Psychodoktor oder Unfallchirurg? Dortmunds Trainer Jürgen Klopp drehte beim 3:2-Siegtreffer seiner Borussen beim 1. FC Köln derart am Rad, dass man nicht wusste, welchen Mediziner man als erstes rufen sollte. DHZ-Kolumnist Stefan Galler hat da einen Vorschlag.
Klopp gehen die Gäule durch
Meisterbetrieb: Fräulein Spitze ziert sich
Es ist ein bisschen wie ein unglückliches Liebesverhältnis: Der FC Bayern und die Tabellenspitze – sie kommen einfach nicht mehr richtig zusammen. Zunächst hatte ER das Interesse an dieser monotonen Beziehung verloren – und wollte einfach mal was Neues ausprobieren. Und so wechselte SIE fortan ihre Lover wie andere Leute Unterwäsche: Jungspund Hoffenheim, Schalke, Hamburg, selbst vor Hertha BSC schreckte die Spitze nicht zurück, dann ein längeres Intermezzo mit dem VfL Wolfsburg und zuletzt gab sie mal dem lange verschmähten Leverkusen eine Chance.
Am Freitagabend nun, da kam es endlich mal wieder zu einem heftigen Flirt zwischen den Beiden. Und, was soll man sagen, der FCB blieb gleich über Nacht. Aber tags darauf war Katerstimmung angesagt, sie schenkte doch wieder Bayer 04 Leverkusen ihre Gunst.
Dabei ist die Sehnsucht bei ihm doch soo groß: Der Trainer soll angeblich ständig bei Fleurop holländische Tulpen ordern, kann jedoch nirgends die Adresse der Angebeteten ausfindig machen. Und der Vorstandsvorsitzende besucht seit letztem Semester einen VHS-Kurs mit dem Thema "Kleine Gedichte über große Gefühle" und prahlte im Familienkreis auch schon über seine angeblich so immense Begabung. Als er dann seine erste öffentliche Lesung zu Ehren eines Kaisers gleich total in den Sand setzte und sich überdies noch herausstellte, dass dieses dilettantische Machwerk gar nicht aus seiner eigenen Feder stammte, untersagte der Aufsichtsrat dem Möchtegern-Barden endgültig, sich mit einer herzerwärmenden Ballade an Fräulein Spitze zu wenden. Und so ist guter Rat teuer.
Eines steht jedenfalls fest: Wenn einzelne Bayern weiterhin in derart abtörnenden Beinkleidern auftreten, wie das Arjen Robben am Freitag gewagt hat, wird es nicht mal mehr zu einem One-Night-Stand mit der Schönen reichen.
Gesellenstück: Psychodoktor oder Unfallchirurg?
Also doch: Was viele Beobachter immer ahnten, hat sich jetzt wieder mal bestätigt: Jürgen Klopp trägt seinen Nachnamen nicht ganz zu Unrecht. In der zugegeben sehr aufregenden Schlussphase des Gastspiels seiner Dortmunder in Köln gingen dem Coach derart die Gäule durch, dass man nicht recht wusste, welchen Mediziner man als erstes rufen sollte: Einen Psychodoktor oder doch eher einen Unfallchirurgen. Denn nach Kölns 2:2 durch Mohamad drehte Klopp erstmals total am Rad, reklamierte wort- und gestenreich bei Schiri Meyer und wurde von jenem auf die Tribüne geschickt. Als dann Großkreutz doch noch der Siegtreffer für die Borussia gelang, rannte Mister Adrenalin wie vom Affen gebissen über die Ränge, checkte drei Kölner Fans zur Seite und balancierte wie ein Zirkusartist auf dem Tribünengeländer.
Hinterher reagierte nicht nur Klopp selbst erschrocken ob seiner Raserei. Da hilft nur eines: Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, auch mal Trainer zur Dopingprobe zu schicken.
Erstes Lehrjahr: Rätselhafte Berlin-Allergie
Nichts klappt in diesen Tagen bei Hannover 96. Der Start ins neue Jahr ging total in die Hose für die Niedersachsen. Schuld an der aktuellen Misere scheint eine Berlin-Allergie der Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann zu sein: Schon das Testspiel zu Jahresbeginn gegen Zweitligist Union geriet zur Blamage. Nach der 1:2-Pleite tobte Manager Jörg Schmadtke in der Kabine: Er verglich die Darbietung seiner Profis mit "Betriebssport" und hoffte, sie damit wachgerüttelt zu haben. Doch scheinbar haben die 96-Kicker ihren Boss total missverstanden und gemeint, er vergleicht sie mit Werksteams wie Bayer Leverkusen oder der VW-Vertretung aus Wolfsburg. In Wahrheit erinnerte sich Schmadtke beim Beobachten des Freundschaftsspiels aber eher an bierselige Feierabendkicker aus der Siemens-Kantine.
Und genau so wirkten sie auch am Samstag im eigenen Stadion gegen die nächste Elf aus der Hauptstadt, Bundesliga-Prügelknabe Hertha: 0:3 stand es am Ende und die Hannoveraner eierten übers Feld als hätten sie in der Vorbereitung nur in Kurzarbeit trainiert. So dürfen sie sich in Niedersachsen auf einen knallharten Abstiegskampf einstellen. Damit haben sich mittlerweile auch die Berliner abgefunden – ein bisschen spät allerdings, schließlich sammelte die Hertha in der gesamten Hinrunde nur sechs Punkte. Was bedeutet, dass die Hauptstädter in der Rückserie so viele Zähler holen müssen wie Herbstchampion Leverkusen vor Weihnachten, um die magische 40-er Marke zu übertreffen.
Schwer vorstellbar, trotz ihrer starken Darbietung am Samstag gegen Hannover. Denn eines sollte man nicht vergessen: Drei ihrer sechs Vorrundenpunkte holte Hertha BSC auch im Sommer schon gegen die 96-er. Und haben wie erwähnt eine Berlin-Allergie.
Zwei linke Hände: Schneekönige und Tomaten-Schiris
Wild ging es zum Rückrundenauftakt vor allem in der zweiten Liga zu. Da wäre beispielsweise die lustige Schneeballschlacht in Fürth anzuführen. Lustig war sie vor allem für die Lauterer Fans, die sich offenbar im Playmobilstadion an ihre Kindheit erinnert fühlten und den armen Fürther Torwart Loboué derart mit der weißen Pracht eindeckten, dass Schiri Schmidt das Match fast abgebrochen hätte. Ist ja auch ein bisschen unfair – 500 gegen Einen, der noch dazu mit dem Rücken zu den Aggressoren stehen muss, weil er sonst die Hütte vollbekommt. Um die wildgewordenen Pfälzer Schneekönige zu beruhigen, kletterte FCK-Vorstand Stefan Kuntz auf den Zaun am Fanblock. Ein Glück, dass er von den Anhängern verehrt wird wie ein Heiliger, sonst hätten sie ihn wohl auch noch eingeseift. Eine böse Geldstrafe werden die Lauterer wohl auf alle Fälle bekommen, den marodierenden Anhängern droht zudem ein Stadionverbot und die 0:3-Klatsche gegen Fürth gilt es ja auch noch zu verdauen.
Doch nicht nur der Tabellenführer hatte ein richtig mieses Wochenende, auch Referee Marco Fritz und sein Assistent Thomas Münch dürften den ersten Rückrundenspieltag der zweiten Liga so schnell nicht vergessen: Beim Spiel Duisburg gegen FSV Frankfurt erkennen sie bei einem Lattenschuss von Tiffert auf Tor, obwohl der Ball gut einen Meter vor der Linie auf den Rasen klatscht. Klar kommt einem da gleich wieder der Wettskandal in den Sinn, es kann aber auch einfach sein, dass beide Unparteiische unter einem rätselhaften Augenfehler oder schlimmen Konzentrationsschwächen leiden. Nur gut, dass Tifferts Phantomtor schon das 5:0 für den MSV war. Sonst wären Fritz und sein Assi wohl froh gewesen, wenn die Fans sie nur mit Schneebällen traktiert hätten.