Preisexplosionen und Engpässe trüben die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk. Eine aktuelle Umfrage unter Betrieben zeigt, dass sie starke Umsatzrückgänge in den nächsten zwei Jahren erwarten. Die Branche kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Midijob-Pläne der Bundesregierung.

Die Stimmung in der Gebäudereiniger-Branche ist deutlich eingetrübt. Das zeigt die Herbst-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks unter mehr als 430 Mitgliedsbetrieben. Demnach erwarten fast 39 Prozent der Unternehmen sinkende Umsätze für 2022, rund 30 Prozent gehen von gleichbleibenden Umsätzen aus und nur rund 31 Prozent glauben, dass die Umsätze steigen. In der Frühjahrsumfrage seien die Erwartungen an die Umsätze noch deutlicher höher gewesen, heißt es.
Noch vorsichtiger prognostizieren die Betriebe ihre Umsätze für 2023: Ebenfalls erwarten hier rund 39 Prozent einen Umsatzrückgang, 33 Prozent der Betriebe gehen von einer Umsatzstagnation aus und lediglich rund 28 Prozent glaubt, dass die Umsätze sich in 2023 positiv entwickeln werden.
Gründe für den Pessimismus sind vielfältig
Viele Belastungsfaktoren führen dazu, dass die Betriebe pessimistisch in die Zukunft sehen. Mit der größte sind die Preisexplosionen: Auf einer Belastungsskala von eins bis zehn bewerten die Unternehmen diese Kostensteigerungen in der Herbstumfrage mit einer deutlich negativen 7,6. Ob Berufskleidung, Reinigungsmaschinen, chemische Produkte, Abfallsäcke oder Hygieneartikel – Kostensteigerungen von im Schnitt zehn bis 30 Prozent ziehen sich in den vergangenen Monaten durch all diese Bereiche, heißt es beim Branchenverband. Mit einer ähnlich hohen Belastungsquote von 7,4 blicken die Betriebe zusätzlich auf die steigenden Energiepreise.
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Größter Belastungsfaktor für die Gebäudereiniger ist die Personalknappheit. Fast 92 Prozent der Unternehmen geben in der Konjunkturumfrage an, ganz akut Beschäftigte zu suchen und diesen sofort einen Arbeitsplatz anbieten zu können und zu wollen.
Kritik an Midijob-Plänen der Bundesregierung
Der Verband übt darüber hinaus Kritik an den Midijob-Plänen der Bundesregierung. Nachdem die Midijob-Grenze zuletzt zum 1. Oktober auf 1.600 Euro erhöht wurde, soll sie ab 1. Januar 2023 erneut steigen – auf 2.000 Euro. "Besonders ärgerlich und unverständlich ist es, wenn inmitten dieser historischen Krisenzeiten die Bundespolitik selbst zusätzliche Kosten und Bürokratiebelastungen für die Unternehmen initiiert", sagt dazu Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. Dieser Schritt treffe die Gebäudereinigung als Handwerk mit großer Teilzeitquote besonders hart. Während Beschäftigte zwischen 520 und 2.000 Euro künftig entlastet würden, lege die Bundesregierung die Kosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro in Form höherer Sozialversicherungsbeiträge auf die Unternehmen um.
Die Mitgliedbetriebe sehen die Midijob-Pläne in der Umfrage ähnlich kritisch: Auf einer Belastungsskala von eins bis zehn bewerten die Unternehmen die Erhöhung der Midijob-Grenze daher auch mit einer deutlich negativen 7,0. ew