Von Karin Birk
Kalt erwischt
Der Abschied war lange geplant. Das Ende kam dennoch abrupt. Michael Glos wollte schon länger als Wirtschaftsminister Schluss machen, einen Abschiedsbrief hatte er seit Wochen vorbereitet. Ob in Bayern oder im Ministerium, überall lag ein Exemplar bereit. Letztlich hat der CSU-Politiker länger durchgehalten, als er dachte. Ursprünglich war der Brief mit Januar datiert. Nur der Platz für den Tag war noch freigehalten. Den Januar strich Glos dann durch und setzte handschriftlich 7.2. darüber. Dann sorgte sein Schreiben an den „sehr geehrten Parteivorsitzenden, lieben Horst“ für mehr Aufmerksamkeit, als Glos jemals erfahren hat. Es war ein Abgang mit Gepolter. Beschädigt wurde nicht nur sein Parteichef Horst Seehofer, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel – und nicht zuletzt der scheidende Minister selbst.
Seehofer wurde von dem angekündigten Abgang auf dem falschen Fuß erwischt. Der bayerische Ministerpräsident spielte vor internationalem Publikum auf der Münchener Sicherheitskonferenz den Gastgeber. Als er dort auf den angekündigten Abschied seines Parteifreundes angesprochen wurde, fehlten ihm zunächst die Worte. Anfangs wollte er den amtsmüden Minister gar nicht ziehen lassen. Auch Merkel wurde mehr als überrascht. Einen Wechsel im Kabinett konnte sie nicht gebrauchen. So versuchte sie Glos umzustimmen. Doch dieser antwortete nur kurz: „Die Kugel ist aus dem Rohr.“ Er hatte sein Schreiben schon öffentlich gemacht.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Glos lieber CSU-Landesgruppenchef als Wirtschaftsminister war. Er hat sich nicht nach diesem Amt gedrängt. Vielmehr musste er die Lücke füllen, die sein damaliger Parteivorsitzender Edmund Stoiber mit seinem Rückzieher verursacht hatte. Dass dessen Nachnachfolger, mit dem ihn eine lange und gegenseitige Abneigung verbindet, hinter seinem Rücken über ihn spottete, machte die Lage nicht besser. Das Fass zum Überlaufen brachte die Nachricht im „Donaukurier“, Seehofers Heimatzeitung, dass dieser Glos’ Amt dem CSU-Schatzmeister Thomas Bauer angetragen habe. Ganz so wollte sich Glos dann doch nicht vorführen lassen.
Der Neue im Amt heißt gleichwohl nicht Bauer, sondern Karl-Theodor zu Guttenberg. Bei der Entscheidung wollte Merkel dann doch noch ein Wörtchen mitreden. Der Nachfolger, der wenige Wochen CSU-Generalsekretär war, ist in allem das Gegenteil von Glos: jung, schneidig, rhetorisch versiert. Sieben Monate bleiben zu Guttenberg, um im neuen Ministeramt Akzente zu setzen. Doch das Konjunkturpaket ist beschlossene Sache und für große Gesetzesinitiativen ist bis zur nächsten Bundestagswahl kaum noch Zeit. Dann werden die Karten neu gemischt.