Ob aus Einsamkeit oder wegen ökonomischer Zwänge – viele Jahre lang suchten Handwerkerinnen und Handwerker in der gedruckten DHZ den Partner fürs Leben. Einheirat erwünscht.

Die wohl erste Kontaktanzeige der Welt erschien im Jahr 1695 in der englischen Wochenzeitschrift "Sammlung für den Fortschritt in Handel, Haus und Landwirtschaft". "Ein Herr um die 30 Jahre alt, von sehr gutem Stand, würde sich gern mit einer Dame verbinden, die ein Vermögen von ungefähr 3.000 Pfund besitzt", hieß es dort. Die Leserschaft war angesichts dieser Unverfrorenheit empört.
Aber es kam noch schlimmer. Einige Jahre später suchte Helen Morison per Anzeige einen Mann – undenkbar für eine Frau. Sie landete zur Strafe für vier Wochen in einer Anstalt. Diagnose: Irre.
Partnersuche beschleunigt durch Eisenbahn
Was 1727 als unziemlich oder gar als geistig verwirrt galt, wurde im Lauf der Jahre eine immer wichtigere Rubrik in Zeitungen. Heiratsanzeigen florierten, auch dank des wachsenden Eisenbahnnetzes. Die neue Mobilität erweiterte die amourösen Jagdgründe. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ging es bei der Partnersuche allerdings weniger um Liebe als um wirtschaftliche Sicherheit.
So auch in der DHZ. Die Anfänge der Kontaktanzeigen hatten hier einen düsteren Hintergrund. Der zweite Weltkrieg hatte 5,5 Millionen Soldaten aus dem Leben gerissen, auch Handwerker.
Kontaktanzeigen nach dem Krieg
Ihre Witwen versuchten per Heiratsannonce den Betrieb weiterzuführen. Entsprechend oft klingen Kontaktanzeigen aus den späten 40er- und 50er-Jahren so: "Kriegerswitwe, 35 Jahre, dunkel, 162 groß, mit Kindern, eigenem Betrieb (Reparaturwerkstätte für Land. U. Auto usw.) bietet tüchtigem, kinderlieben Meister, nicht unter 35 Jahren, Einheirat. Etwas Vermögen erwünscht." In dieser Zeit spielten Religion und Herkunft noch eine wichtige Rolle bei der Partnersuche: "Witwe m. 2 Kindern bietet tücht. kath. Schreinermeister zw. 40 bis 50 J. Einheirat in schönes gut-einger. Geschäft. Bayer bevorzugt", heißt es da beispielsweise.
Dass die Frau mit dem Eintritt eines Mannes in den Betrieb brav wieder in den Hintergrund treten sollte, zeigt ein DHZ-Buchtipp aus dem Jahr 1957: "Was Sie Ihrer Frau schon lange sagen möchten", titelt die Werbung für "Das goldene Buch der Frau". Darin findet die Frau Meisterin Antworten auf 1.241 Fragen rund um Haus, Wohnung, Kindererziehung, sparsame und doch gute Haushaltsführung sowie gesunde Ernährung. "Ein Buch, das dem Leben Ihrer Frau neuen Inhalt geben wird", jubelt die Anzeige.
Kontaktanzeigen verraten veränderte Geschlechterrollen
Den Familienbetrieb kann die Frau also nicht führen. Im Haus dagegen ist sie die Chefin, zeigt ein DHZ-Tipp aus demselben Jahr: "Denken Sie immer an die bekannte Tatsache, daß über die meisten Haushaltsanschaffungen, Reparaturen, Schönheitsausbesserungen usf. die Frau entscheidet." Folglich müsse der Handwerker in Werbung und allen Geschäftsverhandlungen die Frau des Kunden mitansprechen.
Wie stark sich Geschlechterrollen und auch die Ansprüche an eine Beziehung im Laufe der Zeit gewandelt haben, zeigt eine selbstbewusste Bräutigamwerbung von 1970: "Elegante, attraktive Österreicherin, 28/1,67, mit herzlichem, natürlichem Wesen, sehr hübsch, Geschäftstocht. aus Mühle, Gutsbetrieb und Tansportunternehmen, ihr gehört bereits heute neuerbaute Villa, wertvolle Baugründe und sechsstellige Summe als Barvermögen, wü. charaktervollen Ehepartner." Statt einen Versorger oder eine Mitarbeiterin suchen immer mehr die große Liebe in der DHZ: "Einsamer Elektronik-Meister, 33/178/82, dkl.-blond, NR, sucht die Frau zum Leben, Lieben, Lachen und Glücklichsein für harmonische Beziehung", heißt es 1989.
Kontaktanzeige, Heiratsannonce und Einheirat im Handwerk
Dennoch ist das Konzept der "Einheirat" nicht vergessen, vor allem bei Eltern, die sich um den Fortbestand des Betriebs sorgen und kurzerhand die Partnersuche der Tochter beschleunigen: "Suchen einen tüchtigen und netten Malermeister od. Kaufmann für uns. Tochter, 20 J., 175 gr. u. schlank, der Interesse hat, unser Maler- und Farbengeschäft einmal weiterzuführen", heißt es noch 1970.
Die letzte Kontaktanzeige in der DHZ erschien übrigens im Jahr 2021, als das Internet längst den Markt übernommen hatte: "Malermeister led., 30 Jahre, ehrlich, mit Geschäftsinteresse würde gerne gleichgesinnte Sie kennen lernen."
Liebesglück per Kontaktanzeige
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