Während die gegenwärtige Konjunkturlage in Deutschland weiter düster ist, hellen sich die Zukunftserwartungen offenbar wieder langsam auf.
Konjunkturerwartungen steigen deutlich
Nach Angaben des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben sich die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren im Februar deutlich erholt. Der Index der Konjunkturerwartungen erhöhte sich überraschend gegenüber Januar von minus 31,0 Punkten auf minus 5,8 Punkte, wie das ZEW mitteilte. Damit erreichte der Index den höchsten Stand seit Juli 2007. Beobachter hatten im Vorfeld mit minus 25 Punkten gerechnet. Der historische Mittelwert liegt bei plus 26,5 Punkten.
Insgesamt zeigten sich die Finanzexperten damit bereits zum vierten Mal in Folge optimistischer hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklungen. Als mögliche Gründe führte das Institut die Konjunkturpakete der Bundesregierung an. Zugleich dürften die weiter sinkenden Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise den privaten Konsum stützen.
Allerdings gehe es mit der Konjunktur derzeit weiter bergab, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Der Index sei nur gestiegen, weil die deutsche Wirtschaft zurzeit so tief in der Rezession stecke und es kaum noch schlechter werden könne. Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist im Februar hingegen ein weiteres Mal gesunken, diesmal auf den tiefsten Stand seit Ende 2003. Der entsprechende Indikator sank um 9,1 Punkte auf minus 86,2 Punkte. "Das Erreichen der Talsohle wird allerdings in den nächsten Monaten erwartet." Ab Mitte des Jahres rechnet das ZEW mit einer einsetzenden Erholung der Konjunktur. "Ein Hoffnungsschimmer – nicht mehr, aber auch nicht weniger", erklärte Franz.
Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt.
Das Gros der Experten zeigte sich weiterhin überzeugt davon, dass die Notenbanken ihre expansive Geldpolitik fortsetzen werden. So rechnet die Mehrheit von ihnen mit einer weiteren Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter haben seit Oktober 2008 ihre Leitzinsen um insgesamt 225 Basispunkte reduziert. Der wichtigste EZB-Zins steht aktuell damit bei 2,00 Prozent. Zugleich gingen rund drei Viertel der Experten davon aus, dass die US-Notenbank die gegenwärtig erreichte Nulllinie beim Leitzins vorläufig nicht verlassen wird.
Bankökonomen äußerten sich verhalten zu den Umfrageergebnissen. Sie verwiesen darauf, dass lediglich die Erwartungen gestiegen seien. Erst wenn sich auch die Daten wie etwa Auftragseingänge oder Produktion wieder stabilisierten, könne von einer wirklichen Trendwende gesprochen werden, sagte ein Analyst der WestLB. Die Bank rechnet mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung von 2,5 Prozent.
Die Ausfuhrwirtschaft steht einem Medienbericht zufolge unterdessen vor einem schwarzen Jahr. "Wir rechnen 2009 mit einem Exporteinbruch von bis zu acht Prozent", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, dem "Handelsblatt". Von den deutschen Topmanagern gingen rund drei Viertel von einer Stagnation oder Verschlechterung des Auslandsgeschäfts in diesem Jahr aus. Fast jedes zweite Großunternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten erwarte spürbare Rückschläge, heißt es in einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos unter fast 800 Führungskräften im Auftrag des "Handelsblatts" und der Unternehmensberatung Droege & Comp.
Jürgen Wutschke/ddp