Immer häufiger verlangen Versicherungen und Banken auch von Betrieben des Kfz-Gewerbes einen Nachweis über nachhaltiges Wirtschaften. Um eine "Siegelflut" zu vermeiden, arbeitet ein Bündnis der Spitzenverbände nun an einem bundesweit einheitlichen Standard für Handwerksbetriebe. Diese Vergabekriterien werden derzeit diskutiert.

Die Spitzenverbände des Kfz-Handwerks wollen ein gemeinsames, unabhängiges Nachhaltigkeitszertifikat für die gesamte Branche entwickeln. "Auch in der Kfz-Branche fordern immer mehr Marktteilnehmer Vorgaben für ein nachhaltiges Handeln von den Karosserie- und Lackierfachbetrieben ein", sagte Michael Pinto, Geschäftsführer beim Bundesverband der Partnerwerkstätten mit Blick auf die zahlreichen Herausforderungen, denen sich Kfz-Instandsetzungsbetriebe heute stellen müssen. Versicherungen, Banken und andere verlangen zunehmend einen Nachweis über eine nachhaltige Wirtschaftsweise.
Inflationäre Siegelflut soll vermieden werden
Ziel der Verbände ist es, anhand eines objektiven Kriterienkatalogs einen bundesweit einheitlichen Standard zu entwickeln. Dieser soll sowohl von der gesamten Branche als auch von den "Anspruchsgruppen der Betriebe" wie Versicherern und Schadensteuerern, Flottenkunden, Leasinggesellschaften, Fahrzeugherstellern oder der Lackindustrie anerkannt werden. Nicht zuletzt wolle man so eine inflationäre Siegelflut unterschiedlicher Anbieter vermeiden.
Orientierung am europäischen Standard
Dabei wollen sich die Verbände an einem Berichtsstandard orientieren, wie er derzeit für kleine und mittlere Unternehmen auf EU-Ebene entwickelt wird. Dieser Standard baut auf dem für Großunternehmen, dem ESRS (European Sustainability Reporting Standards) auf. Er soll aber weniger anspruchsvoll und umfangreich sein. Große Unternehmen sind ab 2024 verpflichtet, über die Einhaltung von Umweltstandards, Sozialstandards und Unternehmensführung zu berichten.
Anforderungskatalog soll so schlank wie möglich
Wie Jeffrey Kilian, Vorstandsmitglied beim Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) unterstrich, solle der noch zu erstellende Anforderungskatalog so schlank wie möglich gehalten werden. Als Kriterien kommen nach Angaben der Verbände etwa Umweltkriterien wie der Ausstoß von Treibhausgasen oder der Energieverbrauch sowie soziale Standards wie Mitarbeiterentwicklung oder aber Führungsthemen wie das Vorgehen gegen Korruption infrage. Darüber hinaus sollten die im Zertifikat festgelegten Standards von externen Prüfern kontrolliert werden.
Dem Verbändebündnis gehören der Bundesverband Fahrzeug Lackierer, der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, der Bundesverband der Partnerwerkstätten und der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik an.