Streitigkeiten, Konflikte oder sogar körperliche Auseinandersetzungen: Wenn es unter den Azubis zu Konflikten kommt, müssen Ausbilder einschreiten. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, welche Möglichkeiten sich eignen.

Ein Konflikt während der Ausbildungszeit kann für alle Beteiligten zu einer starken Belastung werden. Manchmal sind die Folgen schwer zu kontrollieren, wenn aggressives Verhalten mit ins Spiel kommt.
So unterschiedlich wie Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Reaktionen bei Konflikten: Manche Beteiligte motzen still vor sich hin, andere ziehen sich zurück und schotten sich ab. Aber es gibt auch diejenigen, die zu einer körperlichen Auseinandersetzung neigen. Kommt es zu einer starken Konfrontation unterschiedlicher Ansichten und Herangehensweisen und wird es dabei aggressiv, sind die wenigsten kompromissbereit. Im Vordergrund stehen persönliche Interessen, das Gegenüber wird bekämpft.
Es gibt Meinungsunterschiede und die Stimmung ist angespannt. Das Betriebsklima ist angespannt und gereizt. Gespräche werden immer öfter durch Taten ersetzt. Es gibt kein gegenseitiges Verständnis mehr, keiner will nachgeben. Der Konflikt bewegt sich immer weiter weg von der sachlichen Seite und wird persönlich. Dann rückt eine mögliche Einigung immer weiter weg. Es kommt zu Gefühlsausbrüchen – gegebenenfalls wird auch Gewalt angedroht. Alles gleitet in eine unangenehme, unter Umständen ausweglose Lage.
Wenn der Konflikt körperlich wird: die Folgen
Solche Konflikte entstehen sehr häufig, weil nicht miteinander gesprochen wird. Es gibt unterschiedliche Erwartungen. Mündet der Konflikt in eine körperliche Auseinandersetzung, kann das für einen Lehrling erhebliche Folgen haben, die von einer fristlosen Kündigung über eine Schadensersatzpflicht bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen reichen. Unter Umständen ist bei einer fristlosen Kündigung keine Abmahnung erforderlich.
Eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Lehrlingen und Beschäftigten verletzt das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit. Das ist ein Verstoß gegen die Pflicht der Ausbildenden, für die Sicherheit der ihrer Lehrlinge zu sorgen.
Im Gespräch mit dem Ausbilder Konflikte lösen
Für den erfolgreichen Verlauf der Ausbildung ist es wichtig, Probleme frühzeitig zu erkennen und in gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Dafür gibt es frühe Anzeichen. Es wird weniger miteinander gesprochen und Gerüchte machen die Runde. Für die Ausbilderin oder den Ausbilder gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, in einem sachlichen, klaren, förderlichen und ehrlichen Gespräch Konflikte zu lösen. Wichtig ist dabei:
- den Rahmen, die Spielregeln und das Ziel zu bestimmen,
- einen offenen Austausch vorzuschlagen,
- sachlich aber deutlich Grenzen zu beschreiben,
- eigene Vorstellungen und Ziele zu erläutern,
- Toleranz und Wertschätzung einzufordern,
- eventuell im persönlichen Umfeld nach Gründen zu suchen,
- mögliche Überforderungen oder Unterforderungen anzusprechen,
- Kritik anhand von Beispielen zu verdeutlichen,
- eine gemeinsame Lösung schriftlich festzuhalten und auch
- einen Folgetermin zu vereinbaren, um Fortschritte zu besprechen.
Das kann man durch regelmäßige, wertschätzende Rückmeldungen, das Nennen guter Beispiele und die Suche nach gemeinsamen Lösungen ergänzen. Die Gesprächsführung sollte dabei neutral verlaufen, sodass man keiner Seite recht gibt. Die besten Lösungen sind die, bei denen alle das Gefühl haben, etwas gewonnen zu haben. Bei Bedarf kann man Unterstützung durch die Ausbildungsberatung der örtlichen Handwerkskammer einbinden.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.