Seit Jahrzehnten leisten Schornsteinfeger einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie Feuerungsanlagen reinigen und überprüfen. Dieser Aspekt ihrer Arbeit verstärkt sich mit der Energiewende vor allem die Energieberatung eröffnet neue Möglichkeiten. Von Heidi Roider
Kaminkehrer entwickeln Beratungskompetenz
Auf Erwin Kastenmayer kamen Gisela und Josef Hindelang mithilfe ihres Bankberaters. "Er gab uns den Tipp, dass zum Beispiel auch Kaminkehrer Energieausweise ausstellen", erzählt Gisela Hindelang. Bezirksschornsteinfegermeister Kastenmayer ist an diesem Tag vorbeigekommen und erklärt dem Ehepaar aus Donauwörth nun, was die Zahlen und Balken in ihrem Energieausweis bedeuten. Zuvor hatte er sich die Bausubstanz des Hauses und die Heizungsanlage angeschaut und anschließend den Energieausweis erstellt.
Wie Kastenmayer haben immer mehr seiner Berufskollegen eine Zusatzqualifikation als Energieberater. Nach Auskunft des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) gibt es in der Branche derzeit 7.500 Gebäudeenergieberater des Handwerks. Pressesprecher Achim Heckel, selbst Schornsteinfegermeister, sieht darin "ein schönes Zubrot" für seine Kollegen.
Seit 2009 dürfen Kaminkehrer Zusatzleistungen anbieten: zum Beispiel Schornsteinreparaturen, wenn sie sich für diese Tätigkeit eintragen lassen. Das Verbot der Nebentätigkeit wurde aufgehoben. Die Europäische Union hatte beanstandet, dass das alte Schornsteinfegergesetz nicht mit der Niederlassungs- und Dienstleistungfreiheit vereinbar sei. Der Kompromiss: Die Schornsteinfeger müssen in den freien Wettbewerb, aber sie erhalten eine Übergangszeit bis 2013 und dürfen seit vergangenem Jahr Nebentätigkeiten ausüben. Kastenmayer ist sich aber sicher, dass nicht alle zusätzlichen Dienstleistungen, die denkbar sind, Vorteile mit sich bringen werden: "Unser größter Trumpf bei den Kunden ist nach wie vor die Neutralität." Die helfe natürlich bei der Beratung.
Umweltschutz hat Tradition
Beraten durften Kaminkehrer jedoch bereits vor der Gesetzesänderung. Kastenmayer beispielsweise hat die Zusatzqualifikation zum Energieberater bereits 1996 absolviert. Ihn habe das Thema schon immer interessiert. In den vergangenen Jahren hätten die Energieberatungen aber zugenommen auch wegen geänderter Gesetze. "Viele Kunden lassen einen Energieausweis ausstellen, weil sie es müssen", sagt der Bezirksschornsteinfeger aus Tapfheim in der Nähe von Donauwörth. Wie das Ehepaar Hindelang. "Wir wollen unser Haus verkaufen und deshalb brauchen wir den Ausweis", sagt Gisela Hindelang. Die Zusatzqualifikation Energieberater sei unter den Schornsteinfegern seit einigen Jahren üblich, sagt Heckel.
Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) sieht einen Vorteil darin, dass Schornsteinfegerbetriebe nun verstärkt Angebote in der Energieberatung anbieten können, da der Umwelt- und Klimaschutz auch weiterhin eine hohe Bedeutung in diesem Gewerk haben soll.
Das kann auch Kastenmayer bestätigen: "Schulungen zur Energieberatung gibt es bei uns schon seit den 80er Jahren." Der Umweltschutz habe in der Branche Tradition. Der erste Schritt zu mehr Energieeffizienz sei bereits 1974 mit der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) gelegt worden. Seit dieser Zeit werden Heizungen regelmäßig auf die Einhaltung der sich verschärfenden Grenzwerte überprüft. Damit sei die Effizienz der Anlagen immer weiter gesteigert worden. "Bei Überprüfungen gibt man Tipps, was verbessert werden könnte", sagt Kastenmayer. Wenn etwa die Temperatur im Raum sehr hoch ist, sei das fast immer ein Hinweis auf mangelhafte Dämmung der Heizungsanlage, verbunden mit einem hohen Energieverbrauch.
Darin sieht Kastenmayer auch weiterhin die eigentliche Aufgabe seines Handwerks. "Die Leute kommen ja zu uns, weil wir neutral beraten." Darum kann er auch das Argument für den Ausschluss von selbstständigen Handwerkern aus der Energieberaterliste der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) nicht nachvollziehen. Grund ist die Annahme, dass selbstständige Handwerker nicht produktunabhängig beraten können und damit nicht neutral seien. Kastenmayer fand selbst nur Aufnahme in die Liste, weil er Sachverständiger ist.
Neben der Energieberatung möchte der Bezirkskaminkehrermeister auch in Zukunft seine eigentlichen Aufgaben als Kaminkehrer wahrnehmen wie etwa Kehren und Messen; und wo es Kunden wünschen, beraten. Wie etwa beim Thema Schimmel. Seit einigen Jahren ist er Sachverständiger für Schimmelpilzbelastungen und die Auftragszahlen steigen auch hier. "Gebäude werden aufgrund von Sanierungsmaßnahmen immer dichter. Wenn die Bewohner das Lüftungsverhalten nicht an die neuen Gegebenheiten anpassen, steigt die Gefahr von Schimmelpilzbelastungen." Auch das sei bei Gebäudesanierungen zu beachten: "Heute kommt meiner Ansicht nach kein neues oder saniertes Gebäude mehr ohne ein mechanisches Belüftungssystem aus."
Kastenmayer sieht als technischer Innungswart auch die Innungen in der Pflicht, ihren Mitgliedsbetrieben in Sachen weitergehende Tätigkeiten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Darunter falle auch, sinnvolle Weiterbildungen anzubieten. Das sieht auch Achim Heckel vom ZIV so: "Innungen und Handwerkskammern bieten neben dem Energieberater zum Beispiel auch den Brandschutztechniker an."
Arbeit wird mehr werden
Kastenmayer ist sich in jedem Fall sicher, dass die Arbeit nicht weniger, sondern mehr werden wird, vor allem die am Schreibtisch.
Die Hindelangs sind zufrieden, auch mit dem Ergebnis in ihrem Energieausweis. Ihr Haus liegt beim energetischen Verbrauch im Durchschnitt, verglichen mit anderen Wohnhäusern, die etwa zur selben Zeit gebaut worden sind.