Immer mehr Kfz-Werkstätten bieten im Internet ihre Dienste an. Kunden sagen, was an ihrem Auto gemacht werden muss und Betriebe geben an, was das bei ihnen kosten würde. Das kann für Handwerker eine gute Möglichkeit sein, Neukunden zu gewinnen. Doch das System hat auch Nachteile.
Der Online-Handel boomt. In so gut wie allen Branchen ist das Shoppen im Netz beliebter denn je. Die Kfz-Sparte bildet da keine Ausnahme. Viele Autofahrer surfen im Internet, um eine günstige Werkstatt ausfindig zu machen, wenn das Fahrzeug zur Reparatur muss oder eine größere Wartung ansteht.
Relativ neu ist hingegen der Trend, am Fahrzeug ausstehende Arbeiten im Internet auszuschreiben. Auf Webportalen wie MyHammer.de oder Autoreparaturen.de können Verbraucher Aufträge für Reparaturen oder Wartungen anbieten. Den bei der Plattform registrierten Werkstätten steht es dann frei, bis zum angesetzten Stichtag ein unverbindliches Angebot abzugeben.
Durch Angebote Neukunden gewinnen
Die jeweiligen Betriebe sehen dabei nicht, welche Offerten ihre Konkurrenten eingereicht haben. Das bleibt dem potenziellen Kunden vorbehalten. Dieser kann sich das interessanteste Gesamtpaket aussuchen - oder auch alle ablehnen. Die Werkstätten warten auf der Webseite mit einem eigenen Online-Profil auf, in dem sich der Kunde über den Betrieb und seine fachliche Qualifikation informieren kann. Die Teilnahmevoraussetzungen sollen gewährleisten, dass Hobbybastler draußen bleiben.
Auch Bernd Heß, Inhaber der Autohaus Heß GmbH in Marbach, macht bei "MyHammer" ab und an Angebote. Denn er kann damit einen Kundenkreis ansprechen, den er sonst nicht erreichen würde. Und einige der Kunden, die ursprünglich über das Internetportal zu ihm gekommen sind, seien jetzt Stammkunden.
Doch Heß sieht das System auch kritisch. "Mit den Schnäppchenjägern ist es problematisch", sagt der Kfz-Meister. Denn die Werkstätten geben Kampfpreise ab, nicht immer arbeiten sie kostendeckend. "Wenn zusätzliche Reparaturen anfallen, sehen manche Kunden nicht ein, dass auch der Preis steigt." Im Internet gibt der Handwerker daher nur Angebote ab, wenn er sieht, dass seine Werkstatt fast leer ist. Und das sei in letzter Zeit nicht mehr der Fall gewesen.
"Autobild" hat getestet
Die Zeitschrift "Auto Bild" hat die Probe aufs Exempel gemacht und die Hinterachs-Reparatur eines betagten Mercedes-Benz 190E auf MyHammer.de ausgeschrieben. In der Vertragswerkstatt hätte die Reparatur knapp 1700 Euro gekostet und damit den Zeitwert des Wagens überstiegen. Eine freie Werkstatt hatte bei Verwendung von Mercedes-Benz-Originalteilen einen Kostenvoranschlag von knapp 1100 Euro abgegeben.
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Bis zum angegebenen Stichtag meldeten sich auf die Ausschreibung vier Werkstätten. Bei Kosten von rund 300 Euro für die Ersatzteile eines namhaften Aftermarket-Herstellers und rund 450 Euro an Werkstattkosten rollte das Auto wieder auf die Straße - unterm Strich zu einem Preis von 750 Euro. Das bedeutet eine Einsparung von knapp 950 Euro beziehungsweise 56 Prozent gegenüber dem Preis in der Vertragswerkstatt. Dabei stellte die ausführende Werkstatt sogar einen Leihwagen zur Verfügung.
Das günstigste Angebot ist nicht immer das Beste
Doch: "Nur billig bringt nichts", meint Heß. "Die Arbeitsqualität sollte darunter nicht leiden." Und in der Tat: Das attraktivste Angebot muss nicht das günstigste sein. Serviceleistungen wie die Abholung des Fahrzeugs oder ein Leihwagen für die Zeit der Reparatur fallen ebenso ins Gewicht wie die Dauer des Werkstattaufenthalts.
Um die Kosten möglichst exakt kalkulieren zu können, sei es am besten, wenn Kunden mit dem Fahrzeug vorbeikommen, sagt Heß. Auch Fotos könnten dabei helfen.
Ablehnend steht der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) dem Ausschreiben von Autoreparaturen im Internet gegenüber: "Wer im Preisranking keinen der oberen Plätze einnimmt, ist in aller Regel chancenlos", kritisiert Pressesprecher Ulrich Köster. Werkstattleistungen ließen sich aber nicht allein über den Preis vergleichen. Wichtig sei zum Beispiel auch, wie sorgfältig Arbeiten erledigt würden. Auch die Qualität der verwendeten Teile spiele eine wichtige Rolle, ebenso die Termintreue. "Kaum jemand wird sich etwa von einem Arzt operieren lassen, nur weil dieser der billigste ist." sch/dpa