Betrieb erweitern und trotzdem Energiekosten sparen? Wie das möglich ist, zeigt ein Projekt in der Metzgerei Krammer in Oberbayern. Kälteanlagenbaumeister Martin Regler und sein Team haben monatelang an dem Konzept gefeilt und wurden schließlich mit dem Kältepreis ausgezeichnet.
Jessica Baker
In den Kühlräumen der Metzgerei Krammer in Pfaffenhofen an der Ilm stapeln sich Kisten mit Fleisch. Wurst liegt auf dem Rollwagen bereit. Und die Salami hängt von der Decke. Auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich für eine Metzgerei. Das Besondere an dem Betrieb ist nicht, was gekühlt wird, sondern wie gekühlt wird. Im Betrieb von Inhaber Ludwig Krammer ist eine neue, hocheffiziente Kälteverbundanlage im Einsatz.
Noch vor wenigen Jahren waren die Kälteanlagen das Sorgenkind der Metzgerei. Sie mussten häufig repariert werden, da zum Beispiel die Normalkühlung immer wieder ausfiel. Weil die Anlagenregelung nicht richtig angepasst war, war dies besonders sonntags, wenn die Kälteanlagen weniger beansprucht werden, über Jahre zum Problem geworden.
Sanierung der Kälteanlage spart 20.000 Euro pro Jahr
Zwar waren die Anlagen nicht so alt wie der Betrieb selbst, der seit mehr als 130 Jahren in der Innenstadt von Pfaffenhofen steht, aber die Geräte aus dem Jahr 1993 entsprachen längst nicht dem Stand der Technik. Der damals zuständige Handwerker kam wöchentlich vorbei und reparierte die Anlagen notdürftig. So entstand ein Sammelsurium aus 27 Einzelanlagen für Tiefkühlung-, Normalkühlung und Klimatisierung.
Kälteanlagenbaumeister Martin Regler lernte die Metzgerei Krammer kennen und erkannte schnell, dass die Kälteanlage der Metzgerei stark renovierungsbedürftig war. "Als ich dann erfahren habe, dass eine Betriebserweiterung mit zusätzlichen Kühlräumen geplant war, hat mir die Anlage keine Ruhe mehr gelassen", sagt Regler. Rund 400 Stunden investierte er allein in die Bestandsaufnahme und die Ausarbeitung eines Konzeptes.
Ziel: Wärme zu 100 Prozent nutzen
Trotz Vergrößerung der Kühlflächen um etwa 45 Prozent kann der Betrieb nun 30 bis 40 Prozent beim Stromverbauch sparen und hat bei den Energiekosten ein Plus von 20.000 Euro im Vergleich zu früher. Umgerechnet 13.000 Liter Heizöl sparen die Metzger damit pro Jahr. Dieses beeindruckende Ergebnis überzeugte auch die Jury des Deutschen Kältepreises. Im März erhielten Martin Regler, Dipl.-Ingenieur Robert Baust und Dipl.-Ingenieur Andreas Herschmann den zweiten Preis.
Herschmann und Baust hatte Regler für sein Projekt ins Boot geholt und mit ihnen gemeinsam ein Konzept für eine Wärmerückgewinnung in Verbindung mit Heizung- und Trinkwassererwärmung entwickelt. Für die drei Fachleute erwies sich ein sinnvoller Einsatz einer optimal ausgelegten Wärmerückgewinnung als größte Herausforderung. Die anfallende Wärme im Betrieb sollte zu 100 Prozent genutzt werden können und zusätzlich für ausreichend warmes Trinkwasser sorgen, was den Tüftlern schlussendlich gelang. Die Metzger können insbesondere an Tagen mit hoher Produktionsauslastung bis zu 12.000 Liter heißes Wasser mit einer Temperatur von mehr als 65 Grad Celsius verbrauchen.
Problem: Kälteanlagen sind oft zu kalt eingestellt
Um die technischen Details auszuarbeiten, war viel Erfahrung und vor allem Durchhaltevermögen gefragt. Lange dauerte es zum einen, weil der laufende Betrieb für den Umbau nicht unterbrochen werden durfte. Zum anderen aber auch, weil nach der Installation und Inbetriebnahme das Team die Anlage noch intensiv überprüfte. Denn die meisten Anlagen gehen in Betrieb, ohne an den tatsächlichen Bedarf angepasst worden zu sein, erklären die Experten. Zum Beispiel ist die Soll-Temperatur der Kälteerzeugungsanlage meistens ein oder zwei Grad Celsius zu kalt gewählt. "Das funktioniert dann getreu dem Motto: Hauptsache es wird kalt genug. Da können die installierten Geräte noch so gut sein, die Betriebskosten sind trotzdem unnötig hoch", erklärt Baust. Daher ermittelten die Experten den Verbrauch und die Temperaturen in der Metzgerei nicht nur bei der Planung, sondern auch bei der Inbetriebnahme und der Optimierungsphase kontinuierlich und richteten alles auf den tatsächlichen Bedarf aus.
Gewonnen haben bei dem Projekt sowohl der Betrieb als auch die Preisträger. Und Kälteanlagenbaumeister Regler hatte besonders viel Glück. Während des Projekts in der Metzgerei lernte er Christine Krammer kennen, die Tochter von Betriebsinhaber Ludwig Krammer. Mittlerweile sind die beiden verheiratet.
Kältepreis
2016 wurde der Deutsche Kältepreis bereits zum fünften Mal vergeben. Insgesamt neun Projekte zeichnete Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in den Kategorien „Kälte- oder klimatechnische Innovationen“, „Maßnahmen zur Emissionsminderung durch Teilsanierung von Kälte- oder Klimaanlagen“ und „Installation energieeffizienter und -suffizienter Kälte- und Klimaanlagen durch kleine Unternehmen“ aus. Das Team um Martin Regler hat den zweiten Preis in der zweiten Kategorie gewonnen.
Ausgelobt wurde der Preis vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Klimaschutzinitiative. Die Wettbewerbsorganisation hat die gemeinnützige co2online GmbH gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Kälte übernommen.
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