Jahrespressekonferenz Kfz-Gewerbe warnt: "Mobilität darf nicht zum Luxusgut werden"

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt auf seiner Jahrespressekonferenz vor einer drastischen Verteuerung der Kraftstoffe. Klimafreundliche Technologien müssten dringend gefördert werden.

Ausbildung
Rekordzahlen bei der Ausbildung: 25.221 neue Ausbildungsverträge im Beruf Kfz-Mechatroniker wurden 2024 abgeschlossen. - © ProMotor/T.Volz

"Die individuelle Mobilität darf nicht zum Luxus werden", sagte ZDK-Präsident Arne Joswig. Der CO₂-Preis werde bis 2030 explodieren, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen, gleichzeitig die Elektromobilität aber nicht vorankommt. Dann seien 2,50 Euro pro Liter Kraftstoff möglich. Viele Menschen könnten sich das Autofahren dann nicht mehr leisten. Nachhaltige Mobilität erreiche die Politik nicht durch Verteuerung oder Abschaffung des Autos, sondern durch die Förderung klimafreundlicher Technologien wie E-Mobilität, Wasserstoffantriebe und synthetische Kraftstoffe.

Der Staat müsse diese Technologien mit gezielten Förderprogrammen und einem konsequenten Ausbau der Lade- und Tankinfrastruktur attraktiver machen, statt Autofahrern neue finanzielle Hürden aufzustellen. Vizepräsident Thomas Peckruhn betonte, es brauche Signale von einer neuen Bundesregierung. Einen schnellen Hochlauf der E-Mobilität werde es wohl nicht ohne eine Kaufprämie geben.

Gebrauchtwagen und Servicegeschäft im Plus, Neuwagen deutlich im Minus

Für das Jahr 2024 zog die Verbandsspitze eine zwiespältige Bilanz. Der Umsatz sei zwar über die drei Geschäftsbereiche Neuwagen, Gebrauchtwagen und Service um 5,6 Prozent auf 218,9 Milliarden Euro gewachsen. Beigetragen hätten dazu jedoch in der Hauptsache der Handel mit Gebrauchtwagen sowie das Service- und Reparaturgeschäft.

Der Verkauf von Neufahrzeugen sei im Vergleich zu 2023 leicht um ein Prozent zurückgegangen. Die Umsätze im Markenhandel seien um zwei Prozent auf 65,3 Milliarden Euro gefallen. Das entspreche 1,58 Millionen Pkw und damit etwas mehr als der Hälfte der insgesamt 2,82 Millionen Pkw-Neuzulassungen. Die Gründe sieht der ZDK im leicht gesunkenen durchschnittlichen Neuwagenpreis von minus 2,5 Prozent und einem rückläufigen Privatmarkt von minus 2,1 Prozent. Dazu kommt der Einbruch beim Verkauf von rein batterieelektrisch betriebenen Pkw (minus 27,4 Prozent).

Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
Die Verbandsspitze auf der Jahrespressekonferenz: (v.li.) Pressesprecher Ulrich Köster, Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün, Präsident Arne Joswig sowie Vizepräsident und Sprecher des Fabrikatshandels Thomas Peckruhn.

Ein anderes Bild ergibt sich beim Gebrauchtwagenmarkt. Dort wechselten rund 6,5 Millionen Pkw die Besitzer, was einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Service und Reparatur erlebten ein laut Verband kräftiges Umsatzwachstum von 7,4 Prozent auf rund 36 Milliarden Euro. Die Gründe sind ein weiter wachsender Fahrzeugbestand und das hohe Pkw-Durchschnittsalter von 10,3 Jahren mit mehr Wartungen und Reparaturen. Parallel dazu sind die Servicekosten gestiegen.

Ausbildungsverträge auf Rekordniveau

Kräftig gestiegen ist auch die Zahl der Ausbildungsverträge. Diese habe im Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Im Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker wurden 25.221 neue Verträge abgeschlossen. Das ist ein Wachstum um 7,2 Prozent. Bei aller Freude über die Attraktivität der Kfz-Berufe sieht Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün dennoch Hindernisse auf dem Karriereweg der Fachkräfte. "Wer den nächsten Schritt gehen will, muss für einen Meisterkurs rund 15.000 Euro bezahlen. Ein Studium hingegen ist kostenlos", klagt Grün. Die Politik müsse endlich für gleiche Bedingungen in der akademischen und handwerklichen Bildung sorgen. Die teure Meisterausbildung sei auch ein Hemmschuh bei der Übernahme von Betrieben. Das Kfz-Gewerbe stehe im Vergleich zu anderen Handwerksbranchen noch vergleichsweise gut da, doch es werde immer schwieriger, Nachfolger zu finden. Weitere Faktoren neben der teuren Ausbildung seien die überbordende Bürokratie, die hohen Investitionskosten sowie die schleppende Kreditvergabe an junge Unternehmer.