Wirtschaft in der Rezession Konjunktur: Stimmung im Handwerk auf dem Tiefpunkt

Seit 15 Jahren war die Lage im Handwerk nicht mehr so schlecht wie heute. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Ein Grund dafür sind sinkende Umsätze. Doch es gibt auch Zeichen, die Hoffnung machen.

Der aktuelle Geschäftslagesaldo im Bau-Handwerk liegt mit 40,4 Prozentpunkten und im Ausbau-Handwerk mit 49 Prozentpunkten niedriger als 2024. - © Kwangmoozaa - stock.adobe.com

Nach zwei Jahren Rezession sind die Auswirkungen im Handwerk deutlich zu spüren. Knapp die Hälfte der befragten Betriebe bewertet ihre Geschäftslage aktuell gut oder sehr gut (51,6 Prozent). Im Vorjahr waren es noch 55,3 Prozent. Für 5,8 Prozent entwickelt sich die Lage mangelhaft bis ungenügend (Vorjahr: sieben Prozent). Und für 41,7 Prozent ist die Situation befriedigend bis ausreichend (Vorjahr 36,3 Prozent).

Daraus ergibt der Saldo, also die Differenz aus guten und schlechten Bewertungen der Geschäftslage, folgendes Bild: Mit 45,8 Prozentpunkten steht der Geschäftslageindex auf dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2010. Und das, nachdem er bereits von 2023 auf 2024 deutlich von 62 auf 48,3 Punkte gefallen ist, was damals einen neuen Tiefpunkt darstellte. Angesichts der anhaltenden sinkenden Wirtschaftsleistung in Deutschland wird dieser Wert 2025 jetzt noch einmal unterschritten.

Zum Vergleich: Vor der Pandemie erreichte der Index im Jahr 2019 76,6 Punkte.

Bau-Handwerk besonders betroffen

Mit Blick auf einzelne Handwerksbranchen fällt auf: Nur im Nahrungsmittelhandwerk und der Branche der personenbezogenen Dienstleistungen wird die aktuelle Geschäftslage in diesem Jahr besser beurteilt als im vergangenen Jahr. Niedriger als im Vorjahr sind die Erwartungen im Bau- und Ausbauhandwerk, im Kfz- und Metallhandwerk sowie im Handwerk des gewerblichen Bedarfs.

Die schlechte Stimmung trifft das Bau-Handwerk besonders. "Alles, was mit dem Bau zu tun hat, zeigt nach unten", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Ein Grund für die schlechte Stimmung sind stagnierende Umsätze auf niedrigem Niveau. "Der Einbruch ist zwar nicht so groß, aber es geht auch nicht nach oben", sagt Hantzsch. Vielmehr sei eine Seitwärtsbewegung zu beobachten. Das bedeutet: Nach einem Umsatzeinbruch von -8,4 Prozentpunkten während der Pandemie 2021, einer moderaten Erholung in den folgenden beiden Jahren sowie eines erneuten deutlichen Rückgangs auf 0,6 Prozentpunkte im vergangenen Jahr, verringert sich die Umsatzentwicklung nun auf -1,5 Prozentpunkte. Die Umsatzentwicklung verharrt damit unterhalb der Null-Linie und weit entfernt von den Umsatzsteigerungen der Jahre 2018 und 2019 von 33,5 und 31,2 Prozentpunkten.

Eigenkapital schmilzt

Gleichzeitig schmilzt das Eigenkapital der Handwerksbetriebe in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatten sich statistisch gesehen die Quoten der Betriebe mit einer sehr guten Eigenkapitalausstattung und derer mit einer zu geringen angenähert. Was gut war, denn es bedeutete, dass mehr Betriebe eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent hatten (25,9 statt 22,8 Prozent im Jahr 2023) und weniger Betriebe unter zehn Prozent Eigenkapital lagen (32 statt 34,1 Prozent im Jahr 2023). 2025 driften sie aber wieder auseinander, weil sich beide Werte nun in die jeweils andere Richtung entwickelt haben. Das heißt, nunmehr 34,5 Prozent der Betriebe verfügen über eine zu geringe Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent, aber auch etwas weniger Betriebe sind sehr gut mit Eigenkapital ausgestattet (25,4 Prozent haben über 30 Prozent Eigenkapitalquote). "Weniger Eigenkapital heißt weniger Puffer, weniger Resilienz, um kommenden Krisen begegnen zu können", warnt der Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer

Nichtsdestotrotz der schlechten Stimmung und trüben Aussichten im Handwerk, gibt es Anzeichen, die Grund zur Hoffnung geben. Und zwar in dreierlei Hinsicht. Die Gewinnerwartungen bessern sich, die Betriebe wollen Personal einstellen und sind investitionswillig. "Es verfestigt sich ein Trend, dass die Handwerksbetriebe glauben, es wird wieder besser", so der Experte.

Die Gewinnerwartungen hellen sich auf, nachdem 2024 mit -14,6 Prozentpunkten ein historischer Tiefpunkt erreicht war. Aktuell liegt der Saldo aus steigender und sinkender zukünftiger Ertragslage noch bei -7,7 Prozent. "Trotz, dass die Betriebe nicht wissen, wie es weiter geht, ist das Handwerk zuversichtlich", sagt Hantzsch.

Das gilt auch für die zukünftige Personalentwicklung. Der Index von 10,8 Prozentpunkten im Vergleich zu 7,8 Prozentpunkten im Vorjahr deutet darauf hin, dass zukünftig wieder Arbeitskräfte gebraucht werden. "Das ist eine gute Nachricht. Denn wer keinen steigenden Umsatz erwartet, stellt auch nicht ein."

Und schließlich planen mehr Handwerker Geld für die Erweiterung und Entwicklung ihres Betriebs in die Hand zu nehmen. Fast die Hälfte der Befragten (49,2 Prozent) ist investitionswillig (Vorjahr: 41,5 Prozent). "Nur mit Investitionen werden wir wieder wettbewerbsfähig", unterstreicht Patrik-Ludwig Hantzsch.