Das neckische Treiben hat Deutschland in diesen Tagen fest im Griff, nicht nur in Köln oder Düsseldorf. Ob Rosenmontagsumzüge, Sitzungen des Elferrates oder Auftritte von Garden und Prinzenpaar: Immer ist das Handwerk mit dabei. Vier von fünf Faschingsmützen, die sich die Jecken der Kölner Karnevalsvereine auf den Kopf setzen, kommen aus einer Näherei in Oberfranken. Und im Breisgau fertigt ein Holzbildhauer noch mit 72 Jahren traditionelle Larven für die "Fasnet".
Julia Förder
Was wäre eine Prunksitzung ohne die prächtigen Mützen auf den Köpfen von Vereinsmitgliedern, Senat und Präsidenten? Seit den 60er Jahren sind Meinel Mützen der Inbegriff von Karnevalsmützen. Über 4.00 Vereine beliefert die AFW Creativ Stickerei aus Marktleugast mit Prinzen- und Präsidentenmützen, Schiffchen und Miniaturen.
Jede Mütze ist dabei eine maßgefertigte Einzelanfertigung, genau auf den Kopf des Kunden zugeschnitten. Aus bis zu 100 Einzelteilen wird der Kopfschmuck zusammengesetzt, zum Einsatz kommen unterschiedliche Stoffe, Leder und Steine: vom einfachen Strassstein bis zu Swarovski-Kristallen. Die teuersten und aufwändigsten Karnevalsmützen sind die des Faschingsprinzen oder des Präsidenten. Die handwerkliche Herstellung kann bis zu einem Tag dauern und die fertige Mütze kostet 400 bis 500 Euro. Einfachere Mützen für normale Vereinsmitglieder gibt es ab 25 Euro.
Die AFW Creativ Stickerei ist nach eigenen Angaben Marktführer für Karnevalsmützen in Deutschland und den Niederlanden. Für einen Betrieb mit Sitz in Oberfranken ist das zumindest erstaunlich. Aber die Firma Meinel, Vorgänger der jetzigen Stickerei, wurde in Köln gegründet. Als die Betriebsinhaberin dort keine Näherinnen mehr fand, verlagerte sie die Produktion nach Oberfranken, wo eine Stickereischule qualifiziertes Personal versprach.
Faschingslarven aus Elzach im Breisgau
Seine Masken zeigen einen grinsenden Teufel, lachende Hexen oder fantasievolle Tiere. Seit über 50 Jahren stellt Holzbildhauer Konrad Wernet Masken, so genannte Larven für die schwäbisch-alemannische Fassnacht her. Als Vorlage dienen Masken, die zum Teil schon Hundert Jahre oder älter sind. Sie haben in der Zunft Elzach eine lange Tradition und werden vom 72-jährigen Wernet mit viel Fantasie immer wieder variiert.
Dazu sägt und hobelt er aus abgelagertem Lindenholz einen Block, auf dessen Rückseite er das Profil der Maske aufzeichnet. Die Rundung für den Kopf wird mit der Bandsäge ausgesägt, der Rest ist reine Handarbeit. Mehr als ein Arbeitstag vergeht, bis der Meister die fertige Larve aus dem Holz geschnitzt hat. Dann werden die Masken noch geschliffen und bemalt. 400 bis 700 Gramm wiegt eine fertige Maske zum Schluss, und sie kostet zwischen 200 und 400 Euro.
Wernet fertigt Masken für Privatleute und Zünfte aus dem ganzen süddeutschen Raum. Heute sind es noch rund 100 Stück pro Jahr, früher waren es wesentlich mehr. Auch der Holzbildhauer selbst stürzt sich an den närrischen Tagen noch gerne ins bunte Treiben. Dabei hat er die Qual der Wahl: Über 50 traditionelle Holzmasken hat er gesammelt.
