Branchenspiegel: Das Kraftfahrzeuggewerbe hat 2010 zu kämpfen: Die Pkw-Neuzulassungen sinken deutlich. Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Kraftfahrzeuggewerbe bremst
- Baugewerbe: Die allgemeine Konjunkturkrise hat auch in der Bauwirtschaft Spuren hinterlassen. So ist das gesamte Bauvolumen nach einer mehrjährigen Aufwärtsentwicklung 2009 leicht gesunken. Für das Jahr 2010 zeichnet sich aber wieder eine moderate Erholung der Bauinvestitionen ab. Die entscheidenden Impulse sollen dabei vom öffentlichen Bau kommen. Denn in dieser Bausparte müsste insbesondere das staatliche Konjunkturpaket II seine volle Wirkung entfalten. Jedoch muss damit gerechnet werden, dass die Kommunen wegen rezessionsbedingter Steuerausfälle und gleichzeitig steigender Sozialausgaben nicht alle bereitgestellten Mittel abrufen und versuchen werden, andere Bauvorhaben zu streichen oder zu strecken. Der private Wohnungsbau wird in diesem Jahr ebenfalls zunehmen. Die niedrigen Hypothekenzinsen sowie die rege Modernisierung des Wohnungsbestandes und die energetische Gebäudesanierung stützen die Nachfrage. Allerdings könnte eine deutliche Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt dämpfend wirken. Dagegen bleibt der gewerbliche Bau weiter auf Talfahrt. Die gesamten Bauinvestitionen dieses Jahr sollen nach der jüngsten Prognose des Bundeswirtschaftsministeriums um real 1,1 Prozent expandieren.
- Handwerk für gewerblichen Bedarf: Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat den Maschinen- und Werkzeugbau mit voller Wucht getroffen. Seit dem Herbst 2009 haben sich jedoch die Auftragsverluste deutlich abgeschwächt und man kann mittlerweile von einer Bodenbildung sprechen. In das neue Jahr geht die Branche daher mit gedämpfter Zuversicht. Sie setzt darauf, dass im Zuge einer zyklischen Konjunkturbelebung auch die in- und ausländischen Bestellungen für Maschinenbauerzeugnisse allmählich wieder anziehen. Damit scheint für diesen Wirtschaftssektor 2010 ein Umsatzwachstum wieder erreichbar zu sein. Angesichts des äußerst niedrigen Ausgangsniveaus und der eher geringen Dynamik kann aber von einem Aufschwung noch keine Rede sein. Das Handwerk für Landmaschinentechnik kann 2010 noch mit keiner spürbaren Nachfragebelebung rechnen. Zwar hat sich die Stimmungslage der Landwirte zuletzt aufgehellt, sie wollen aber die Ausgaben für landwirtschaftliche Maschinen vorerst nicht erhöhen. Bei den unternehmensnahen Dienstleistern bleiben angesichts der verhaltenen Erholung der Industriekonjunktur die Wachstumsspielräume begrenzt.
- Kraftfahrzeuggewerbe: Das Autojahr 2009 stand ganz im Zeichen der staatlichen Verschrottungsprämie. Dank dieser Fördermaßnahme schnellte die Zahl der Pkw-Neuzulassungen um 23 Prozent auf 3,8 Millionen hoch. Als Reaktion auf die Sonderentwicklung werden die Neuwagenkäufe im Jahr 2010 drastisch sinken. Es wird nur noch mit 2,7 bis 2,8 Millionen Pkw-Neuanmeldungen kalkuliert. Angesichts des massiven Absatzeinbruchs stehen die Autohändler vor einem sehr schwierigen Jahr. Neben den sinkenden Verkaufszahlen befürchten nach einer aktuellen Umfrage rund zwei Drittel der Betriebe rückläufige Umsatzrenditen im Neuwagengeschäft. Außerdem drohen den Händlern erhebliche Verluste mit zurückgegebenen Leasingfahrzeugen, da deren Restwerte zu hoch angesetzt wurden. Vor diesem Hintergrund wird eine deutliche Beschleunigung des Händlersterbens vorausgesagt. Inwieweit der gewerbliche Markt 2010 den Einbruch bei den privaten Neuzulassungen abmildern kann, bleibt abzuwarten. Der Gebrauchtwagenhandel hofft, dass 2010 das Kundeninteresse an Secondhandautos wieder steigt, eine kräftige Nachfragebelebung ist aber unwahrscheinlich. Der Servicebereich dürfte sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen einigermaßen behaupten. Insgesamt werden im Kraftfahrzeuggewerbe Beschäftigungs- und Umsatzeinbußen nicht zu vermeiden sein.
- Lebensmittelhandwerke: Im letzten Jahr meldeten die Bäcker und Metzger – trotz tiefer Wirtschaftskrise – eine stabile Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung. Für 2010 deutet sich eine Fortsetzung dieses Stabilitätskurses an. Einerseits werden die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig steigen. Andererseits dürften sich auch die Verkaufspreiserhöhungen der Branche wegen der Entspannung bei den Einkaufspreisen für Getreide und Schlachttiere in einem engen Korridor bewegen. Aus beiden Faktoren lässt sich, da keine grundlegenden Änderungen der Verbrauchsgewohnheiten zu erwarten sind, auf eine annähernd konstante Nachfrage schließen. Gleichwohl spüren die Lebensmittelhandwerker weiterhin den Konkurrenzdruck durch Discounter und Billiganbieter, die mit einer teilweise sehr aggressiven Preispolitik um Marktanteile kämpfen. Beim Bierabsatz hielt der Negativtrend (- 2,8 Prozent) im Jahr 2009 an. Die Brauer hoffen 2010 auf bessere Geschäfte und setzen auf gutes Wetter und eine erfolgreiche Fußball-WM für Deutschland.
- Handwerk für privaten Bedarf: In den Gesundheitshandwerken blieben die Umsätze von 2009 im Vorjahresvergleich praktisch unverändert. 2010 kann man in Anbetracht der mäßigen Verbrauchskonjunktur kaum auf eine nennenswerte Nachfragebelebung hoffen. Andererseits sind wegen des immer noch niedrigen Umsatzniveaus – eine Folge der staatlichen Eingriffe – keine stärkeren Absatzeinbußen zu erwarten, zumal aufgrund der älter werdenden Bevölkerung der Bedarf an gesundheitshandwerklichen Leistungen generell steigt. Alles in allem erscheint daher eine stagnierende Umsatzentwicklung realistisch. Die Mitarbeiterzahl dürfte ebenfalls konstant bleiben. Freilich haben die Dentallabors zunehmend Schwierigkeiten, ihre qualifizierten Fachkräfte zu halten, weil sie aufgrund der rigiden Preisgestaltung in der GKV kaum konkurrenzfähige Löhne bezahlen können. Das Friseurhandwerk konnte sich 2009 dem Konjunktureinbruch nicht entziehen und hatte nach einer stabilen Entwicklung wieder sinkende Umsätze zu beklagen. 2010 wird die Branche das vorhandene Wachstumspotenzial infolge der schwierigen Rahmenbedingungen nicht ausschöpfen können und wahrscheinlich nur mit Mühe das Vorjahresniveau erreichen.