Energie Komplette Abschaffung von Super E10 im Gespräch

Die deutsche Mineralölindustrie hat die Einführung des neuen Biosprits Super E10 vörläufig gestoppt. Während Energieexperten den Schritt kritisieren, fordern Europapolitiker E10 ganz abzuschaffen.

Darf ich oder darf ich nicht Super E10 tanken? Diese Frage stellen sich viele Autofahrer. Aufklärung gibt es kaum. Foto: dapd

Komplette Abschaffung von Super E10 im Gespräch

E10 enthält entsprechend einer EU-Richtlinie bis zu zehn Prozent Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen. Zuvor wurden nur fünf Prozent Biosprit ins Benzin gemischt. Weil verunsicherte Autofahrer trotz der höheren Preise lieber Super Plus als E10 tanken, gibt es derzeit ein Überangebot des Biokraftstoffs und Engpässe bei Super Plus. Der Mineralölwirtschaftsverband hatte daher angekündigt, vorerst keine weiteren Raffinerien auf die Produktion des neuen Treibstoffs umzustellen.

Fehlende Informationen beklagt

Der Vorsitzende der CSU-Gruppe im EU-Parlament, Markus Ferber, sagte: "E10 wieder abzuschaffen wäre die effektivste Klimapolitik für Mensch, Fahrzeug und Umwelt." Er nannte E10 einen "umweltpolitischen Unsinn". Der CDU-Energieexperte im Europäischen Parlament, Herbert Reul, ist der selben Meinung: "Der Einsatz von E10 war überstürzt und ist falsch verstandener Klimaschutz auf dem Rücken der Autofahrer. Je eher E10 von den Tankstellen verschwindet, desto besser." Auch der stellvertretende FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Patrick Döring kritisiert die mangelnde Aufklärung der Autofahrer: "Die Autokonzerne müssen endlich genau und rechtsverbindlich mitteilen, welche Modelle E10 vertragen. Ansonsten ist E10 zum Scheitern verurteilt."

Bauernverband: Mineralölwirtschaft ist schuld

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner dagegen sagte, die Angst der Autofahrer vor E10 sei unbegründet. Grund für das E10-Chaos sei die mangelhafte Aufklärung durch die Mineralölwirtschaft. Die Ankündigung der Branche, drohende Strafzahlungen an die Kunden an der Zapfsäule weiterzureichen, sei ein völlig unnötiges Machtgeplänkel. Die Mineralölwirtschaft solle lieber über die Qualität des Biosprits E10 mit einem Anteil von zehn Prozent Bioethanol am Benzin aufklären, statt die Muskeln spielen zu lassen. Der Bauernpräsident forderte, sofort E10-Verträglichkeitslisten an allen Tankstellen auszulegen. So werde klar, dass der Kraftstoff für die meisten Automodelle geeignet sei.

Expertin hält Befürchtungen für ungerechtfertigt

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert kritisierte, der Einführungsstopp sei nicht akzeptabel. "Wir brauchen den Biokraftstoff E10, denn wir müssen dringend wegkommen vom Öl", sagte sie und monierte die Informationspolitik der Bundesregierung. "Die Regierung hat die Verbraucher nicht gut genug informiert", sagte Kemfert. Deren Befürchtungen seien ungerechtfertigt, da nur die wenigsten Fahrzeuge E10 nicht vertrügen. Zudem kritisierte Kemfert, die Mineralölwirtschaft habe sich auf die Einführung des Kraftstoffs nicht gut genug vorbereitet.

Benzin-Gipfel am Dienstag

Auf einem Benzin-Gipfel wollen am kommenden Dienstag Vertreter der Bundesregierung, der Industrie und der Wirtschaftsverbände Wege aus dem Chaos bei der Einführung des neuen E10-Biosprits finden. Das gaben Sprecher des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums bekannt. Unterschiedliche Einschätzungen zwischen den beiden Ministerien gab es allerdings darüber, ob es trotz der mangelnden Akzeptanz von Super-E10 bei der Einführung des neuen Benzins bleibt.

Die Sprecherin des Umweltministeriums, Christiane Schwarte, wies der Mineralölwirtschaft die Schuld an dem "Kommunikationsdesaster" zu. "Sie hat sich nicht genügend an der Aufklärung beteiligt." Sie erinnerte daran, dass bis 2014 eine Beimischungsquote von Biosprit in der gesamten Benzinmenge erreicht werden müsse, und dass der Weg über die Einführung des E10-Kraftstoffs einer von mehreren möglichen sei. Schwarte bestätigte, dass es bei der Einführung des E10-Benzins bleiben solle.

Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Tobias Pierlings, wollte sich darauf nicht festlegen. Beide betonten aber, bei dem Gipfel solle es nicht mehr um Schuldzuweisungen gehen, sondern darum, offen über Probleme zu reden und gemeinsam Lösungen zu finden.

Schwarte formulierte, man werde "die Wirtschaft an die Hand nehmen", um Lösungen zu finden, die Verbraucher besser aufzuklären. Sie nannte es "nicht hinnehmbar", dass die Wirtschaft drohe, eventuelle Strafzahlungen bei Nichterfüllung der Quote auf die Verbraucher umzulegen.

Als Teilnehmer nannten die Sprecher von Regierungsseite die Ministerien für Umwelt, Wirtschaft, Verkehr und Verbraucher. Auf der anderen Seite sind ADAC und AvD, die Verbände der deutschen Autoindustrie und der Importeure sowie der Tankstellen und der Mineralölwirtschaft, aber auch der Bauernverband und andere Vertreter der Biokraftstoff-Wirtschaft vertreten.

dapd