Handwerk mal anders: Kfz-Mechanikerin Anna Matuschek sammelt Oldtimer, gibt "Schrauberkurse für Frauen" und lebt sich auch sonst gerne kreativ aus.
Susanne Bajohr
Klamme Kälte dringt durch das Tor der Werkstatt nahe des Neckarufers in Remseck-Aldingen. Dem kühlen Herbstwetter zum Trotz strahlt Anna Matuschek in farbenfrohem Outfit, die leicht geschwärzten Hände in den Jeans vergraben, während sie die Schätze von "RadiergummiRacing" präsentiert. So außergewöhnlich der Firmenname, so außergewöhnlich ist auch die junge Kfz-Mechanikerin, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Mario Baumann seit Anfang dieses Jahres einen Auto- und Motorradhandel für Young- und Oldtimer betreibt.
Hartnäckigkeit hilft ihr bei ihren Zielen
Schon im Eingang steht ein besonderes Schmuckstück – eine Suzuki GS 400. Das Motorrad nennt die Stuttgarterin liebevoll ihre "Werners" und fügt verschmitzt hinzu: "Es hat vier Jahre lang gedauert, bis ich sie ihrem früheren Besitzer, dem Werner, abschwatzen konnte." Sein Name ziert dafür in schwungvoller Schrift den silbernen Tank. Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit – es sind diese Eigenschaften, die Matuschek in ihrer jungen Karriere oft geholfen haben, Pläne und Projekt zu verwirklichen.
Auslöser für die Idee, nach der Schule eine Ausbildung als Kfz-Mechanikerin anzugehen, sei ihr unzuverlässiges Mofa gewesen. "Ich musste das Ding so oft schieben", erinnert sich Anna Matuschek, "und da habe ich beschlossen, alles über Motoren und Fahrzeuge zu lernen." Die 2005 abgeschlossene Lehre bei VW Automobile in Stuttgart war das Sprungbrett für viele weitere Betätigungsfelder rund ums Auto. Denn die junge Handwerkerin hat nicht nur zwei geschickte Hände, sondern auch die Gabe, kreativ zu schreiben.
Werkstatt als Lebensmittelpunkt
Mit einem Volontariat bei einem Medieninformationsdienst in Herten sowie verschiedenen Publikationen im Bereich "Motor-Klassik und Sport" hat sich Matuschek inzwischen einen Namen als freie Journalistin gemacht. "anna schraubt" heißt eine Serie, die regelmäßig in der Youngtimer-Ausgabe des Magazins "Motor-Klassik" erscheint. Ihr Herz schlägt voll und ganz für die Fahrzeuge jenseits des Baujahrs 1990.
"Unsere Werkstatt ist unser Lebensmittelpunkt geworden", sind sich Matuschek und ihr Partner Mario Baumann einig. Entspannt sitzen sie auf einem gemütlichen Sofa umgeben von seltenen Automobilen. Die Idee, mit Young- und Oldtimern Handel zu betreiben, kam den beiden ausgebildeten Kfz-Mechanikern, die bereits eine imposante Zahl an seltenen Fahrzeugen besitzen, während einer längeren Australienreise. Grundstock für die Unternehmensidee waren daher zwei Souvenirs, die nicht so einfach ins Reisegepäck passten.
Endlich wieder selbst zum Schrauben kommen
Ein Ford Falcon XL Futura Baujahr 1963 mit beeindruckenden Heckflossen sowie e in seltener Holden, ebenfalls über 50 Jahre alt, warten nun in der Remsecker Werkstatt auf ihre Wiedererstehung. "Zuerst jedoch müssen wir diesen Kandidaten hier flottbekommen", sagt Anna Matuschek und zeigt auf einen knallorangenen Opel Kadett. Mit ihm will das Team von RadiergummiRacing im kommenden Frühjahr bei einem 24-Stunden-Rennen in Österreich starten. Ein Projekt, bei dem Matuschek endlich wieder selbst zum Schrauben kommt.
Denn in den vergangenen Monaten hat sie das eher ihren Kursteilnehmerinnen überlassen. Zum zehnten Mal hat die 32-Jährige bereits einen "Schrauberkurs für Frauen" angeboten. Immer mehr Frauen trauen sich, unter ihrer Anleitung rudimentäres Wissen über Autos anzueignen. Ist die erste Übung – bei Matuscheks Benz Ponton Baujahr 1960 die Motorhaube zu öffnen – geschafft, haben die Teilnehmerinnen generell große Lust, weitere Handgriffe, wie das Prüfen von Kühlwasser und Bremsflüssigkeit oder das Reifenwechseln, zu lernen. Auf die Idee, einen "Schrauberkurs für Frauen" anzubieten, habe sie ihr damaliger Ausbilder Frank Boxler gebracht. "Seine geduldige Art", betont sie, "war Gold wert für meinen weiteren beruflichen Werdegang."
Weiter Informationen gibt es auf radiergummiracing.com