Noch sind die milliardenschweren Konjunkturprogramme in der Bauwirtschaft nicht angekommen. Unter dem Strich reichen die Investitionen aber nicht aus, um die Rückgänge im Wohnungs- und Wirtschaftsbau zu kompensieren. Von Karin Birk, Berlin
Konjunkturpakete in der Bauwirtschaft noch nicht angekommen
"Wir erwarten erst in der zweiten Jahreshälfte erste Baumaßnahmen", sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Karl-Heinz Schneider. Auch die deutsche Bauwirtschaft werde "nicht ungeschoren aus der Wirtschafts- und Finanzkrise hervorgehen“, sagte er. Nach einem Umsatzwachstum von rund vier Prozent auf 190,86 Mrd. Euro im vergangenen Jahr erwarte die Bundesvereinigung Bauwirtschaft für 2009 einen Umsatzrückgang von 1,5 Prozent auf 188 Mrd. Euro. Dabei werde die Zahl der Mitarbeiter wie im Vorjahr um 20.000 oder 0,75 Prozent zurückgehen.
Positiv wertete die Branche die im Frühjahr um 55 Prozent erhöhten Baugenehmigungen. "Dass die Genehmigungen gestiegen sind, lässt hoffen, dass es auch Aufträge geben wird", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Karl Robl. Bisher hake es allerdings noch auf Länderebene. Dennoch rechne er für dieses Jahr noch mit einem Auftragsvolumen in Höhe von zwei bis drei Mrd. Euro aus den Konjunkturpaketen. Insgesamt dürfte das Bauhauptgewerbe vor allem von den geplanten höheren Infrastrukturinvestitionen des Bundes in Höhe von vier Mrd. Euro profitieren, sagte Schneider.
Unternehmen im Bereich Ausbau, Gebäudetechnik und Dienstleistungen dürften dagegen vor allem von Programmen zur Sanierung des Bundeshochbaus in Höhe von 3,75 Mrd. Euro und von den Mitteln desZukunftsinvestitionsgesetzes für Länder und Kommunen in Höhe von 13,3 Mrd. Euro profitieren.
Sorgen um Wirtschafts- und Wohnungsbau
Sorgen bereitet der mittelständisch geprägten Bauwirtschaft dagegen vor allem der Wirtschaftsbau und der Wohnungsbau. Wie Schneider mitteilte, habe der Wirtschaftsbau in den ersten drei Monaten diesen Jahres rund 20 Prozent weniger Aufträge als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum verbucht. Hier schlage sich die "abnehmende Investitionsbereitschaft der verarbeitenden Industrie und die Zurückhaltung der Dienstleistungsbereiche nieder". Ähnlich schlecht sehe es auch im Wohnungsbau aus, in dem die Auftragseingänge um 13,6 Prozent zurückgegangen seien. Um insbesondere den Wohnungsbau wieder in Gang zu bringen, verlangt die Branche deutlich höhere Anstrengungen der Politik und fordert beispielsweise die Abschreibungsmöglichkeiten beim Wohnungsneubau zu verbessern oder auch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für arbeitsintensive Bauleistungen im Wohnungsbau.