Projektgegner lehnen geplanten Tiefbahnhof weiter strikt ab Keine Annäherung im Streit über Stuttgarter Bahnhofsprojekt

Die Schlichtung im Streit über das Stuttgarter Bahnhofsprojekt hat keine Annäherung der Positionen von Gegnern und Befürwortern des milliardenschweren Bauvorhabens gebracht. Vertreter der Deutschen Bahn AG warben am Freitag im Stuttgarter Rathaus erneut für den Neubau und sprachen von einem gut durchdachten Vorhaben. Die Projektgegner lehnen den Tiefbahnhof hingegen weiter strikt ab.

Foto: dapd

Keine Annäherung im Streit über Stuttgarter Bahnhofsprojekt

Stuttgart (dapd). Die Schlichtung im Streit über das Stuttgarter Bahnhofsprojekt hat keine Annäherung der Positionen von Gegnern und Befürwortern des milliardenschweren Bauvorhabens gebracht. Vertreter der Deutschen Bahn AG warben am Freitag im Stuttgarter Rathaus erneut für den Neubau und sprachen von einem gut durchdachten Vorhaben. Die Projektgegner lehnen den Tiefbahnhof hingegen weiter strikt ab. Sie plädierten bei der Präsentation des Leistungstests für "Stuttgart 21" für eine Weiterentwicklung des historischen Kopfbahnhofs. Mit der Vorstellung des "Stresstests" endete das Schlichtungsverfahren, das am 22. Oktober 2010 unter Leitung des früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler begonnen hatte.

Hannes Rockenbauch vom Aktionsbündnis der Projektgegner sagte, der geplante Durchgangsbahnhof werde von der Bevölkerung mehrheitlich nicht akzeptiert. Zudem werde mit dem alten Bahnhof ein Kulturdenkmal zerstört. Der Kopfbahnhof in Stuttgart gehöre im Übrigen zu den besten, leistungsfähigsten und pünktlichsten Bahnhöfen in ganz Deutschland.

Rockenbauch sprach von einem Kopfbahnhof "in Premiumqualität", der "noch erhebliche Reserven" habe. Der Deutschen Bahn warf der Stadtrat vor, seit Jahren mit nicht haltbaren Werbeversprechungen zu operieren. So werde "Stuttgart 21" viel teurer als ursprünglich geplant. Die kalkulierten Kosten seien von 2,5 auf 5,3 Milliarden Euro in der Spitze gestiegen. Mit dem erweiterten Kopfbahnhof (K21) gebe es eine bessere Alternative.

Strittig ist auch der in der Schlichtung vereinbarte Leistungstest an sich. Der Test sollte zeigen, ob der neue Durchgangsbahnhof um wenigstens 30 Prozent leistungsfähiger sein wird als der jetzige Kopfbahnhof. Konkret soll der Tiefbahnhof in der Lage sein, in der Spitzenzeit 49 Züge pro Stunde abzufertigen. Diese Prämissen wurden von den Projektgegnern zwischenzeitlich aber wieder infrage gestellt. Der Leistungstest wurde auf Vorschlag des Schlichters Heiner Geißler von der Bahn erarbeitet und von dem Schweizer Ingenieursbüro SMA überprüft. Geißler bescheinigte der Bahn wie auch der SMA hierbei eine hohe Professionalität. Der Test ist offiziell erfolgreich verlaufen.

Die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Brigitte Dahlbender, kritisierte jedoch, untersucht worden sei lediglich ein "Schönwetterbetrieb mit leichten Störungen". Es wäre aber nötig gewesen, den geplanten Tiefbahnhof in dem Test jenseits des Normalbetriebs an seine Grenzen zu bringen. Die Bahn habe das Aktionsbündnis in der Schlichtung zudem "systematisch ausgebremst" und nicht mit einbezogen.

Die Deutsche Bahn wies Vorwürfe zurück, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben. Bahnvorstand Volker Kefer sagte, das Vorgehen sei einvernehmlich in der Schlichtung vereinbart worden. So sollte ein neutraler Gutachter zugezogen werden, um die Prämissen und die Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs zu prüfen. Dies sei geschehen. Kefer kritisierte die Debatte über die Frage, ob die geforderten 49 abzuwickelnden Züge "die richtige Zahl" sei. Diese Debatte sei erst aufgekommen, als das Ergebnis des Testats bereits vorgelegen habe.

Der frühere Vorsteher des Stuttgarter Hauptbahnhofs und Gegner von "Stuttgart 21", Egon Hopfenzitz, wies darauf hin, dass auf dem Bahnhof bereits 1969 in Spitzenzeiten 56 Züge abgefertigt worden seien. Heute liege die "praktische Höchstleistung des Kopfbahnhofs" bei 54 Zügen. Hopfenzitz sagte voraus, der Tiefbahnhof werde im Betriebsablauf "die Qualität des besser funktionierenden Kopfbahnhofs nie erreichen". Die Vertreter der Bahn wiesen dies zurück. Der Platz im Bahnhof dürfe nicht isoliert betrachtet werden. Berücksichtigt werden müssten auch die Gleisstrecken, auf denen die Züge den Bahnhof erreichen und verlassen. Im Projekt "Stuttgart 21" sind Veränderungen an diesen sogenannten Zulaufstrecken vorgesehen.

dapd