Spitzentreffen der Konzernchefs heizt Spekulationen über Einstieg des Gasriesen bei RWE an Kartellamt hat Bedenken gegen mögliche Expansion von Gazprom

Das Bundeskartellamt hat Bedenken gegen eine mögliche Expansion des russischen Gasriesen Gazprom auf dem deutschen Markt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte am Montag der Nachrichtenagentur dapd: "Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen."

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Kartellamt hat Bedenken gegen mögliche Expansion von Gazprom

Bonn (dapd). Das Bundeskartellamt hat Bedenken gegen eine mögliche Expansion des russischen Gasriesen Gazprom auf dem deutschen Markt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte am Montag der Nachrichtenagentur dapd: "Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen." Allerdings kenne man derartige Absichten des finanzstarken russischen Energielieferanten bisher nur aus Presseberichten.

Der russische Energiekonzern hatte bereits vor einigen Monaten sein Interesse signalisiert, künftig eine größere Rolle auf dem deutschen Markt zu spielen, etwa als Betreiber von Gaskraftwerken. Deutschland sei dafür aus Sicht von Gazprom der interessanteste Markt, sagte Konzernchef Alexej Miller schon im Juni.

Neue Nahrung erhielten die Spekulationen über Expansionspläne der Russen, als sich Miller in der vergangenen Woche zu getrennten Gesprächen mit dem RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann in Paris und E.ON-Chef Johannes Teyssen in Moskau traf. Gazprom berichtete danach, im Gespräch mit E.ON sei es um die russischen Gaslieferungen, aber auch um Möglichkeiten für gemeinsame Projekte in der Stromproduktion gegangen. Thema des Gesprächs mit RWE seien die Aussichten für die "gegenwärtige und die künftige Zusammenarbeit" gewesen.

Nach Berichten des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" wurde im Gespräch zwischen Großmann und Miller auch die Möglichkeit eines Einstiegs von Gazprom beim zweitgrößten deutschen Energieversorger selbst oder bei RWE-Tochterunternehmen ausgelotet. Der RWE-Chef wolle den Essener Stromriesen nach dem erzwungenen Ausstieg aus der Atomenergie umbauen und suche dafür finanzkräftige Partner. Selbst als langfristigen Großaktionär könne sich Großmann Gazprom vorstellen, hieß es in den Berichten.

Eine RWE-Sprecherin bestätigte allerdings lediglich, dass es Verhandlungen zur Revision der Gas-Lieferverträge gegeben habe. Zu "Spekulationen" über eine Beteiligung der Russen am Essener Konzern wollte sie sich nicht äußern.

Bedenken gegen einen möglichen Einstieg kamen unterdessen aus dem Bundeskartellamt. Wenn ein großer Produzent wie Gazprom mit einem großen Händler wie RWE zusammengehe, sei dies nicht unproblematisch für den Wettbewerb. Außerdem sei Gazprom mit dem Joint-Venture Wingas ja schon heute selbst im deutschen Verteilgeschäft tätig, hieß es bei der Wettbewerbsbehörde.

dapd