Von der Aufbruchsstimmung der letzten Monate bleibt bei den Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen im April 2025 nichts mehr übrig. Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex sinkt wieder – und das überraschend stark. Einzig der Bau entwickelt sich weiter nach oben.

Nachdem die Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen in den vergangenen Monaten wieder mehr Optimismus gezeigt hatten, geht es im April 2025 wieder bergab mit den Geschäftserwartungen. Die Aufträge fehlen und die Betriebe rechnen aktuell auch nicht mehr damit, dass sich das schnell ändert. Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex zeigt für den April 2025 deshalb ein Absinken von 8 Punkten und bleibt bei -23,8 Punkten auf einem weitaus tieferen Niveau stehen als die Gesamtwirtschaft.
Kleinstunternehmen: Wirtschaftliche Lage und Erwartungen deutlich im Minus
Der Index setzt sich aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate zusammen und zeigt, wie Soloselbstständige und Betriebe mit weniger als neun Mitarbeitern die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung einschätzen. Hatten die kleinen Firmen in den vergangenen Monaten – nach einer langen Durststrecke – endlich wieder Optimismus gezeigt, so ist diese Phase im April 2025 erst einmal beendet. Sowohl die Geschäftslage, die bei -19,4 Punkten liegt (nach -12,7 im März 2025) als auch die Erwartungen für die kommenden Monate, die nur noch -28,1 Punkte erreichen (nach -18,9 im März 2025) zeigen deutlich, dass die wirtschaftliche Stimmung getrübt ist.
Die Wirtschaftsforscher sprechen davon, dass sich die Kluft zwischen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Lage der Selbstständigen massiv vergrößert hat. Denn obwohl auch die Gesamtwirtschaft im Minusbereich bleibt, zeigt sie dort einen minimalen Anstieg des Geschäftsklimas. Die Autoren des Indexes sehen aber auch hier, dass sich die Erwartungen eintrüben und dass die Unsicherheiten zunehmen. "Große Unternehmen drosseln aufgrund der gesamtpolitischen und -wirtschaftlichen Lage entsprechend ihre Budgets – und das bekommen die Kleinen zu spüren: Viele kämpfen weiter mit fehlenden Aufträgen", bewertet Matthias Henze, CEO und Mitgründer des Internetdienstleisters Jimdo, der Mitherausgeber des Indexes ist, die Lage. Die Aufbruchsstimmung nach Bundestagswahl und Finanzpaket sei bei vielen Selbstständigen verflogen.

So ist aktuell fast jedes zweite Kleinstunternehmen im zweiten Quartal von Auftragsmangel betroffen (48,4 Prozent). Die fehlenden Aufträge stellen das größte Hindernis für die Selbstständigen dar (siehe Grafik) und nicht etwa wie bei den großen Firmen Finanzierungsschwierigkeiten oder Angebotsprobleme.
Kleinstunternehmen: Auftragsmangel prägt die Branchen – nur nicht den Bau
Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich aktuell auch im KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ab. Denn auch dieser Konjunkturanzeiger meldet, dass die Stimmung im deutschen Mittelstand aktuell stagniert und nicht weiter ansteigt wie noch im März 2025. Im April stieg das Barometer nur noch um 0,2 Zähler auf minus 17,4 Punkte, was laut KfW ein vernachlässigbarer Wert sei. "Damit liegt das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer weit unter dem langjährigen Durchschnitt, der durch die Nulllinie markiert wird", schreiben die Konjunkturforscher in einer aktuellen Mitteilung.

Diese zeigt aber auch, dass dennoch eine Branche unter den Mittelständlern im April hervorstach. Während es in vielen Wirtschaftsbereichen bergab ging, bleibt der Bau positiv bzw. weist die Baubranche weiterhin den Aufwärtstrend vor. Im Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex bestätigt sich, dass die Baufirmen sowohl, was die aktuellen Geschäfte betrifft, als auch in Bezug auf zukünftige Aufträge, deutlich positiver gestimmt sind (siehe Grafik). Dagegen hat sich im Dienstleistungssektor das Geschäftsklima im zweiten Quartal spürbar verschlechtert und auch im Einzelhandel herrscht wieder der Pessimismus durch rückläufige Umsätze und eine wachsende Unzufriedenheit vor.
Mit Blick auf diese Werte fordert der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschlands (VGSD), dass die neue Bundesregierung endlich etwas für die Solo- und Kleinstunternehmen tun müsse. "Die neue Regierung plant höhere Verschuldung, niedrigere Energiepreise, hohe Abschreibungen sowie branchenspezifische Steuervorteile und Subventionen – davon profitieren vor allem große Unternehmen", kritisiert Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD. Für ihn fehlt im Koalitionsvertrag für Solo- und Kleinstunternehmen ein erkennbarer Plan. Dass eine Planbarkeit und vor allem Verbesserungen für die Zukunft nicht in Aussicht gestellt sind, würde sich direkt in den turbulenten Verläufen der Konjunkturentwicklung zeigen. jtw
