Die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland haben sich im März leicht verbessert. Andere Prognosen für den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts nähern sich der Fünf-Prozent-Marke.
Konjunkturerwartungen im März etwas besser
Der sogenannten ZEW-Index erhöhte sich im März um 2,3 Punkte und liege nun bei minus 3,5 Punkten nach minus 5,8 Punkten im Vormonat, wie die Forscher weiter mitteilten. Experten hatten für den sogenannten ZEW-Index allerdings mit einer noch stärkeren Verbesserung auf minus 2,8 Punkte gerechnet. Der historische Mittelwert liegt mit plus 26,2 Punkten allerdings deutlich höher.
Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befragt.
IWH senkt Wachstumsprognose
Unterdessen nähern sich die Prognosen für den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Deutschland im laufenden Jahr der Fünf-Prozent-Marke. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) geht jetzt davon aus, dass das deutsche BIB 2009 um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr sinkt. Der Einbruch des Welthandels sei stärker als bislang erwartet, teilte das IWH am Dienstag mit. Dies treffe die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich.
Zuletzt war das Institut noch von einem BIP-Rückgang von 1,9 Prozent ausgegangen. Der IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig hatte allerdings bereits im Februar angekündigt, dass das Institut seine Prognose demnächst anpassen werde. In einem Interview sagte er, man
könne nun schnell bei einem Minus von vier Prozent sein. Auch fünf Prozent seien nicht aus der Welt.
Das IWH geht im weiteren davon aus, dass die Kurzarbeit ein Übergreifen der Rezession auf den Arbeitsmarkt verzögert. Die Beschäftigung werde bis Ende 2010 auf ihren Stand zu Beginn des vergangenen Aufschwungs sinken, hieß es. Die Defizitquote werde 2010 auf sechs Prozent steigen.
Aus Sicht der Ökonomen bremsen Konjunkturpakete den Rückgang der Produktionsaktivitäten nur wenig. Weitere Konjunkturprogramme würden das Vertrauen in eine nachhaltige Wirtschaftspolitik untergraben, erklärten sie. Gleichzeitig sprachen sie sich gegen deutliche Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) aus. Geldmarktzinsen in der Nähe von null Prozent könnten die Wiederbelebung des Interbankengeldmarktes verzögern und so das Kreditgeschäft der Banken im Euroraum behindern, erklärten sie. Die EZB hatte ihren Leitzins zuletzt am 5. März auf 1,5 Prozent
gesenkt. Das ist der tiefste Stand seit der Gründung der Eurozone 1999.
DIW senkt BIP-Prognose für erstes Quartal 2009 erneut
Auch nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird der Rückgang des deutschen BIPs wirdim ersten Quartal 2009 stärker ausfallen als bislang angenommen. Demnach rechnet das Berliner Institut mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung zwischen Januar und März um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie "DIW-Konjunkturbarometer" hervorgeht. Im Februar hatte das DIW noch ein BIP-Minus von 1,4 Prozent prognostiziert.
"Das aktuelle Quartal bedeutet damit einen genauso starken Einbruch wie das letzte Quartal 2008", sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. Das saison- und kalenderbereinigte BIP war im vierten Quartal 2008 auf Quartalssicht um 2,1 Prozent geschrumpft. "Nach derzeitiger Schätzung fällt die Wirtschaftsleistung auf den Stand von vor drei Jahren zurück", erklärte Kooths. "Ein Großteil der materiellen Früchte des letzten Aufschwungs ist damit wieder aufgezehrt." Deutlich länger dürften hingegen die Beschäftigungserfolge der vergangenen Jahre Bestand haben, auch wenn seit Jahresbeginn die Arbeitslosigkeit wieder ansteige.
Die Wertschöpfungsverluste im Produzierenden Gewerbe (ohne Bauwirtschaft) dürften nach derzeitiger Einschätzung nochmals kräftiger ausfallen als im Vorquartal. Auch im Bausektor stünden die Zeichen nach der leichten Erholung im Vorquartal "wieder auf Rezession". Die mit dem Konjunkturpaket II beschlossen Bauprojekte könnten frühestens im zweiten Halbjahr wirksam werden. Dagegen stagniere der Bereich Handel, Gaststätten und Verkehr.
Wie stark sich die Produktionseinbußen auf die Zahl der Erwerbstätigen auswirkten, hänge maßgeblich von der erwarteten weiteren Absatzentwicklung ab. Noch könnten und wollten die meisten Unternehmen an ihren Stammbelegschaften festhalten und nähmen daher eine betriebliche Unterbeschäftigung in Kauf, um qualifizierte Kräfte nicht vorschnell zu verlieren, hieß es.
ddp