Nordrhein-Westfalens SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft ruft mit ihrem Vorschlag zur Beschäftigung von "Hartz IV"-Empfängern in Altenheimen oder Sportvereinen immer mehr Kritiker auf den Plan.
Kräftige Kritik an Kraft
Kraft erklärte bei ihrem Vorschlag, sie bezwecke etwas anderes als FDP-Chef Guido Westerwelle. "Herr Westerwelle will Arbeitszwang. Mein Angebot des gemeinwohlorientierten Arbeitsmarktes ist freiwillig und keine Pflicht." Sie sei davon überzeugt, dass viele Langzeitarbeitslose das Angebot einer gemeinwohlorientierten Beschäftigung freiwillig annehmen werden, weil die ganz große Mehrheit von ihnen arbeiten wolle. Die Arbeitslosen könnten Senioren im Altenheim oder zu Hause vorlesen oder in Sportvereinen helfen. "Zu tun gibt es in unserer Gesellschaft genug», sagte Kraft.
Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt sagte: "Wir organisieren bereits heute in erheblichem Umfang gemeinnützige Jobs für Langzeitarbeitslose." Er verwies auf die Ein-Euro-Jobs. In der Sozialstaatsdebatte werde zu viel über Geld und zu wenig über Integrationsarbeit gesprochen.
"Arbeit ohne Lohn"
Der Kandidat für den Linksparteivorsitz, Klaus Ernst, sagte: "Wenn die SPD einfach die 'Hartz'-Logik fortschreibt, dann ist eine Zusammenarbeit ausgeschlossen." Krafts Vorstoß laufe auf Arbeit ohne Lohn hinaus. "Das raubt den Menschen die Würde", urteilte er. Öffentliche Stellen für Langzeitarbeitslose dürfe es nur zu ordentlichen Bedingungen geben. Das müsse der Türöffner für den Mindestlohn werden. Der Linksparteichef in Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Zimmermann, sagte, Krafts Äußerungen seien keine guten Voraussetzungen für einen Politikwechsel nach der Landtagswahl am 9. Mai unter Mitarbeit der Linken.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sagte, bezahlte Bürgerarbeit sei der richtige Ansatz, um Arbeitsplätze für ältere und wenig qualifizierte Erwerbslose zu schaffen. Sie solle sozialversicherungspflichtig sein und in gemeinnützigen Bereichen angeboten werden. Die Finanzierung müsse die Bundesagentur für Arbeit übernehmen. Dies wäre ein wichtiger Baustein, um nicht Arbeitslosigkeit, sondern Arbeit zu finanzieren. "Dabei geht es um weit mehr als Gelegenheitsjobs wie Schneeschippen", betonte Landsberg. Das Projekt Bürgerarbeit wurde in Sachsen-Anhalt und Thüringen getestet. Dabei wurden Arbeitslosen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen in Vereinen, Kirchen oder bei der Seniorenbetreuung angeboten.
ddp