Die Innovationstätigkeit in Mittelstand ist in den letzten fünf Jahren eingebrochen. Positive Konjunkturaussichten geben laut KfW Anlass zur Hoffnung, dass die Innovationstätigkeit wieder an Fahrt gewinnt. Mehr Marktneuheiten sind aber trotzdem nicht zu erwarten.
Kommt es in den nächsten Monaten zur erwarteten konjunkturellen Trendwende, dürfte der Anteil der Unternehmen steigen, die ihr Produktangebot erneuern oder erweitern. Nicht mit Produktneuheiten, sondern vor allem mit bekannten Produkten und Dienstleistungen, die bereits auf dem Markt sind. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der KfW-Bankengruppe.
Die Daten des KfW-Mittelstandspanels für die Jahre 2002 bis 2011 zeigen, dass eine steigende Nachfrage der wichtigste Faktor für den Markterfolg einer imitierenden Innovation ist. Zudem benötigen imitierende Produktinnovationen die kürzesten Entwicklungszeiten und können entsprechend als erstes bei anziehender Konjunktur platziert werden.
Markneuheiten unabhängig von der Konjunktur
Marktneuheiten sind nach Einschätzung der KfW dagegen unabhängig von der konjunkturellen Situation. Wegen der oftmals hohen Innovationsanstrengungen und langer Entwicklungsphasen spielen hier längerfristige Marktentwicklungen und technologische Möglichkeiten eine wichtigere Rolle.
Die zurückliegende Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich dementsprechend vor allem negativ auf die Markteinführung von imitierenden Produktinnovationen ausgewirkt. Bei den Mittelständlern brachen in der Zeit von 2006 bis 2009 entsprechende Innovationen um 42 Prozent ein. Ihr Anteil sank von 31 auf 19 Prozent.
In der gleichen Zeit sank zudem die Innovationsquote insgesamt. Der Anteil von Unternehmen mit neuen Produkten und Dienstleistungen ging von 43 Prozent im Jahr 2006 auf 29 Prozent im Jahr 2009 zurück. Aktuell liegt die Quote bei 30 Prozent.
Beinahe halbiert hat sich der Anteil der "echten Innovationen". Während 2002 noch acht Prozent der Unternehmen neue Produkte auf den Markt brachten, waren es 2011 nur fünf Prozent. Insbesondere Unternehmer aus dem Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen haben nach eigenen Angaben aufgrund des zunehmenden Kostendrucks ihre Aktivitäten bei der Forschung und Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren stark eingeschränkt.
Viele Innovationen kommen von KMU
Kleine und mittlere Unternehmen seien ein wichtiger Bestandteil des deutschen Innovationssystems, bewertet die KfW. Sie erbringen derzeit gut ein Viertel der Innovationsaufwendungen des Unternehmenssektors. Deshalb sieht die KfW im nahezu kontinuierlichen Rückgang bei der Entwicklung von Marktneuheiten und die zunehmende Konzentration der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit auf das verarbeitende Gewerbe Anlass zur Sorge. Dies könne zum Verlust von wichtigem technologischen Know-how führen und gefährde mittelfristig die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Besonders häufig beklagen kleine und mittlere Unternehmen Finanzierungsprobleme, Bürokratie und Fachkräftemangel als Innovationshemmnisse. "An diesen Punkten können wirtschaftspolitische Maßnahmen ansetzen", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. Es gelte finanzielle Anreize für Innovationen aufrechtzuerhalten, bestehende rechtliche Regelungen und Verwaltungsprozeduren zu hinterfragen und Maßnahmen zur Qualifizierung und Weiterbildung zu ergreifen. Denn die spezifischen Innovationshemmnisse treffen laut Zeuner gerade jene Mittelständler, von denen die größten innovativen Impulse ausgehen. dhz