Nachfolgekrise im Mittelstand KfW warnt vor Schließungswelle bei Betrieben

Der demografische Wandel trifft den deutschen Mittelstand mit voller Wucht. Fehlende Nachfolger, steigende Kaufpreise und hohe Bürokratie lassen immer mehr Unternehmer ans Aufgeben denken.

Viele Chefs empfinden die Suche nach einem Nachfolger als sehr schwierig. 47 Prozent der Befragten mit Stilllegungsplänen erklärten, dass sich in der Familie keine Nachfolger fänden. - © Dusan Petkovic - stock.adobe.com

Immer mehr mittelständische Unternehmen in Deutschland erwägen in den kommenden Jahren, nach dem Ausscheiden der Seniorgeneration zu schließen. Bis 2029 könnten jährlich bis zu 114.000 Unternehmen stillgelegt werden, teilte die staatseigene KfW-Förderbank mit. Dem stünden jährlich nur rund 109.000 Unternehmen gegenüber, die bis dahin eine Nachfolgeregelung finden wollen. Erstmals gebe es damit einen kleinen Überhang. "Es ist essenziell, das Fortbestehen möglichst vieler mittelständischer Unternehmen zu sichern", sagt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher mit Blick auf eine Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels.

Alter Hauptgrund für Schließungspläne

Als Hauptgrund für die Schließungspläne geben die Chefs ihr Alter an. Wie die repräsentative Befragung unter mehr als 13.000 Mittelständlern zeigt, sind 57 Prozent der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer 55 Jahre oder älter. Vor 20 Jahren waren es nach KfW-Angaben nur 20 Prozent. Viele empfinden auch die Suche nach einem Nachfolger als sehr schwierig. 47 Prozent der Befragten mit Stilllegungsplänen erklärten, dass sich in der Familie keine Nachfolger fänden. Als weiteren Grund nennen 42 Prozent die überbordende Bürokratie.

KfW-Chefvolkswirt fordert weniger Bürokratie

Für Schumacher ist der Fortbestand möglichst vieler Mittelständler ausschlaggebend. "Der Bürokratieabbau ist ein Baustein, der zu mehr Gründungen führen kann", betont er. Zudem investierten Unternehmenslenker, die bereits einen Nachfolger gefunden haben, wieder stärker. Eine weitere Hürde auf dem Weg zu einer erfolgreichen Nachfolgeregelung sei eine für alle Beteiligten akzeptable Kaufpreisvorstellung.

Deutlich höhere Kaufpreisvorstellungen als vor sechs Jahren

Diese haben nach Angaben der KfW deutlich angezogen. Wer in den nächsten fünf Jahren sein Unternehmen übergeben wolle, stelle sich im Schnitt einen Kaufpreis von 499.000 Euro vor. Vor sechs Jahren seien es noch 372.000 Euro gewesen – preisbereinigt ein Plus von 9,5 Prozent. Dabei strebten die Nachfolgeplaner im Durchschnitt einen Kaufpreis an, der beim 1,2-Fachen ihres Jahresumsatzes liege.