Branche -

Schornsteinfeger widersprechen Umweltbundesamt Kaminöfen produzieren nicht mehr Feinstaub als der Straßenverkehr

Wer mit Holz heizt, pustet Feinstaub in die Umwelt – nach Angaben des Umweltbundesamt in Summe sogar mehr als Autofahrer. Dem widerspricht das Schornsteinfegerhandwerk und fordert eine Klärung, wie es kommen kann, dass die Behörde von mehr statt weniger Feinstaub aus Kaminöfen ausgeht. Immerhin werden derzeit viele alte Öfen stillgelegt, ausgetauscht oder nachgerüstet.

Das Umweltbundesamt (UBA) und die deutschen Schornsteinfeger legen verschiedene Maßstäbe an, wenn es darum geht, die Feinstaubemissionen von Heizungen und Fahrzeugen zu vergleichen. So geht das UBA davon aus, dass Kaminöfen mehr Feinstaub produzieren als der Straßenverkehr. Rund zwanzig tausend Tonnen Feinstaubpartikel der Größenordnung PM10 mit einen aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometern (μm), die kleine Holzfeuerungsanlagen ausstoßen, stehen hier rund  7,7 tausend Tonnen der Kfz-Aus­puffemissionen gegenüber. "Außer Acht gelassen werden hierbei die nicht weniger schädlichen Emissionen des Straßenverkehrs wie Reifen-, Straßen- und Bremsa­brieb", teilt dazu der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks in einer aktuellen Meldung mit. Mit den Abriebemissionen würden die Emissionen des gesamten Verkehrs deutlich höher liegen – bei über 29 tausend Tonnen PM10.

Feinstaub von Holzöfen: Falsche Einschätzung hält sich hartnäckig

Nach Angaben des Schornsteinfegerhandwerks hält sich die falsche Einschätzung, dass Holzöfen die Luft mehr verschmutzen würden als Autos, hartnäckig. Dabei würden strengere Grenzwerte und gesetzliche Auflagen eigentlich dafür sorgen, dass viele alte Feuerstätten stillgelegt, ausgetauscht oder mit einem Filter nachgerüstet werden. Im vergangenen Jahr lief die Frist für Öfen aus, die bis zum Jahr 1984 installiert wurden; die nächste Stufe trifft im Jahr 2020 Feuerstätten mit Baujahr 1985 bis 1994. Für sie müssen die Betreiber dann nachweisen, dass sie bestimmte Grenzwerte beim Feinstaubausstoß einhalten, oder sie müssen stillgelegt werden. Rund vier Millionen Kamin-, Kachelöfen und andere Feuerstätten für feste Brennstoffe werden somit in den nächsten Monaten und Jahren noch dafür sorgen, dass die Emissionen in diesem Segment weiter sinken.

"Da außerdem die Gesamtzahl der Feuerstätten nicht steigt, verstehen wir nicht, dass das UBA seit dem Jahr 2016 einen leichten Anstieg bei den Feinstaubemissionen aus kleinen Holzfeuerungsanlagen misst", sagt Alexis Gula, der Sprecher des Bundesverbands der Schornsteinfeger. So verzeichnete das UBA zwar, dass von Holzfeue­rungen ab dem Jahr 2010 deutlich weniger Emissionen ausgehen, doch seit 2016 steigt die Zahl wieder leicht an. Für Alexis Gula ist das so unverständlich, dass er eine Klärung vom UBA gefordert hat. Der Bundesverband wird sich zeitnah mit Vertretern der Umweltbehörde zusammensetzen und die unterschiedliche Interpretation der Zahlen und Entwicklungen besprechen.

Feinstaub von Holzöfen: Werte müssten eigentlich sinken

Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks geht davon aus, dass sich der Trend eigentlich weiter fortsetzen müsste, dass zwischen den Jahren 2010 bis 2015 ein Absinken der Feinstaubwerte von rund 30 Prozent deutlich wurde. Gula führt dies darauf zurück, dass Anlagen modernisiert wurden und die Erste Verordnung zur Durchfüh­rung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV) Erfolge zeigt. Sie trat 2010 in Kraft und regelt die einzelnen Stufen zur Abschaltung bzw. Nachrüstung von Feuerstätten, die bestimmte Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid (CO) nicht nachweisen können. Der Bundesverband geht deshalb auch davon aus, dass die Feinstaubwerte weiter sinken. Für Heizkessel für feste Brennstoffe wie Pellet-, Scheitholz- oder Hack­schnitzelheizungen gilt aktuell außerdem eine wiederkehrende Messpflicht. Wenn dabei Mängel wie zu hohe Staub- und/oder CO-Werte festgestellt wurden – was durchaus vorkomme – werden sie anschließend durch Fachhandwerker behoben oder die Anlagen wurden ausgetauscht.

Zu den Hauptemittenten von Feinstaub in Deutschland zäh­len nach Angaben des Bundesverbands Industrie, Landwirtschaft, Straßenverkehr und private Haushalte. Messen lassen sich Feinstaubemissionen mit verschiedenen Verfahren. Schornsteinfeger messen nach 1. BImSchV. Auf welche Messverfahren – Alexis Gula spricht von Brennstoffdurchsätzen – das UBA setzt, klärt das Schornsteinfegerhandwerk nun – auch, um Holzfeuerstätten nicht in dem schlechten Licht als starke Feinstaubproduzenten zu belassen.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten