Der zehnte Bundesliga im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Kopfbälle mit kurzem Haar

Schön hatte Kuranyi die Haare schon immer, neuerdings trägt er sie kurz, was ihm offenbar beim Kopfballspiel den entscheidenden Vorteil verschafft. Zwei Tore erzielte Kuranyi, und wer weiß, vielleicht köpft sich der Stürmer noch in die königsblauen Herzen. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

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Kopfbälle mit kurzem Haar

Meisterbetrieb: Königsblaue Ansprüche

Er galt lange Zeit als eines der größten deutschen Sturmtalente. Und doch hat man bei Kevin Kuranyi bislang vergeblich auf den dicken Durchbruch gewartet. Stattdessen wurde der Stürmer zum Experten für Fettnäpfchen, provozierte seinen Abflug aus der Nationalmannschaft und diente auch den königsblauen Fans seines Arbeitgebers Schalke zwischenzeitlich immer mal als rotes Tuch.

Das könnte seit dem Megaschlager am Sonntag gegen den HSV endgültig abgehakt sein. Der Angreifer rettete der Magath-Elf dank zweier Kopfballtore ein 3:3-Unentschieden, was Kenner der Szene auf seine neue Haartracht zurückführen: Schön hatte Kuranyi die Haare schon immer, neuerdings trägt er sie kurz, was ihm offenbar beim Kopfballspiel den entscheidenden Vorteil verschafft.

Nun hätten nach dem tollen Match eigentlich alle zufrieden sein können, doch Hamburgs Keeper Frank Rost, früher bei S04, machte seinem Motzki-Image mal wieder alle Ehre: Schalke habe die teuerste Mannschaft aller Zeiten, da sei es doch befremdlich, dass man sich über ein Unentschieden in Überzahl gegen den HSV derart freue, ätzte der Schlussmann und ergänzte: "Da sind die Ansprüche seit meiner Zeit aber ganz schön runtergegangen." Zur Erklärung sei dem wackeren Torwächter nur mitgegeben, dass auf Schalke auch der Kontostand zuletzt ziemlich runtergegangen ist, da freut man sich eben auch über kleine Dinge.

Gesellenstück: Bruderliebe auf dem Prüfstand

Am Ende musste niemand traurig sein, weil sich Leverkusen und Borussia Dortmund die Punkte teilten. Aber im Laufe des Abends hätten Freundschaft und Bruderliebe auf eine harte Probe gestellt werden können. Man nehme das Aufeinandertreffen der Bender-Zwillinge Lars und Sven, die neuerdings erstmals in ihrer Karriere in verschiedenen Klubs kicken und in ihrem Premierenmatch gleich mal in die Rollen von Kain und Abel schlüpften: "Zur Not haue ich ihn weg", sagte Sven. Nur gut, dass er nicht in eine derartige Not kam – was hätte da die Frau Mama gesagt.

Zu einer Handgreiflichkeit kam es auch zwischen den Kumpels aus gemeinsamen Mainzer Tagen: Leverkusens Abwehrspieler Manuel Friedrich rettete seiner Mannschaft durch den Treffer zum 1:1 einen Punkt, wurde nach dem Spiel von Dortmunds Trainer Klopp zunächst geherzt, um am Ende der vermeintlichen Liebesbezeugung eine saftige Gaudi-Backpfeife einzukassieren. Friedrich forderte anschließend feixend das Sportgericht auf, sich des Falles anzunehmen, während Freund Klopp die Tatsache, dass sein BVB mit einem Remis vorliebnehmen musste, süß-sauer quittierte: "Wenn schon einer das Tor machen musste, dann von mir aus er."

Erstes Lehrjahr: Der Schachzug des Generals

Der Bayern-Fan muss auch in dieser Saison leidensfähig sein. Im Vorjahr war’s ein Trainer, der den Anhang gegen sich aufbrachte, weil er zu wenig von Taktik verstand, diese Saison scheint der Coach zu analytisch an die Sache heranzugehen. "Geht’s raus und spielt’s Fußball", hatte Franz Beckenbauer seinen Spielern einst mitgegeben, bei Klinsmann war es wohl nur ein "Geht’s raus" – doch wie ist es nun unter Louis van Gaal? Vermutlich so: "Geht raus und macht nur das, was ich sage." Verkrampft sieht das aus, ideen- und vor allem freudlos.

Auch am Samstag gegen die Eintracht wirkte das Bayern-Ensemble wie eine Schulklasse, die von ihrem dominanten Lehrer so verunsichert ist, dass sie nicht mal mehr das Einmaleins beherrscht. Nun machten auch die Frankfurter nicht gerade den Eindruck, als hätten sie sich das Selbstvertrauen in großen Portionen eingeflößt. Dennoch brachten sie die Bayern an den Rand einer Niederlage und das Münchner Präsidium ins Grübeln, wie lange der eigenwillige Holländer als Trainer beim Anhang noch vermittelbar sein würde, wenn nach der Blamage von Bordeaux gleich das nächste Match in die Hosen gehen sollte.

Doch Landsmann Robben ließ van Gaal mit seinem 1:1 aufatmen und dann sorgte der Taktiker selbst mit einem starken Schachzug für ein Happy End aus bayerischer Sicht: Er nahm Luca Toni vom Platz und wechselte Verteidiger Demichelis ein, was einen Großteil der Fans kurzzeitig dazu brachte, an ein Komplott zu glauben: Van Gaal von der frustrierten Bundesligakonkurrenz beim Rekordmeister eingeschleust, um die Bayern-Vorherrschaft ein für alle mal zu beenden? Aber nein, der Holländer schickte Abwehr-Latte van Buyten auf Tonis Posten in den Angriff, der prompt in der vorletzten Minute für Erleichterung sorgte, als er den Siegtreffer für den FCB köpfelte. Dass sich der Tulpengeneral hinterher frenetisch selbst feierte, mag angesichts seiner Drucksituation nachvollziehbar sein. Andererseits: Als Bayern-Trainer hat der hochbezahlte van Gaal schon viele Entscheidungen in den Sand gesetzt, nur weil einmal etwas gelingt, muss man ja nicht gleich ausflippen.

Zwei linke Hände: Weder Bier noch Tore

Wird Zeit, dass am 11.11. endlich die Narren im Rheinland wieder das Zepter übernehmen. Denn derzeit herrscht Herbstdepression. Trübe Zeiten dementsprechend auch für die Bundesligaklubs Gladbach und Köln, die einander in herzlicher Verachtung verbunden sind und sich ausgerechnet zum Ende der Sommerzeit am Samstag gegenüberstanden. Gebremster Schaum nicht nur in der Mönchengladbacher Innenstadt und im Borussia-Park, wo es am Spieltag keinen Tropfen Alkohol zu kaufen gab. Und dann reihten sich die Profis gleich noch in die Riege der Spaßverderber ein und boten Fußball zum Abgewöhnen. Das schlimmste daran war, dass man sich das Gebotene noch nicht einmal schöntrinken durfte.

Auch, wenn es nach der Pause etwas besser wurde, der Unterhaltungswert blieb auf bescheidenem Niveau, was zumindest dafür sorgte, dass die Fans selbst zum Stänkern zu schläfrig waren und es völlig ruhig blieb. Und das, obwohl man im Vorfeld mit schlimmen Ausschreitungen gerechnet hatte, die Rivalität hatte schließlich im letzten Jahr deutlich an Schärfe gewonnen, als die FC-Fans ein Borussia-Banner geklaut und während des Derbys zerstört hatten. Die Retourkutsche gab’s diesmal verbal vom Gladbacher Coach: "Wir wollen endlich den Bock umstoßen", hatte Frontzeck vor dem Match gesagt, was zu wütenden Protesten der Geißbock-Anhänger führte. „Provokation“, zeterten sie, dabei outete sich Frontzeck nach der friedlichen Nullnummer als Tierfreund: "Das ging doch nicht gegen Hennes, er ist doch so ein liebes Tier." Wie gesagt: Es wird Zeit für die Narren und Jecken. Und dann gibt’s ja Gott sei Dank auch wieder was zu Trinken.