Zahntechniker beklagen niedrige Erträge – Verband bezweifelt Erfolg von Geschäftsmodellen, die mit Nachfragebündelung werben

Kein Ausweg aus dem Dilemma
Nachfrage und Umsätze bleiben im Zahntechnikerhandwerk weiter hinter den Erwartungen zurück. Das vermeldet der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) nach seiner jüngsten Konjunkturumfrage.
Zwar seien die Umsätze im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent gestiegen. Doch der Anstieg fand nach dem Umsatzeinbruch 2005 mit der Einführung der Festzuschüsse auf sehr niedrigem Niveau statt. Die Erträge seien deswegen weiterhin nicht zufrieden stellend. Dementsprechend falle das Urteil der Betriebe zur aktuellen Geschäftslage deutlich negativ aus. Die Labore befürchten sogar weiteren Personalabbau. Für das 1. Quartal dieses Jahres hätten 16 Prozent der Betriebe Entlassungen geplant.
Auswege aus dem Tief, dessen Ursache der VDZI hauptsächlich in der Festzuschussregelung sieht, sind nicht in Sicht. So mancher Zahntechniker wirft dann erstaunt den Blick auf Angebote,die dem Kunden zuzahlungsfreien Zahnersatz und dem Zahntechniker ein sorgenfreies Auskommen versprechen. Solche Gesellschaften wollen zum Beispiel durch den Zusammenschluss von Zahnärzten Patienten über gebündelten Einkauf qualitativ hochwertigen Zahnersatz zu attraktiven Preisen anbieten. Der Zahnersatz sei „made in Germany“ und Patienten, die neben dem Festzuschuss der Krankenkasse einen Anspruch auf den 30-Prozent-Bonus hätten, bekämen Zahnkronen zum Nulltarif.
Nach Informationen des VDZI gibt es rund ein Dutzend solcher Angebote. Die Versprechungen sind nach Verbandsmeinung jedoch äußerst fragwürdig. Der VDZI sieht darin für Zahntechniker kein interessantes Geschäftsmodell. Denn eine Nachfragebündelung werde dem interessierten Labor nur vorgegaukelt.
Der Idee solcher Geschäftsmodelle stehe allein schon die Tatsache entgegen, dass die Zahntechniker überhaupt keine Wirtschaftlichkeitsreserven mehr ausschöpfen könnten. Auf diese Reserven wäre ein solches Geschäftsmodell jedoch angewiesen, wenn es funktionieren soll. Gewinnmargen müssten sinken und Arbeitsabläufe könnten weiter gestrafft werden. Die von solchen Gesellschaften behaupteten hohen Gewinnspannen der Labore seien „ein Ammenmärchen“, so der VDZI. Im Gegenteil: Zahntechnische Leistungen in deutscher handwerklicher Qualität seien billiger als jemals zuvor. Betriebliche Zusammenschlüsse oder Arbeitsteilung böten ebenfalls keinen Platz für Preisnachlässe. Diese Projekte seien deswegen kein Ausweg aus dem Dilemma, Erfüllungsgehilfe der Zahnärzte zu sein. In einem Umfeld, das laut VDZI – gemeint sind hier Krankenkassen, Krankenversicherer, Verbraucherschutzorganisationen und sogar Ministerialbeamte –, zunehmend empfiehlt, auf billigere Produkte unbekannter Qualifikationen zurückzugreifen, könne sich ein deutsches handwerkliches Labor nur schwer preislich behaupten.
Der Verband versucht dagegen den Aspekt der Qualitätssicherung in seinen Marketingaktionen herauszustellen. Seit dem Herbst gibt es „Q_AMZ“ (Allianz für meisterliche Zahntechnik). Innungsbetriebe sollen sich unter der Dachmarke dem Qualitätssicherungssystem „QS-Dental“ anschließen. Eine Abgrenzung gegenüber Billigangeboten soll hier durch eine weitere Steigerung an unter anderem Sicherheit, Funktionalität und Haltbarkeit der Produkte geschaffen werden. www.q-amz.de