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Autofahrer sollten Preise vergleichen Kfz-Versicherung: Wann sich der Wechsel lohnt

Jedes Jahr aufs Neue bekommen Autobesitzer zahlreiche Angebote von Kfz-Versicherungen, die für einen Wechsel der Versicherung werben. Und in der Tat kann man mit einer neuen Police ein paar Hundert Euro sparen. Manchmal ist ein Angebot aber nur auf den ersten Blick billig.

Dieser Artikel ist Bestandteil der Themenpakete Auto: Themen rund ums Fahrzeug und Versicherung: Was Sie wirklich brauchen

Viele Autobesitzer müssen für ihre Kfz-Versicherung immer tiefer in die Tasche greifen. Allein 2016 stiegen die durchschnittlichen Bruttobeiträge laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft  (GDV) in der Kfz-Haftpflicht um 2,9 Prozent, in der Teilkasko zwar nur um 0,2 Prozent, in der Vollkasko dafür um 2,8 Prozent. Kunden müssen solche Steigerungen aber nicht klaglos hinnehmen. Wer die Preise verschiedener Versicherer vergleicht, kann richtig Geld sparen.

Kfz-Versicherungen auf Portalen vergleichen 

Die beste Möglichkeit, Kfz-Versicherungen selbst zu vergleichen, ist durch Internetportale. Finanztip weist jedoch darauf hin, dass es bei den jeweiligen Angeboten auch große Ausreißer gibt. Selbst beim laut Finanztip besten Portal, Check24, war das am Ende vermittelte Angebot im Extremfall bis zu 24 Prozent teurer. Daher sollte der Preis immer auf zwei verschiedenen Portalen abgefragt werden. Die besten Ergebnisse liefert laut Finanztip eine Kombination von Check24 entweder mit Huk24, mit Verivox oder mit der Hannoverschen. Alternativ bietet Finanztest für 7,50 Euro einen individuellen Service an, bei dem 159 Tarife von 72 Anbietern verglichen wurden.

Wann kann man die Kfz-Versicherung wechseln?

Gegen Ende des Jahres fragen sich viele Autofahrer: Wenn ich die Kfz-Versicherung wechsel, wann kann ich kündigen? Das Vergleichsportal Check24 weist darauf hin, dass Versicherungskunden nach einer Prämienerhöhung in der Haftpflicht- oder Kaskoversicherung – unabhängig vom Wechselstichtag – das Recht zur außerordentlichen Kündigung haben. Voraussetzung ist, dass der Umfang des Versicherungsschutzes nicht gleichzeitig erweitert wird. Der Versicherungsnehmer kann seinen Vertrag innerhalb eines Monats nach Erhalt der Erhöhungsmitteilung mit Bezug auf den Preisanstieg außerordentlich kündigen.

Darüber hinaus haben im Schadenfall sowohl der Versicherer also auch der Versicherungsnehmer das Recht, nach dem regulierten Schadenfall unter Wahrung der Fristen die Autoversicherung zu kündigen.

Bei einem Fahrzeugwechsel können Versicherungsnehmer ohne Kündigungsfrist die Versicherung wechseln.

Kfz-Versicherungswechsel: Das gibt es zu beachten

Sollte die Entscheidung feststehen, die Kfz-Versicherung zu wechseln, muss die alte Versicherung gekündigt werden. Das sind die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gibt:

  • Wann ist der Stichtag, um die alte Kfz-Versicherung zu kündigen?

Der Stichtag für den Kfz-Versicherungswechsel ist der 31. Dezember. In den meisten Fällen ist das Kündigen formlos mit Wirkung zum 31. Dezember möglich. Kunden müssen lediglich ein Schreiben an ihren Versicherer schicken mit der Formulierung: "Hiermit kündige ich". Check24 bietet ein Musterformular für den Kfz-Versicherungswechsel an.

  • Wann ist die Frist, zu der die Kündigung eingegangen sein muss?

Die Frist zu welcher das Kündigungsschreiben beim Versicherer angekommen sein muss, ist der 30. November. Verbraucher sollten die Kündigung entweder per Einschreiben verschicken oder den Versicherer um eine schriftliche Bestätigung bitten.

  • Welche Angaben muss die Kündigung für den Kfz-Versicherungswechsel enthalten?

In der Kündigung der Kfz-Versicherung dürfen die Adresse des Absenders, Vertragsnummer, Kfz-Kennzeichen, das aktuelle Datum und der Termin, zu dem die Kündigung greifen soll. nicht fehlen

  • Tipp: Nicht vorzeitig kündigen

Den alten Versicherungsvertrag sollten Wechselwillige erst kündigen, wenn die neue Police unter Dach und Fach ist. Nach Angaben der Verbraucherzentrale kommt es immer wieder vor, dass der Altvertrag aufgehoben wird, der neue Vertrag aber noch keine Gültigkeit hat.

Rechnung auch bei günstigerer Schadenfreiheitsklasse prüfen

Wer unfallfrei bleibt, erreicht gegenüber dem Vorjahr oft eine günstigere Schadenfreiheitsklasse. Das führt zu einer niedrigeren Rechnung. Aber Vorsicht: Trotz geringerer Rechnung kann der Versicherer laut Stiftung Warentest den Beitrag angehoben haben.

Prüfen kann das der Versicherungsnehmer auf zwei Wegen. Erstens anhand des Vergleichsbeitrags. Viele Versicherer geben den Wert in der Rechnung an. Das ist die Summe, die der Kunde im Vorjahr gezahlt hätte, wenn seine neue Schadenfreiheitsklasse schon damals gegolten hätte. Liegt der neue Beitrag über dem Vergleichswert, ist der Versicherer teurer geworden.

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Kfz-Versicherungswechsel: So berechnen Sie den Grundbetrag

Einige Unternehmen verstecken den Vergleichsbeitrag jedoch im Kleingedruckten, andere nennen ihn gar nicht. Dann kann der Kunde den zweiten Weg gehen: Selber rechnen und den Grundbeitrag bestimmen, der bei 100 Prozent Beitragssatz fällig wäre. Die Rechnung dafür lautet: Preis mal 100 geteilt durch Rabattsatz.

Beispiel: Der Kunde mit 55 Prozent Beitragssatz und 400 Euro Jahresbeitrag rechnet: 400 mal 100 geteilt durch 55. Das ergibt 727 Euro Grundbeitrag. Im Vorjahr betrug er 700 Euro (420 mal 100 geteilt durch 60). Damit ist klar: Der Versicherer hat den Grundpreis erhöht. Ohne die Erhöhung müsste der Kunde weniger Jahresbeitrag zahlen, als der Versicherer jetzt verlangt – nur 385 Euro.

Kündigung als Gelegenheit, den Versicherungsschutz zu prüfen

Eine Kündigung ist auch immer eine Gelegenheit, den Schutz zu prüfen. Der Versicherungsschutz sollte laut Stiftung Warentest folgende Leistungen bieten:

  • Vollkasko: Wer sein Auto vor Jahren gekauft und die Vollkasko behalten hat, sollte überlegen, ob jetzt eine Teilkasko reicht. Grund: Inzwischen ist der Wertverlust voran­geschritten. Anhaltspunkt: Die meisten in der Vollkasko versicherten Pkw sind 15.000 Euro und mehr wert. Für unfallfreie Fahrer, die eine günstige Schadenfreiheitsklasse haben, ist die Vollkasko manchmal aber kaum teurer als die Teilkasko.
  • Haftpflicht: Die Deckungssumme sollte mindestens 50 Millionen Euro, besser 100 Millionen Euro betragen. Das bestätigt auch Bianca Boss von Bund der Versicherten. "Das koste zwar oft ein wenig mehr, könne sich im Schadensfall aber auszahlen." Die gesetzliche Mindestdeckung bei Sachschäden liegt bei 1,12 Millionen Euro. Wer einen größeren Schaden anrichtet, muss die höheren Kosten selbst übernehmen.
  • Wildunfall: Die Teilkasko sollte nicht nur bei Haarwild leisten, sondern bei allen Tieren. "Manche Versicherer zahlen nur bei Wildunfällen mit Haarwild", sagt Michael Bruns von Finanztest. Eine Kuh beispielsweise gilt laut Bundesjagdgesetz aber nicht als Haarwild, auch Hunde fallen nicht unter diese Definition. Deshalb sollte im Versicherungsvertrag "alle Tiere" stehen oder zumindest "alle Wirbeltiere".
  • Marder: Die Teilkasko sollte Bissschäden versichern und vor allem die Folgeschäden. Denn: Oft fällt ein Marderschaden nicht sofort auf. Geht anschließend der Motor kaputt, weil ein Kühlerschlauch angebissen war, sollte auch ein solcher Schaden von der Versicherung übernommen werden.

Kfz-Versicherer sollte auf Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichten 

Der Versicherer sollte explizit auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichten. Fehlt eine solche Extra-Klausel im Vertrag, darf die Kfz-Versicherung die Leistungen in der Teil- und Vollkasko kürzen. Das kann im Falle eines Unfalls schnell teuer werden: Grob fahrlässig kann es beispielsweise schon sein, wenn man das Navi während der Fahrt bedient. Verzichtet die Versicherung auf den Einwand, wird der Schaden auch in diesem Fall übernommen.

Schadenfreiheitsrabatt nur noch selten

Viele Kunden, die schon seit Jahren in ihrem alten Versicherungsvertrag sind, haben noch einen sogenannten "Rabattretter" als Gratis-Extra. Das heißt: Ihr Schadenfreiheitsrabatt wird nicht zurückgestuft, wenn sie einen Unfall bauen. In neuen Verträgen gibt es das kaum noch. Ein Rabattschutz kostet jetzt meist einen Aufpreis. Auch kann ein bestehender Sonderrabatt für den Zweitwagen, die neue Versicherung um einiges teurer machen.

Telematik-Tarife seit 2016

Eine neue Gruppe der Tarife sind die sogenannten Telematik-Tarife. Eine kleine Box zeichnet laufend das Fahrverhalten auf. Sie hat die Größe einer Zigarettenschachtel und wird ins Auto eingebaut – alternativ auch in den Zigarettenanzünder. Sie registriert Strecke, Ziele, Pausen, Vollbremsungen, Kavalierstarts, schnelle Kurven, Tempolimits, dazu Position, Kilometerstand und anderes. Über das Handynetz gehen die Daten an die Zentrale des Versicherers. So kann dieser das Unfallrisiko des Kunden präzise einschätzen und dessen Beitrag passgenau kalkulieren.

Sind Telematik-Tarife für junge Fahrer geeignet?

Vorteile bringen Telematik-Tarife Fahrern in ungünstigen Schadenfreiheitsklassen. Das sind meist junge Leute. Mit Telematik kann dieser nachweisen, dass er vorsichtig fährt. Damit können die sonst hohen Preisaufschläge vermieden werden. Verschiedene Versicherungsanbieter wie Signal Iduna, VHV, AXA, Admiral oder die Allianz führen solche Angebote bereits im Programm.

Für die Telematik-Tarife werden Daten anonym gesammelt

Die Sparkassen Direktversicherung, die 2014 als erste einen Telematik-Tarif einführte, stimmte dies mit der Datenschutzbehörde ab. Die Daten gehen anonym an eine Firma nach London, die nicht die Identität des Fahrers kennt. Sie errechnet einen Punktwert aus der Fahrweise und gibt ihn an den Versicherer. Dieser kennt aber keine Details der Fahrten.

Nach Vorstellung der Europäischen Union soll ab 31. März 2018 jeder Neuwagen ein automatisches Notrufsystem an Bord haben, den so genannten eCall. Er erkennt über mehrere Sensoren im Auto, wenn sich ein Unfall ereignet und verständigt per Mobilfunk die Notrufzentrale. Das soll die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte verkürzen.

Fazit: Wechsel der Kfz-Versicherung lohnt sich nicht immer 

In den meisten Fällen lohnt sich laut Finanztest ein Wechsel der Kfz-Versicherung. Jedoch nicht immer. "Wenn Kunden ihren Rabattschutz in Anspruch genommen haben, lohnt sich ein Wechsel nicht immer", so die Tester. Woran liegt das? Zwar kann bei einer Anfrage ein Tarif zunächst günstiger sein als der alte. Erfährt der neue Versicherer dann aber, dass der Kunde einen Schaden hatte, rechnet er noch einmal neu. Die Folge: Auch bei der neuen Kfz-Versicherung sind die Prämien ähnlich hoch wie bei der alten.

Laut Bund der Versicherten (BdV) bestätige der bisherige Versicherer dem Nachversicherer immer den Vertragsverlauf. Anhand dieser Information erfolge beim Nachversicherer die Einstufung in die Schadensfreiheitsklasse. Bei einem Schaden im laufenden Versicherungsjahr erfolge eine Rückstufung des Schadensfreiheitsrabats gemäß der Rückstufungstabelle. Die kann sich aber von Versicherer zu Versicherer unterscheiden und somit zu einer schlechteren Einstufung führen. 

Der BdV macht außerdem auf Sondereinstufungen aufmerksam - etwa für einen Zweitwagen. Diese würden bei einem Wechsel dem neuen Versicherer nicht mitgeteilt, sondern allein der tatsächliche Schadensfreiheitsrabatt ab Vertragsbeginn sowie belastende Schäden. dpa/dhz

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