Altkanzler Helmut Kohl erhält in Berlin den Henry-A.-Kissinger-Preis. Rund 300 Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft drängen sich an diesem verregneten Montagabend in das Festzelt im Garten der American Academy in Berlin.
Kohl als "als großer Mann" in Berlin geehrt
Berlin (dapd). Altkanzler Helmut Kohl erhält in Berlin den Henry-A.-Kissinger-Preis. Rund 300 Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft drängen sich an diesem verregneten Montagabend in das Festzelt im Garten der American Academy in Berlin. Auch der Namensgeber des Preises und frühere US-Außenminister Henry Kissinger, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der neue Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) sowie der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) befinden sich unter den Gästen.
Zum Auftakt des Festaktes singt Star-Bass René Pape begleitet von Pianist Julien Salemkour "Der Musensohn" und "An die Musik" von Franz Schubert. Ex-US-Präsident Bill Clinton würdigt seinen langjährigen politischen Weggefährten in einer 20-minütigen Laudatio. Deutschlands Wiedervereinigung habe mit Kohls selbstloser Vision für eine deutsche Einheit begonnen, sagt Clinton. Der CDU-Politiker habe die hierfür nötige Vorstellungskraft, Kompetenz und Entschlossenheit aufgebracht.
Auch sei unbedingt richtig gewesen, dass sich Deutschland 1983 standhaft zum damals höchst umstrittenen NATO-Doppelbeschluss bekannt habe. Eine Entscheidung, die letztendlich zum Fall des Eisernen Vorhangs führte, meint Clinton. Kohl sei ein wundervoller Freund - für ihn, für Amerika, aber auch für die Deutschen, "ein großer Mann, nicht nur in körperlicher Statur".
Weltbankpräsident Robert Zoellick umreißt den langen Weg der Wiedervereinigung Deutschlands. Dabei betont er das besondere Verhältnis Kohls zu den USA. Das dortige Vertrauen in den damaligen Kanzler sei unabdingbar für die weiteren Entwicklungen gewesen. Auch seinen Einsatz für eine europäische Währungsunion zählt Zoellick zu Kohls Erfolgen.
Merkel nennt ihren politischen Ziehvater einen Politiker mit großer Weitsicht, großer Klarheit und mit immerwährender großer Liebe zu den Menschen in den neuen Bundesländern. Auf dem, was die Vorgänger geleistet hätten, müsse die deutsche Politik weiterhin aufbauen, meint die Kanzlerin.
Schließlich bedankt Kohl sich für den Preis. Man könne stolz darauf sein, was geschafft worden sei, sagt der 81-Jährige mit schwerer Stimme, nicht leicht verständlich. Kohl spricht sich für ein einvernehmliches Miteinander aus: "Lassen Sie uns zusammenrücken", sagt er. "Wir sind auch für die anderen da, für unsere Nachbarn und unsere amerikanischen Freunde", meint Kohl. Wer denkt, dass man alles abschaffen und neu anfangen müsse, der täusche sich. "Wir müssen auf diesem Weg weitermachen."
Seit 2007 ehrt der Henry-A.-Kissinger-Preis jährlich eine amerikanische oder europäische Persönlichkeit für ihre außerordentlichen Verdienste um die transatlantischen Beziehungen. Bisherige Preisträger sind Ex-Kanzler Helmut Schmidt (2007), der frühere US-Präsident George Bush senior (2008), Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (2009) und der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg (2010).
Der Namensgeber des Preises und frühere US-Außenminister Henry Kissinger sagt vor der Verleihung, Kohls Rolle als deutscher Bundeskanzler in den 80er Jahren sei von historischer Bedeutung. "Niemand leistete mehr, um die deutsche Wiedervereinigung zu ermöglichen." Kissinger betonte, er freue sich, mit Kohl zu diesem Anlass in Berlin zu sein.
dapd
