Neue UFH-Bundesvorsitzende im Interview Katja Lilu Melder: "Handwerk macht mich glücklich"

Katja Lilu Melder ist neue Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH). Als Meisterin und Unternehmerin steht sie für einen Neuanfang. Welche Ziele sie sich gesetzt hat, warum Verbandsarbeit am besten im Team funktioniert und was ihr Herzensthema ist.

Bundesvorstand UFH 2025
Der neue Bundesvorstand der UFH (von links): Manuela Groß, Cornelia Lutz, Katja Lilu Melder, Miriam Schulze und Jeannette Peters. - © UFH

Frau Melder, seit Oktober 2024 sind Sie neue Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk UFH. Sind Sie schon in Ihrem neuen Amt angekommen?

Katja Lilu Melder: Ich arbeite ja schon eine ganze Zeit für die UFH. Bis Oktober war ich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Von daher ist der Unterschied gar nicht so groß. Wir arbeiten im Bundesvorstand sehr eng zusammen. Jede hat ihren Fachbereich. Jede weiß, was sie zu tun hat. Das läuft sehr gut.

Haben die UFH mit Ihnen – Sie sind 42 Jahre alt – einen Generationswechsel eingeleitet?

Das haben wir definitiv. Jetzt geht es darum, wie er umgesetzt und von den Mitgliederinnen angenommen wird. Wir müssen sowohl die ältere Generation auf diesem Weg mitnehmen, als auch die jüngere Generation für die UFH begeistern. Ich sehe mich als Person, die beide verbindet. Und ich bin Handwerksmeisterin und -unternehmerin. Es ist von Vorteil, dass ich diese beiden Aspekte abdecken kann.

Wie wollen Sie den Generationswechsel im Verband umsetzen?

Indem wir eng mit den Landesverbänden zusammenarbeiten. Eine Neuerung ist, dass die Landesverbände alle paar Wochen Informationen von uns bekommen, womit wir uns beschäftigen, was wir tun, was wir planen und welche Termine wir wahrgenommen haben. Das ist wie so eine Art Geschäftsbericht und so kommunizieren wir regelmäßig mit unseren Landesverbänden, die dann natürlich auch die Möglichkeit haben, darauf zu reagieren. Wir stecken aber beispielsweise auch mehr Energie in unseren Social Media-Auftritt, der jetzt vom gesamten Bundesvorstand bespielt wird. Das bedeutet, wir informieren über alles, was wir tun, in den sozialen Medien, so dass wir für unsere Mitgliederinnen und potenzielle neue Mitgliederinnen noch sichtbarer werden und auf unsere Arbeit aufmerksam machen können.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil als Vorsitzende beschreiben?

Ich stehe nicht für die Position der Bundesvorsitzenden, sondern für das Handwerk. Mein Amt nehme ich wahr, weil ich zeigen möchte, dass das Handwerk toll ist und dass die Handwerksfamilie zusammenhält. Das Handwerk macht mich glücklich wie eine Tafel Schokolade. Klar bin ich die Bundesvorsitzende, aber den Verband führt nicht eine Person allein. Wir führen ihn mit fünf Personen, jede mit ihren Kompetenzen. Wir entscheiden als Team und das wird dann wie beschrieben in Rücksprache mit den Landesverbänden umgesetzt.

Im Oktober wurde – außer Ihnen – ein komplett neuer UFH-Bundesvorstand gewählt. Inzwischen gab es eine personelle Veränderung.

Ja, die stellvertretende Bundesvorsitzende, Silke Gräfin Falco di Torre Pellice, ist aus dem Amt ausgeschieden. Cornelia Lutz, die im Bundesvorstand für Presse und Kommunikation zuständig ist, hat dieses Amt jetzt kommissarisch inne.

Katja Lilu Melder steht für einen Generationswechsel bei den UFH und will junge Handwerkerinnen für den Verband gewinnen. - © BMG Santec GmbH

Sie sagen, die Kommunikation mit den Landesverbänden ist Ihnen wichtig. Es sind aber nicht alle Landesverbände im Bundesverband vertreten. Gibt es Pläne, Landesverbände in den Bundesverband zu holen?

Wir sind derzeit mit Baden-Württemberg im Gespräch und schauen, wie sich das entwickelt. Seit 1. Januar 2025 ist der Arbeitskreis Heilbronn Mitglied im Bundesverband UFH. Darüber freuen wir uns sehr. Wir werden aber auch analysieren, in welchen Regionen wir keine Arbeitskreise oder Landesverbände haben, und das in Angriff nehmen.

Wie?

Wir werden das gemeinsam und noch intensiver mit den Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften angehen. So haben wir uns zum Beispiel bewusst dafür entschieden, unsere Bundeskongresse in Handwerkskammern durchzuführen – soweit dies möglich ist. Als ein Verband aus dem Handwerk vertreten wir ja das Handwerk. Daher sollten wir Beziehungen und Netzwerke aufbauen und festigen. Dazu gehört, mit Handwerkerinnen aus Bundesländern ins Gespräch zu kommen, die kein Mitglied der UFH sind, um neue Arbeitskreise und Landesverbände zu gründen. Das können wir nur mit dem Handwerk vor Ort.

Auf welchen Input hoffen Sie?

Wir brauchen für unsere Arbeit Feedback von außen. Wir kennen das ja alle: Manchmal wird man einfach betriebsblind. Und dann ist es gut, wenn jemand sagt, passt mal auf, ihr geht da in eine falsche Richtung. Daher haben wir auch Carola Zarth, die Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, kooptiert. Als kooptiertes Mitglied des Bundesvorstands ist sie unsere Verbindung zur Handwerksorganisation und zum ZDH. Auch mit Susanne Haus, der Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, bin ich regelmäßig in Kontakt.

"Wir brauchen für unsere Arbeit Feedback von außen."

Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit anderen Frauen?

Mir ist dieser Austausch sehr wichtig. Am 8. Mai findet in Dortmund ein bundesweites Netzwerktreffen der Frauen im Handwerk statt. Dazu möchten wir alle Frauen – Unternehmerinnen, Meisterinnen, Gesellinnen, Unternehmerfrauen, Influencerinnen – einladen. Und ganz besonders auch Frauen in ehrenamtlichen Spitzenpositionen, Präsidentinnen, Vizepräsidentinnen und hauptamtlich Tätige. Viele von ihnen sind leider noch kein UFH-Mitglied. Als Verband, der die Frauen im Handwerk vertritt, möchten wir aber alle Frauen im Handwerk auch wirklich vertreten.

Das ist ja durchaus ein neuer Blickwinkel, der über die Unternehmerfrau im Handwerk hinausgeht.

Wir möchten zeigen, dass sich die UFH verändern. Dass der Bundesverband UFH auch Frauen in Spitzenpositionen des Handwerks vertritt. Denn diese Frauen, diese Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen, sind ja auch selbstständige Frauen im Handwerk und Unternehmerinnen. Es ist uns wichtig, dass sie ihre Meinung und ihr Wissen in die UFH einbringen, damit wir etwas verändern können. Wir brauchen diese Frauen, die uns im Ehrenamt schon so stark vertreten, im Verband, damit der Verband einen guten Job machen kann.

Was bedeutet das?

Das bedeutet: Der Verband muss nicht neutral sein, er darf unangenehm und laut in seinen Forderungen werden und auch den Finger in die Wunde legen. Im Vordergrund steht immer das gemeinsame Ziel, das Handwerk zukunftsorientiert für alle im Handwerk aufzustellen.

Das eine ist die Verbandsarbeit nach außen. Wie aber können Frauen in Spitzenpositionen den Verband nach innen unterstützen?

Frauen sollten ihre Kräfte bündeln und an einem Strang ziehen. Dazu gehört auch Wissen weiterzugeben – etwa beim Thema Gründung und Nachfolge. Einen Handwerksbetrieb, die ja oft Familienbetriebe sind, zu übergeben ist etwas ganz anderes als ein Industrieunternehmen. Hier könnten ältere und erfahrene Unternehmerinnen zum Beispiel über ein Mentoring-Programm jüngere Frauen unterstützen und ihr Wissen weitergeben. Ich sehe da Potenzial für die UFH.

Ihre Amtszeit dauert drei Jahre. Welche politischen Ziele möchten Sie im Verband in dieser Zeit setzen?

Neben Bürokratie und Fördermitteln ist Inklusion ein wichtiges Thema für uns. In Deutschland leben 1,7 Millionen Menschen mit Handicap, die in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Wir suchen alle Fachkräfte, aber mit Inklusion möchte sich niemand so recht auseinandersetzen. Wenn es uns gelingt, zumindest einen Teil davon ins Handwerk zu bringen, wäre das super. Wir als UFH können zeigen, dass es funktioniert – auch aus eigener Erfahrung. Für uns ist das eine Herzenssache. Diese Idee sprechen wir aktuell mit den Landesverbänden und dem ZDH ab.

Welche Erfahrungen sind das?

Wir setzen im Betrieb auf Inklusion. Mehrere unserer Kollegen sind gehörlos. Sie können weder hören noch sprechen. Deshalb haben wir und das Team Gebärdensprache gelernt und unseren Betrieb entsprechend ausgerichtet. Und ja, es ist schwierig, aber es ist auch ein riesiger Mehrwert.

"Es ist immer einfach, sich um die klassischen Frauenthemen zu kümmern. Wir wollten uns ein Thema auf die Fahne schreiben, an dem uns persönlich viel liegt und zeigen, dass es möglich ist."

Wie haben Sie das umgesetzt?

Wir haben alle Gebärdensprache gelernt und unser Team entsprechend ausgestattet. Das alles ohne Hilfe, weil die staatliche Unterstützung leider eine Katastrophe ist. Es gibt natürlich Inklusionsämter und es gibt auch Kurse für Gebärdensprache. Aber das ist viel zu wenig. Es ist alles kompliziert und aufwendig. Allein der Aufwand, Fördermittel zu beantragen, ist sehr groß.

Inwiefern ist es schwierig?

Inklusion ist teuer. Man muss auf vieles achten, Hilfsmittel besorgen und die Kommunikation anders regeln. Das kostet Zeit und Geld. Aber hierbei Förderung oder Unterstützung zu bekommen, ist in Deutschland unfassbar schwierig. Es kann doch nicht sein, dass mein Mitarbeiter monatelang warten muss, dass seine kaputte Lichtklingel repariert wird und das dann auch noch viel Geld kostet. Wenn wir Menschen mit Handicap in den Arbeitsmarkt integrieren wollen, muss sich hier etwas ändern. Dafür wollen wir uns als UFH einsetzen. Gleichzeitig können wir mit unserer eigenen Erfahrung wichtige Hilfestellung geben, Informationen zur Verfügung stellen und Fragen beantworten. Wie gesagt, der Aufwand ist nicht zu verachten, aber die Bereicherung für ein Unternehmen ist ungleich viel höher.

Worin liegt die Bereicherung?

Es zwingt einen, über den Tellerrand zu schauen. Man muss umdenken. Von der Baustelle können meine gehörlosen Mitarbeiter nicht einfach kurz anrufen, aber dafür können wir facetimen. Das funktioniert, wenn der Wille da ist.

Warum haben sich die UFH für dieses - wie Sie sagen - sensible und emotionale Thema entschieden?

Es ist immer einfach, sich um die klassischen Frauenthemen zu kümmern. Wir wollten uns ein Thema auf die Fahne schreiben, an dem uns persönlich viel liegt und zeigen, dass es möglich ist. Den UFH ist es wichtig, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dafür stehen wir.

Eines Ihrer Ziele ist, jüngere Frauen für die UFH zu interessieren. Wie wollen Sie das erreichen?

Der große Vorteil der UFH ist der Wissensaustausch und das große Netzwerk. Es ist nun mal ein Unterschied, ob ich mich mit einer Frau aus dem Handwerk oder mit einer Frau aus der Industrie unterhalte. Wir haben zwar grundlegend die gleichen Probleme, aber im Detail unterscheiden sie sich doch. Im Kreis der UFH können wir über alles sprechen. Dieses Niederschwellige ist ein großer Vorteil. Wir haben den fachlichen, aber auch den menschlichen Austausch. Dabei sind wir kein klassischer Frauenverband, keine Emanzen. Dieses Image müssen wir dringend verbessern.

Es ist ein alter Hut, aber Handwerk ist immer noch männerdominiert.

Ich finde dieses Thema schwierig und will Frauen hier auch nicht in einer Opferrolle sehen. Aber sicher müssen sich Frauen immer noch jeden Tag mehr behaupten und beweisen als Männer. Das ist zwar in der ganzen Gesellschaft so, aber im Handwerk ein Stückchen mehr. Mir ist wichtig, dass grundsätzlich jeder und jede im Handwerk willkommen ist - egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, sexuellen Gesinnung oder welcher körperlichen Einschränkung. Dafür werden sich die UFH starkmachen.


Zur Person: Katja Lilu Melder (Jahrgang 1982) ist alleinige geschäftsführende Gesellschafterin der BMG Santec GmbH, einem Spezialisten für Gefahrstoffsanierung und Abbrucharbeiten in Hamm, die sie 2017 gegründet hat. Sie hat mehrere Meistertitel erworben – so ist sie unter anderem Metallbauermeisterin. Ehrenamtlich tätig ist sie unter anderem in den Vollversammlungen der Handwerkskammer Dortmund und der IHK Dortmund. ­Außerdem engagiert sie sich für "Handwerk hilft", Nabu, Peta und Greenpeace und ist Mitgründerin des Tierschutzvereins "Streunerhafen".