Das Kfz-Gewerbe will eine Fortsetzung der Umweltprämie. Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe forderte auf der Jahrespressekonferenz vor Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München, ein derart erfolgreiches Produkt wie die Umweltprämie, nicht "vorzeitig vom Markt" zu nehmen.
Frank Muck
Kfz-Gewerbe will Verlängerung der Umweltprämie
Die Umweltprämie sei ein herausragendes Beispiel für eine nachhaltige Kombination von Ökologie und Ökonomie und einer der seltenen Fälle, in denen sich ein Konjunkturprogramm nahezu selbst rechne. Rademacher betonte wie sehr die unter dem Absatzschwund leidende Branche den Stimmungsumschwung genieße. "Derzeit ist große Motivation feststellbar", ergänzte der Verbandspräsident. Dennoch sei das Ende des Prämienbooms absehbar und die Antragszahlen für die Prämie sorgten dafür, dass der Fördertopf weit vor dem gesetzten Termin am 31. Dezember leer sein werde. 420.000 mit einer Umweltprämie hinterlegte Kaufverträge seien Anlass, den Bundeswirtschaftsminister zu bitten, seine Position zur Deckelung des Prämientopfs aufzugeben. Das Kfz-Gewerbe begrüße es im Übrigen, dass ab dem 31. März ein mit Kopie der Altfahrzeugpapiere eingereichter Kaufvertrag als sicheres Dokument für eine Prämien-Anwartschaft gelte.
Trotz all der Euphorie werde es nach dem Ende der Prämiengewährung wiederum eine Delle im Absatz geben, prophezeit Rademacher. Doch die werde lang nicht so tief werden, wie vor dem jetzt losgetretenen Boom. Schließlich seien durch die Prämie neue Käuferschichten erschlossen worden, die dem Kfz-Gewerbe neben dem Handel auch im Service neue Umsätze beschere. Dieser Geschäftsbereich stand zum Jahresende lang nicht so negativ da wie der Handel. Die 39.100 Unternehmen verbuchten ein Plus von 1 Million Aufträgen. Der Gesamtumsatz blieb demzufolge bei einem Minus von 0,2 Prozent mit 129,5 Milliarden Euro stabil. Allerdings mussten 650 Betriebe schließen. 6.100 Arbeitpslätze gingen verloren.
Die Mehrheit der Autohäuser schreiben nach Auskunft des Verbandes trotz des stärkeren Servicegeschäfts rote Zahlen. Die Umsatzrendite vor Steuern im Handelsgeschäft sei erneut zurückgegangen. Die verschlechterten Kennzahlen seien Ausdruck des Strukturwandels, der sich weiter verschärfen werde, wenn das Geschäftsmodell der Autohäuser mit den Herstellern nicht ausgewogener gestaltet werde. Etwa, was die Lasten- und Risikoverteilung angehe. Im Leasinggeschäft zum Beispiel hätte das Autohaus mit der Erstattung des Restwerts bei zurückgegebenen Pkw zumeist das alleinige Risiko zu tragen. Hier müssten wie in den angloamerikanischen Ländern, aus denen dieser Vertriebsweg stammt, die Hersteller einspringen. Auch die Direktgeschäfte der Hersteller müssten auf das Nötigste beschränkt werden.
Beim Thema Opel plädierte Rademacher trotz aller Bedenken für staatliche Hilfen. Opel sei kein Sündenfall, da dieser Fall systemische Auswirkungen habe und sich nicht auf eine lokal begrenzte Produktion beschränke. Neben den Zulieferern, deren Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, seien europaweit in 4.000 Betrieben 120.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ähnlich wie bei VW könnten bei Opel auch die Bundesländer zwischenzeitlich Anteile am Unternehmen erwerben, um sie bei Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, eventuell sogar mit Gewinn wieder abzustoßen. Schließlich sei Opel im Kern ein gesundes Unternehmen.
