Heizungsgesetz in der Warteschleife: Die Taskforce Gebäudetechnik fordert praxisnahe Lösungen, verlässliche Förderung und Technologieoffenheit, während politische Debatten den Heizungsmarkt belasten.

Vor dem Hintergrund intensiver politischer Debatten über die Reform des Gebäudeenergiegesetzes fordert die "Taskforce Gebäudetechnik" praxistaugliche Lösungen. Energiepolitische Ziele seien nur erreichbar, wenn politische Vorgaben klar formuliert, realistisch umsetzbar und an den betrieblichen Alltag angepasst seien, betonten die sechs Verbände des gebäudetechnischen Klimahandwerks, die sich in der Taskforce zusammengeschlossen haben. Dies habe man bereits im Dialog mit dem Bundeswirtschaftsministerium unterstrichen. Noch am Abend soll im Koalitionsausschuss über das Gebäudeenergiegesetz (GEG oder schlicht Heizungsgesetz) beraten werden.
Hartes Ringen vorprogrammiert
In Koalitionsvertrag von Union und SPD hieß es dazu: "Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen." Das neue GEG solle flexibler, technologieoffener und einfacher werden. Im Kern geht es vor allem um Paragraf 71, nach dem neue Heizungen nur dann eingebaut werden dürfen, wenn sie zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Der Union gefällt das nicht. Die SPD will beim Klimaschutz dagegen keine Abstriche machen. Es dürfte spannend werden.
Folgen der Unsicherheit: Absatz von Heizungen rückläufig
Schon jetzt hat die andauernde Diskussion den Heizungsmarkt einbrechen lassen. "Die emotional geführte politische Debatte um das so genannte Heizungsgesetz habe Spuren bei den Verbrauchern hinterlassen", teilte der Bundesverband der Heizungsindustrie mit. Bis Ende Oktober seien in Deutschland 529.000 Heizungen verkauft worden, ein Minus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Einen positiven Trend zeigen nur die Wärmepumpen mit einem Plus von 57 Prozent auf rund 255.000 Geräte. Daneben seien rund 25.500 Biomasseheizungen verkauft worden, ein Plus von 25 Prozent.
Taskforce Gebäudetechnik für wirksamen CO2-Preis
Angesichts der anhaltenden Diskussion und Verunsicherung stehen für das Klimahandwerk jetzt Technologieoffenheit, Marktorientierung und eine verlässliche Förderung im Vordergrund. Die Verbände sprechen sich im vorgelegten Papier für einen wirksamen CO2-Preis aus. Ab 2027 müsse er sich in einem marktwirtschaftlichen System - dem ETS II - bestimmen lassen und dürfe nicht durch "kurzfristigen politischen Opportunismus aufgeweicht" werden. Darüber hinaus müssten die Stromsteuer für alle gesenkt und die Netzentgelte stabilisiert werden. Auch müssten die Gesetze praxistauglich sein.
Verbände dringen auf verlässliche Förderung
Die Verbände dringen darauf, dass die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) einfach, stetig und attraktiv ausgestaltet wird. Dazu sollten Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) genutzt werden. "Die Nutzung der Ressourcen des KTF für die Förderung fossiler Energieträger lehnen wir ab und geben zu bedenken, dass dies der ursprünglichen Zielstellung des KTF widerspricht."
Für abgestimmten Ausbau der Erneuerbaren
Erforderlich ist nach Angaben der Verbände ein technologieoffener und abgestimmter Ausbau von Erneuerbaren Energien, von Netzinfrastruktur, von Speichern und digitalen Netzen. Auch brauche die Digitalisierung der Energiewende dynamische Stromtarife und den schnellen Rollout intelligenter Messsysteme, um etwa Wärmepumpen effizient zu nutzen. Mit Blick auf die kommunale Wärmeplanung sprechen sich die Verbände für faire Wettbewerbsbedingungen aus, die dezentrale Lösungen ohne Anschlusszwänge ermöglichten.
Taskforce: Auch Beratung sollte gefördert werden
Daneben sollte die von Klimahandwerkern erbrachte Beratung als Dienstleistung ordnungs- und förderpolitisch angemessen berücksichtigt werden. Dies gelte auch für Maßnahmen der Klimaanpassung – wie Kühlung, Dämmung sowie Dach- und Fassadenbegrünung. Darüber hinaus müsse die Qualifizierung der Fachkräfte im Klimahandwerk gestärkt werden.
Verbände repräsentieren 154.000 Betriebe
Zur Taskforce gehören die Zentralverbände der Dachdecker (ZVDH), der Elektro- Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), des Sanitär-Heizung-Klima-Handwerks (ZVSHK), des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV), der Bundesverbandes Metall sowie der Bundesinnungsverband des Deutschen Kälteanlagenbauhandwerks (BIV). Gemeinsam repräsentieren die Verbände nach eigenen Angaben 154.00 Betriebe mit einem Umsatz von 225 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2024.