Die Orgelbauerschule in Ludwigsburg Könige unter den Instrumentenbauern

Die Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg bildet Orgelbauer aus aller Welt aus. Für zwei Zweige ist sie sogar konkurrenzlos in Deutschland.

Susanne Bajohr

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    Marcus Kaul und sein Meisterschüler Martin Kauert lauschen den Klängen der Schulorgel.
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    Orgelbaumeister und Fachlehrer Marcus Kaul (2.v.r.) unterrichtet Meisterschüler aus dem In- und Ausland
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    Der Stolz der Oscar-Walcker-Schule.
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    Meisterleistung: Rundholzorgelpfeife in Stimmung Subkontra C (16Hz)

Für Martin Kauert aus Königswinter ist es eine Ehre, den Meistertitel anzustreben. Der gelernte Schreiner und Orgelbauer ist, wie seine sechs Kollegen aus Berlin, Bautzen, Regensburg und dem Erzgebirge, nach Ludwigsburg gekommen, um den Meisterkurs für Orgelbauer zu besuchen.

Dort sitzt die Oscar-Walcker-Schule (OWS), seit 1993 Bundesfachschule in den Sparten Orgel- und Harmoniumbau sowie Klavier- und Cembalobau. Die Gewerbliche Schule ist in diesen beiden Berufszweigen deutschlandweit konkurrenzlos. Auszubildende und Meisterschüler aus dem In- und Ausland zieht es alljährlich in die Barockstadt am Neckar, um die hohe Kunst des Instrumentenbaus zu erlernen und zu vertiefen.

Wahrlich ein Studium

Auch Martin Kauert hat weder Zeit noch Geld gescheut, um neben Beruf und Familie fern seiner Heimat in Theorie und Praxis den Orgelbau zu studieren. Denn der Meisterkurs für Orgelbauer ist wahrlich ein Studium zu nennen und bietet heutzutage zudem den Einstieg in ein weiterführendes Bachelorstudium.

Während die Zahl der Auszubildenden an der OWS, benannt nach dem Gründungsvater und Orgelbaumeister Oscar Walcker (1869-1948), mit rund 120 im Jahr recht konstant geblieben ist, hatte die Abschaffung der Meisterpflicht zunächst für einen starken Rückgang der Meisterschüler gesorgt. „Inzwischen haben sich die Zahlen dank der Umstellung von einem Jahr Vollzeitunterricht auf einen Trimester-Turnus hier aber wieder stabilisiert“, freut sich Studiendirektor Werner Stannat.

"Der Orgelbau ist die Königsdisziplin im Instrumentenbau", sagt Stannat. Der Abteilungsleiter für Musikinstrumentenbau an der Oscar-Walcker-Schule verweist auf die hervorragenden Möglichkeiten, die die Schule Meisterschülern und Azubis biete. Nicht ohne Stolz präsentiert er die imposante Orgel, die zur vielfältigen Instrumentensammlung seiner Fachschule zählt. Die schon seit 1958 existierende und stetig erweiterte Schulorgel dient bis heute den angehenden Orgelbauern und Meisterschülern als transparentes Demons­trations- und Versuchsinstrument.

Orgelbaumeister Marcus Kaul: "Jede Pfeife ist ein Individuum."

Ebenso die schuleigene Metallpfeifenwerkstatt mit Schmelzofen, die es dem Nachwuchs ermöglicht, diesen komplexen Beruf bis ins kleinste Detail zu erlernen. Für Aufsehen sorgten die Orgelbauer beispielsweise 2003 mit der Fertigstellung einer zwölf Meter langen Pfeife aus Holz, die das Subkontra-C, den tiefsten Orgelton überhaupt, erklingen lässt. "Gerade im Bereich des Orgelbaus verfügen wir über eine hervorragende Ausstattung und hochqualifizierte Lehrkräfte", betont Stannat.

Eine der Lehrkräfte ist Marcus Kaul, Orgelbaumeister und Technischer Oberlehrer an der OWS. Kaul schwärmt von der Vielfalt des Berufs: ob höhere Mathematik, Konstruktionslehre, Mechanik, Pneumatik, Elektrotechnik, Akustik, Architektur- und Stilkunde oder Klangplanung und Kalkulation, ob Holz- und Metallfertigungstechniken, Intonieren oder Stimmen – ein Orgelbaumeister ist ein Allrounder. "Unser Beruf beinhaltet bestimmt vierzehn Berufe", sagt Kaul. Vom Architekten bis hin zum Schreiner und Schlosser sind im Orgelbau viele Fertigkeiten notwendig.

Faszinierende Komplexität

Seit 18 Jahren unterrichtet Kaul bereits die hohe Kunst des Orgelbaus. Rund 10.000 Klavier- und Orgelbauschüler sowie 250 Meisterschüler hat der 47-Jährige seither unterrichtet. "Ich selbst bin durchs Orgelspiel zu meinem Beruf gekommen", erzählt der Fachlehrer. Und noch heute fasziniere ihn die Komplexität seines Berufs.

Wie können beispielsweise 40 Register 2240 Pfeifen zu einem einheitlichen Klangbild ertönen lassen? Ein bis zwei Jahre dauere es bei einer solchen Dimension bis zur Fertigstellung der Orgel, weiß der Orgelbaumeister aus Erfahrung. Die Leidenschaft für dieses traditionsreiche Instrument vermag Marcus Kaul auch seinen Schülern zu vermitteln. "Jede Pfeife ist ein Individuum!" Ein Satz, den Martin Kauert beim Bau seines Meisterstücks bestimmt nicht vergessen wird.

ows-lb.de