Kraftfahrzeuggewerbe ist skeptisch

Branchenspiegel: Hohe Teuerungsrate dämpft Nachfrage

Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Ein zweistelliges Minus verzeichneten das Kfz-Handwerk beim Neuwagengeschäft im Segment der Oberklasse und der Sportwagen. Grund sind die explodierenden Spritpreise. Foto: Audi/GP

Kraftfahrzeuggewerbe ist skeptisch

Baugewerbe: In der Bauwirtschaft verlief der übliche Frühjahrsaufschwung in vergleichsweise ruhigen Bahnen, da aufgrund der milden Witterung die Bautätigkeit zu Jahresbeginn nur geringfügig eingeschränkt wurde. Unabhängig von kurzfristigen Schwankungen befindet sich die Bauproduktion derzeit auf einem moderaten Wachstumskurs. Getragen wird die Zunahme vom gewerblichen und öffentlichen Bau. Dagegen ist von der gesamten Wohnungsbautätigkeit vorerst kaum ein Wachstumsbeitrag zu erwarten. Entscheidend hierfür ist die rückläufige Wohnungsneubautätigkeit. Der Abwärtstrend im Wohnungsneubau belastet insbesondere Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten besonders stark. Denn diese Firmen decken rund 75 Prozent der Wohnungsbauinvestitionen ab, die durch das Bauhauptgewerbe erbracht werden. Gestützt wird der Wohnungsbau nach wie vor von den zunehmenden Bestandsmaßnahmen, wobei energetische Verbesserungen der Gebäudesubstanz an Bedeutung gewinnen.

Handwerk für gewerblichen Bedarf: Im Maschinen- und Werkzeugbau ist die konjunkturelle Grundtendenz weiterhin aufwärtsgerichtet. Allerdings zeichnet sich nach Jahren des stürmischen Wachstums eine merkliche Verlangsamung des Expansionstempos ab. Dabei werden sowohl die Auslandsnachfrage als auch die inländischen Bestellungen an Schwung verlieren. Ursächlich hierfür sind die Abkühlung der Weltkonjunktur, die Höherbewertung des Euros sowie die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. Das Landmaschinenmechanikerhandwerk profitiert von der bis zuletzt recht hohen Investitionsneigung der Landwirte, wobei eine deutliche Verlagerung hin zu Maschinen und Geräten beobachtet wurde. Der Anstieg der Traktorenzulassungen um 16 Prozent im 1. Halbjahr 2008 bestätigte diesen Trend.

Kraftfahrzeuggewerbe: Der Automarkt blieb in den ersten sechs Monaten hinter den Erwartungen zurück. Zwar weist die Halbjahresbilanz für die Pkw-Neuzulassungen ein Plus von 3,6 Prozent aus, allerdings war die Vergleichshöhe 2007 wegen der Anhebung des Mehrwertsteuersatzes extrem niedrig ausgefallen. Das Neuwagengeschäft hatte in erster Linie unter den explodierenden Spritpreisen sowie der Unsicherheit über die Neuregelung der Kfz-Steuer zu leiden. Entsprechend war im Segment der Oberklasse und der Sportwagen ein zweistelliges Minus zu verzeichnen. Dagegen wurden verstärkt kleine Autos gekauft, die Zulassungszahl nahm in diesem Bereich um 27 Prozent zu. Der Gebrauchtwagenhandel kam bisher nicht in Schwung. Die Besitzumschreibungen verharrten im Zeitraum Januar bis Juni auf Vorjahresniveau (–0,1 Prozent). Auch das Servicegeschäft ist durch die nachlassende Ausgabenbereitschaft der Autohalter geprägt.

Lebensmittelhandwerke: Die Verkaufstätigkeit bei Bäckern hat sich im Laufe des Berichtszeitraumes saisonbedingt beschleunigt. Generell hielten sich aber die Bundesbürger angesichts der Teuerungswelle mit Konsumausgaben zurück. Den Bäckereien macht neben der eher verhaltenen Nachfrage vor allem der enorme Kostenschub, ausgelöst durch die explodierenden Energie- und Rohstoffpreise, zu schaffen. Die drastische Verteuerung bei Getreide und Mehl begründen sie im Wesentlichen mit der staatlichen Förderung von Agrokraftstoffen und fordern daher eine Abkehr von der subventionierten und falschen Energiepolitik. Die Absatzentwicklung im Metzgerhandwerk verlief ebenfalls eher verhalten. So blieb die Fleischnachfrage der Privathaushalte in den ersten Monaten des Jahres etwas hinter der des Vorjahres zurück, während bei Wurst- und Fleischwaren immerhin ein leichtes Absatzplus verbucht werden konnte.

Gewerbe für privaten Bedarf: Der Geschäftsverlauf der Augenoptiker stand gleichfalls im Schatten der enttäuschenden Verbrauchskonjunktur. Darauf deuten die jüngsten Umfrageergebnisse hin, nach denen sich der Stimmungsindikator und die Betriebsauslastung für das 1. Halbjahr in etwa auf dem mäßigen Niveau des Vorjahres bewegten. Im Zahntechnikerhandwerk erschwert die anhaltende Konsumflaute den Weg aus der Strukturkrise, hervorgerufen durch die Gesundheitsreform von 2005. Die Nachfrage nach Friseurleistungen ist unverändert gedrückt. Zudem achten die Kunden beim Friseurbesuch stark auf den Preis. Offenbar ist der gesamtwirtschaftliche Konjunkturaufschwung noch nicht bei den konsumnahen Branchen angekommen.