Frauen und Gedöns: Vor 17 Jahren waren Altkanzler Gerhard Schröder die Themen rund um die Familie nur eine flapsige Bemerkung wert. Heute, wo immer mehr Regionen und immer mehr Branchen unter Fachkräftemangel leiden, ist das "Gedöns“ ein wichtiger Wettbewerbsfaktor geworden. Ein Handwerksbetrieb zeigt, wie es geht.
Barbara Oberst

"Wir haben kaum Fluktuation“, bestätigt Marianne Zach, kaufmännische Geschäftsleiterin der Zach Elektroanlagen GmbH in Tacherting.
Wenn die 102 Mitarbeiter dem Betrieb großteils seit langen Jahren die Treue halten, liegt das nicht zuletzt an den familienfreundlichen Maßnahmen der Eheleute Zach: Für neun Mitarbeiter bezahlt der Betrieb deren Kindergartenbeiträge, 19 Mitarbeiter haben ihre Arbeitszeiten an die familiäre Situation angepasst. Sie fangen später an oder hören früher auf, manche haben auch auf eine für sie passende Teilzeit reduziert. Vor allem aber sind es die individuellen, spontanen Dinge, die die Mitarbeiter zu schätzen wüssten, ist sich Marianne Zach, selbst Mutter dreier erwachsener Kinder, sicher. „Eine Abschlussfeier im Kindergarten kommt nie wieder. Natürlich tun wir alles, damit unsere Leute daran teilnehmen können.“
Vieles ist seit jeher gängige Praxis
Viele Maßnahmen, die heute als „familienfreundlich“ gelten, sind im Handwerk seit jeher gängige Praxis. Doch bisher nutzen Betriebe dieses Engagement noch zu wenig in ihrem Werben um Arbeitskräfte. „Um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, könnten Betriebe ihre Familienfreundlichkeit noch offensiver nach außen darstellen“, empfiehlt Marcus Halder, Berater für Arbeitsrecht bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Schlagworte wie "work-life-balance“ oder "Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die heute stärkste Altersgruppe unter den Erwerbstätigen sind die 40- bis 60-Jährigen. Diese "Sandwich-Generation“ klemmt zwischen der Verantwortung für die eigenen Kinder und der für pflegebedürftige Eltern.
Betroffene sind bereit, Abstriche beim Einkommen hinzunehmen, wenn sie dafür neben ihrer Berufstätigkeit auch noch genügend Zeit für die Familie haben – ein Trend, der dem Handwerk mit seinen vergleichsweise niedrigeren Löhnen, aber guten sozialen Strukturen entgegenkommt.
Später anfangen, früher gehen, Teilzeit oder Heimarbeitsplätze
Rund die Hälfte der Handwerksbetriebe bietet ihren Mitarbeitern bereits individuelle Arbeitszeiten, zeigt eine Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts von 2013. Doch nicht überall passen solche Maßnahmen in den betrieblichen Ablauf. Dann hilft zumindest ein Betriebsklima, in dem es Betroffene ohne Angst vor negativen Folgen wagen können, ihrem Chef und den Kollegen Alternativen vorzuschlagen oder nach Lösungen zu suchen, die für alle machbar sind.
Der Einsatz lohnt sich für beide Seiten, bestätigt Marianne Zach: "Das ist ein Geben und Nehmen. Wenn wir auf die Belange der Mitarbeiter Rücksicht nehmen, kommen sie uns auch entgegen.“
Weitere Informationen zu Familienfreundlichkeit unter www.erfolgsfaktor-familie.de .