Blockchain-Technologie erkennt Manipulation Keine Chance mehr für gefälschte Zeugnisse

Blockchain ist nicht nur Bitcoin: Bei Prüfungsdokumenten lässt sich mithilfe der Technologie zuverlässig und ­sekundenschnell Manipulation erkennen und nachweisen – auch bei Bewerbungen im Handwerk.

Zeugnis_Prüfung
Ist das Prüfungszeugnis echt? Die Blockchain von Cert4Trust kann es überprüfen. - © Gundolf Renze - stock.adobe.com

Gefälschte Zeugnisse, manipulierte Nachweise und aufwändige Prüfverfahren: Die Digitalisierung stellt Verwaltungen und Kammern vor neue Herausforderungen. Das Projekt "Cert4Trust" hat deshalb eine eigene Blockchain-­Infrastruktur geschaffen und zielt vor allem auf die öffentliche Verwaltung und das Prüfungswesen ab.

Im Kern der Plattform steht die Erzeugung eines einzigartigen digitalen Fingerabdrucks für jedes Dokument. Cert4Trust nutzt einen öffentlichen Algorithmus, um einen sogenannten Hashwert aus einer Dokumentendatei, in der Regel einem PDF/A, zu berechnen. "Dieser Hashwert ist für ein Dokument immer identisch, solange nichts geändert wurde. Die kleinste Änderung führt zu einem komplett anderen Ergebnis", erläutert Geschäftsführerin Franziska Ruppert.

Datenschutz in der Blockchain gewährleistet

Der Hashwert wird gemeinsam mit Informationen zum Aussteller und dem Gültigkeitsstatus in der von Cert4Trust betriebenen Blockchain abgelegt. Da es sich um eine Einweg-Funktion handelt, lässt sich aus dem Hashwert nicht auf den Inhalt des Dokuments schließen, was den Datenschutz gewährleistet.

Die Überprüfung erscheint denkbar einfach: Ein Nutzer lädt ein zu prüfendes Dokument auf der Webanwendung check.cert4trust.de hoch. Die Plattform berechnet den Hashwert und gleicht ihn mit den Einträgen in der Blockchain ab. So lässt sich zweifelsfrei feststellen, ob das Dokument authentisch, unverändert und gültig ist und von welchem Partner es ursprünglich ausgestellt wurde.

Interessant ist Cert4Trust etwa für die von HWK- und IHK-Organisationen ausgehändigten Zeugnisse. "Unser gemeinsames Ziel ist es, vor allem der öffentlichen Verwaltung in Deutschland eine sichere und einfache Lösung zu bieten, um digitale Dokumente zweifelsfrei und automatisiert zu verarbeiten", so Ruppert. Wer bei Blockchain an energieintensive Kryptowährungen wie Bitcoin denkt, liegt hier falsch. Cert4Trust betreibt eine Infrastruktur, die als verteilte, transparente und sichere Datenbank konzipiert ist und deren Energieverbrauch sich nicht von dem herkömmlicher Datenbanken unterscheidet.

Handwerksbetriebe können gefälschte Bewerbungen erkennen

Der Bedarf im Markt sei vorhanden, so Ruppert. Angesichts immer wieder auftauchender Fälschungen und des hohen manuellen Prüfaufwands bei den Kammern nehme das Interesse an digitalen Verifikationslösungen zu. "Die Überprüfbarkeit der Dokumente steigert deren Wertigkeit und könnte sich als neuer Standard etablieren", betont Ruppert. Anfängliche Skepsis gegenüber der Blockchain-Technologie sind im persönlichen Gespräch in der Regel schnell ausgeräumt. Die Lösung ist für das föderale Umfeld prädestiniert, weil Nutzer kaum direkt mit der Infrastruktur in Berührung kommen.

Absolventen erhalten neben dem Papierzeugnis eine digitale Version, die sie für Bewerbungen nutzen können. Der Prozess von der Erstellung über die Verankerung in der Blockchain bis zur Bereitstellung des digitalen Zeugnisses läuft vollautomatisch.

Das Potenzial reicht laut Ruppert weit über das Prüfungswesen hinaus. "Grundsätzlich eignet sich die Lösung für alle Arten digitaler Dokumente, etwa auch Erlaubnisbescheide für Gewerbetreibende. Ich bin mir sicher, dass es in wenigen Jahren selbstverständlich sein wird, dass Zeugnisse und andere Nachweise digital ausgegeben werden und jederzeit überprüft werden kann, ob die Angaben korrekt sind", sagt Ruppert. Die breite Anwendung in anderen EU-Ländern wie Spanien und Italien unterstreiche das Potenzial. Wie schnell sich die Technologie in Deutschland durchsetzt, werden die nächsten Jahre ­zeigen.