerks für den gewerblichen Bedarf14797
Kfz9 829
Lebensmittel1079 11
Handwerk insgesamt 11 82 7

Gewerbe für privaten Bedarf
Renditestarke Sparanlagen ohne Risiken sind derzeit nicht zu finden, so dass die Geldbörse bei Verbrauchern lockerer sitzt. So berichteten 83 Prozent der privaten Dienstleister über gute oder befriedigende Geschäfte. Als Beispiel seien die Friseure genannt, die sich auch nach Einschätzung des Fachverbands auf einem moderaten Wachstumspfad befinden.

Dagegen waren unter den Gesundheitshandwerkern nur 70 Prozent mit ihrer Lage im Frühjahr zufrieden; 38 Prozent meldeten schrumpfende Umsätze. Offenkundig überlagern strukturelle Probleme die konjunkturelle Tendenz. So sehen sich Sanitätsfachgeschäfte einem verschärften Wettbewerb mit Apotheken, Discountern und Versandhäusern um den wachsenden Selbstzahlermarkt ausgesetzt. we/los