Der ehemalige Fleischfabrikant und spätere Ökopionier Karl Ludwig Schweisfurth bilanziert sein Leben. Seine Autobiografie "Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ..." liest sich wie ein Plädoyer für das Lebensmittelhandwerk.
Ulrich Steudel
Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinepest – die Horrormeldungen der vergangenen Jahre verderben jedem den Appetit, der das Wort Lebensmittel wörtlich nimmt. Die Skandale der Fleischindustrie haben aber nur kurzzeitig den handwerklichen Fleischern und Metzgern zu mehr Kundschaft verholfen. Kaum ist das Gammelfleisch aus den Schlagzeilen verschwunden, bestimmt wieder der Preis das Essverhalten.
Dass es auch anders geht, zeigt der Lebensweg von Karl Ludwig Schweisfurth, der als Europas größter Fleisch- und Wurstfabrikant Mitte der 80er Jahre die Kehrtwende vollzog. Er verkaufte das Unternehmen "Herta", gründete die Hermannsdorfer Landwerkstätten bei München und wurde zu einem Pionier der ökologischen Lebensmittelproduktion.
Als junger Mann fasziniert von den Schlachthöfen Chicagos, hält er heute die großen Schlachthäuser für "Orte übler Barbarei". Seine Wandlung vom Saulus zum Paulus beschreibt Schweisfurth, inzwischen 83-jährig, in seinem Buch Autobiografie "Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ...".
Dabei ist der Titel nicht ganz richtig. Schweisfurth selbst bezeichnet sich als Auswärtsvegetarier. Soll heißen, er isst nur noch Fleisch, wenn er genau weiß, wie das Tier vorher gelebt hat und wie es gestorben ist. Sein Buch wirbt für Achtsamkeit gegenüber allen Geschöpfen und wird so zu einem Plädoyer für das Lebensmittelhandwerk, im speziellen Fall für die Warmfleischmetzgerei.
Karl Ludwig Schweisfurth outet sich auf den 230 Seiten auch als Genießer, der gute Kunst genauso schätzt wie einen guten Tafelspitz. Essen kann Nahrungsaufnahme sein oder Genuss. Fleisch kann aus der Kühltheke im Supermarkt kommen oder vom Metzger um die Ecke. Schweisfurths Buch zeigt den Unterschied auf.
Information: Karl Ludwig Schweisfurth, „Der Metzger, der kein Fleisch mehr isst ...“, Ökom-Verlag, ISBN-13: 978-3-86581-470-8, 19.95 Euro
