Bei der Zusammenstellung seiner Berufskleidung steht einem Handwerker heute mehr Vielfalt als je zuvor zur Verfügung. Doch trotz aller Wahlmöglichkeiten bestimmen vor allem die beruflichen Anforderungen, die Vorgaben der Firmenchefs und gegebenenfalls die körperliche Disposition über die Kleider-Kombination.
Sabine Anton-Katzenbach

Der allseits beliebte Spruch „Früher war alles besser“ trifft mitnichten auf Berufskleidung für das Handwerk zu. Während sich die Kollektionen noch vor wenigen Jahrzehnten überwiegend auf Bundhose, Latzhose, Bundjacke, Arbeitshemd und Kittel beschränkten, hat sich das Sortimentsangebot heute deutlich geändert. Die spärliche Auswahl zwischen Bund- und Latzhose wurde längst um Shorts, Piraten- und Cargo-Hosen erweitert.
Bei den Oberteilen wurde die Bundjacke durch modern geschnittene Blouson-Jacken, sportliche Fleece- und Softshelljacken, Westen und Shirts aller Art abgelöst. Dank ihrer funktionellen Materialien, ergonomischen Schnitte und guten Kombinierbarkeit haben sie der Berufskleidung einen deutlichen Komfortgewinn beschert. So sind T-Shirts der Favorit bei allen Handwerkern, die körperlich anstrengende Tätigkeiten ausführen. Die elastischen Materialien erlauben einen hohen Bewegungskomfort, sind bequem und trocknen schnell.

Da sie außerdem leichter und in der Regel preiswerter als Hemden oder Polos sind, werden sie über alle Branchen hinweg gerne im Sommer getragen und mit einer Weste kombiniert. Deren Vorteil wiederum sind die vielen Taschen, die bei der Arbeit als Stauraum für Werkzeuge und Persönliches gebraucht werden. Außerdem bieten Westen einen gewissen Schutz gegen Wind und Zug. Sie halten gleichzeitig den Rücken warm, weshalb Handwerker, die häufig im Knien oder gebückt arbeiten, Westen mit einem länger geschnittenen Rückenteil nutzen.
Oberteile für unbestimmtes Wetter
Sobald es kühler wird, beginnt die Zeit der Jacken. Fleecejacken sind beliebt, aber nicht für alle Handwerke geeignet. Die bei Steinmetzen, Schreinern oder Lackierern entstehenden Staub-, Holz- und Lackpartikel lagern sich auf oder in der feinfaserigen Oberfläche ab und können in der Wäsche kaum entfernt werden. Darüber hinaus schmilzt das Polyester-Material bei hohen Temperaturen, weshalb Fleecejacken bei Schweiß- oder Flex-Arbeiten tabu sind.
Dasselbe gilt für Softshelljacken. Die Jacken schützen zwar gegen leichten Regen und Wind, nicht aber gegen heiße Metallspritzer oder Funken. Sie verkohlen die Materialoberfläche und zerstören deren Funktion. Von dieser Einschränkung abgesehen erfreuen sich Softshelljacken dank des sportlichen Looks und der Bewegungsfreiheit im Handwerk großer Beliebtheit. Allerdings ist ihre Aufnahmekapazität für Werkzeuge und Co. wegen der Dehnbarkeit des Oberstoffes begrenzt.
Handwerkern, die umfangreiches Arbeitsgerät "am Mann" haben müssen, empfiehlt sich daher eine Bundjacke. Sie ist strapazierfähig und hat vielzählige Taschen. Die Jacke sollte aber nicht zu lang sein, andernfalls setzt man sich auf das Rückenteil – und das ist unbequem und engt ein.
Bundhosen für die Corporate Identity
Auch bei den Hosen bestimmen die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsgebiets eines Handwerkers über die Wahl des geeigneten Kleidungsstücks. Latzhosen bieten einen zusätzlichen Schutz des Oberkörpers und des Rückens. Sie verfügen über viele Taschen, rutschen nicht und sind dank Weitenregulierung oder elastischer Einsätze bequem, was vor allem von untersetzten Männern geschätzt wird.
Auch Handwerkerinnen tragen Latzhosen, wenn etwa eine Kollektion keine Damenteile umfasst. Als Alternative stehen Bundhosen in unterschiedlichen Längen zur Verfügung. Sie haben üblicherweise weniger Taschen als Latzhosen, sind aber vor allem bei modebewussten und bei jungen Beschäftigten beliebt.
Darüber hinaus bieten Bundhosen einen unschlagbaren Vorteil: Sie lassen sich mit jedem anderen Bekleidungsteil kombinieren, was die Umsetzung der Corporate Identity in der Mitarbeitergarderobe erleichtert. Sie wird als optisches Unterscheidungsmerkmal genutzt und üblicherweise von den Firmenchefs vorgegeben. Trotz des Variantenreichtums, den die Berufskleidungsbranche zu bieten hat, hat also nicht jeder Handwerker die Qual der Wahl.
Beliebte Berufskleidungsteile: Worauf es ankommt
| Bekleidungsteil | Wo kommt das Bekleidungsteil zum Einsatz? | Worauf kommt es bei dem Bekleidungsteil an? |
|---|---|---|
| Latzhose | Latzhosen sind gefragt, wenn die Beschäftigten im Bauchbereich eine Schutzfunktion brauchen und keine Jacke tragen wollen. Latzhosen werden gerne in kühler oder zugiger Umgebung getragen. Latzhosen werden von untersetzteren Personen geschätzt. | Die Trägerkonstruktion muss elastisch sein, damit sie bei Bück- oder Steckbewegungen nicht einschneidet. Eine Latzhose muss über ausreichend Taschen verfügen, die Stauraum für Arbeitsutensilien bieten. Eine Latzhose sollte des Komforts wegen über eine Weitenverstellung verfügen. Eine Latzhose muss sich – je nach Beruf – mit Kniepolstern ausstatten lassen |
| Bundhose | Bundhosen werden bei Gewerken mit einem hohen Anteil an Fahrzeiten getragen. Bundhosen sind bei jüngeren und bei modebewussten Beschäftigten beliebt. Die Bundhose ist uneingeschränkt mit allen Oberteilen kombinierbar, weshalb sie bei Unternehmen beliebt ist, die Corporate Identity auf die Mitarbeiterbekleidung übertragen. | Eine Bundhose muss eine gute Passform haben, damit sie gut sitzt, beim Bücken nicht kneift und vor der Peinlichkeit eines Maurer-Dekolletees bewahrt. Ein Dehnbund verleiht entsprechenden Komfort. Bei einer Bundhose sind eine funktionale Anordnung der Taschen und ein robustes Material wichtig. Eine Bundhose muss sich – je nach Beruf – mit Kniepolstern ausstatten lassen. |
| Bundjacke | Eine klassische Bundjacke ist für Arbeiten in jedem Handwerk geeignet, da sie strapazierfähig ist und zahlreiche Taschen und Stauraum bietet. | Eine Bundjacke muss robust und bequem sein. Sie muss viel Bewegungsfreiheit bieten und darf bei Streckbewegungen nicht hochrutschen. Die Materialien müssen strapazierfähig sein. Eine Bundjacke sollte nicht zu lang geschnitten sein. |
| Softshelljacke | Softshelljacken eignen sich für alle, die sowohl drinnen als auch draußen arbeiten und daher einen leichten Wetterschutz benötigen. Softshelljacken sind flexibel und bei Arbeiten mit großem Bewegungsradius geeignet. | Eine Softshelljacke muss atmungsaktiv, wasserabweisend und winddicht sein. Softshelljacken sind aufgrund ihres Materials empfindlich; an stark beanspruchten Stellen sollten sie durch robuste Gewebe verstärkt sein. |
| Weste | Westen werden bei gutem Wetter und höheren Umgebungstemperaturen getragen. | Westen brauchen viele Taschen für Stauraum. Die Materialien müssen strapazierfähig sein. |
| T-Shirt | Das T-Shirt wird vor allem in Berufsgruppen getragen, die körperlich anstrengende Tätigkeiten ausführen. Das T-Shirt ist im Handwerk ein beliebtes Sommer-Oberteil und ist kostengünstig. | Ein T-Shirt muss Bewegungskomfort bieten, großzügig geschnitten und angenehm auf der Haut sein. Das Material muss strapazierfähig sein. |
