Kommentar zur Weltklimakonferenz in Kopenhagen Klimaschutz braucht Mut

Heute entscheidet sich in Kopenhagen, ob die Welt in Sachen Klimaschutz einen Schritt weitergekommen ist. Die Zivilgesellschaft hat mit ihren Demonstrationen deutlich gemacht, wie wichtig das Thema auch außerhalb politischer Gremien genommen wird.

Frank Muck

Bundeskanzlerin Angela Merkel kämpft auf der Weltklimakonfrenz in Kopenhagen für einen Konsens unter den Staaten. Foto: ddp

Klimaschutz braucht Mut

Eines ist klar: Unabhängig davon, wie schwerwiegend letztlich der Klimawandel ausfallen wird, in manchen Gegenden der Welt ist er schon deutlich spürbar. Hurrikans, Hochwasser, Dürren und Waldbrände infolge von Rekordhitzen – die Wetterextreme nehmen zu. Damit auch die sozialen Folgen. Hohe Kosten wirken sich also heute schon in den betroffenen Staaten auf die Volkswirtschaften und den Wohlstand ihrer Einwohner aus.

Der Druck auf die politischen Entscheidungsträger ist also immens und wird sicherlich dazu beigetragen, wenn es in Kopenhagen zu einem verwertbaren Ergebnis kommt. Die Erkenntnis, ein verbindliches Abkommen vorlegen zu müssen, hat sich hoffentlich durchgesetzt, auch wenn nicht klar war, wer letztlich die Kosten dafür zu tragen hat.

Umso unpassender wirkt es da, wenn sich wie Anfang der Woche Industriechefs bemüßigt fühlen, der deutschen Regierung Empfehlungen darüber abzugeben, wie weit man beim Klimaschutz gehen dürfe. Metro-Chef Eckhard Cordes hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, dass Klimaschutz nicht zum Wettbewerbsnachteil der deutschen Industrie werden solle. Alleingänge Deutschlands oder der EU wären schädlich. Ansonsten drohe der Verlust von 55.000 Arbeitsplätzen, da Staaten wie Frankreich Atomstrom deutlich billiger produzieren könnten, wie eine Studie im Auftrag des Energierversorgers RWE nahelegt.

Handwerk ist längst viel weiter

Es drängt sich der Gedanke auf, dass die üblichen Verdächtigen wieder mal von ihrer eigenen gesellschaftlichen Verantwortung ablenken, an einer umweltschonenderen Energieversorgung mitzuwirken. Schließlich könnten nach Erkenntnissen von Rik de Doncker, Leiter des Energieforschungszentrums an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule, die Versorger mehr tun. Allein durch die Modernisierung der Stromnetze und die Einrichtung von Speicherkapazitäten könne die Stromversorgung durch Windenergie von acht auf 30 Prozent steigen. Aber vor allem geht, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, der Klimaexperte davon aus, dass Sonnenenergie schon in den kommenden zehn Jahren konkurrenzfähig und ohne Subventionen zu erzeugen sein wird.

Das Handwerk scheint in dieser Hinsicht schon viel weiter zu sein als andere Wirtschaftsbereiche, diese Potenziale zu erkennen. Im Zuge der Energieeinsparverordnung und der Förderungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz setzen Branchen wie das Elektro- und das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk längst auf neue Energieerzeugung wie Photovoltaik oder Erdwärme. Natürlich auch, weil sie damit Geld verdienen können. Doch das könnte die Industrie ebenfalls. Schließlich haben die Produzenten von Solartechnik in den vergangenen Jahren gute Gewinne gemacht. Eine konstruktivere Haltung großer Konzerne und Wirtschaftsführer wäre also angeraten. Klimaschutz braucht Mut und nicht Zögerlichkeit.