Für Gesprächsstoff war zur Genüge gesorgt: Die "Junioren des Handwerks" haben Politiker aus dem Deutschen Bundestag auf die Internationale Handwerksmesse nach München geladen, um zu diskutieren. Rente mit 63, Mindestlohn, Meisterpflicht - es gab Kritik, aber auch Einigkeit.

Rentenpläne, Mindestlohn, Energiewende und vieles mehr - die "Junioren des Handwerks" sprechen gerne heute über morgen. So auch bei der Podiumsdiskussion auf der Internationalen Handwerksmesse in München, für die die Junioren wichtige Köpfe aus den Bundestagsfraktionen eingeladen hatten. Der Titel der Diskussion: „Neue Legislatur. Neues Glück?“
Teure Rente
Frank Berting, Bundesvorsitzender der Junioren, zeigte sich enttäuscht über das erste Großprojekt der Bundesregierung: das Rentenpaket. Neben vielen Belastungen, die dies mit sich bringt, birgt es aus seiner Sicht vor allem die Gefahr, das Vertrauen der jungen Menschen in die Politik zu verspielen. "Junge Menschen sind auf Dauer mit einem sinkenden Rentenniveau konfrontiert und müssen obendrauf im Rahmen des Rentenpakets heute für Leistungsausweitungen zahlen, von denen sie selbst nicht mehr profitieren werden", sagte Berting.
Prof. Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim schloss sich der Kritik an. So fragte er, warum die Politik es belohnt, wenn jemand kontinuierlich abhängig beschäftigt oder zeitweise arbeitslos gewesen ist, während das Risiko der Selbstständigkeit oder eines Studiums durch die neue Rentenregelung bestraft würden. Burghof: "Hier werden leistungsfeindliche Anreize gesetzt."
Thomas Gambke, mittelstandspolitischer Sprecher der Grünenfraktion, kritisierte die aktuellen Rentenpläne der Bundesregierung als eine falsche Antwort auf den demographischen Wandel.
Niels Annen von der SPD-Bundestagsfraktion verteidigte die Pläne seiner Kollegin Andrea Nahles. Menschen, die 45 Jahre lang eingezahlt hätten, hätten aus Gründen der Gerechtigkeit ein Recht auf eine abschlagsfreie Rente.
Mindestlohn nicht für alle?
Beim Mindestlohn, der mit 8,50 Euro pro Stunde flächendeckend in Deutschland eingeführt werden soll, sind die Folgen laut Burghof noch nicht absehbar. Aber er befürchtet, dass dies Jobs kosten könnte.
Annen zeigte gegenüber dem Koalitionskollegen von der CSU, Alois Rainer, Gesprächsbereitschaft, was die möglichen Ausnahmen von der Regel angeht. Auszubildende sind bereits ausgenommen.
"Meister muss erhalten bleiben"
Mehr Einigung unter den Politikern gab es beim Thema duale Ausbildung/Meisterqualifikation. Annen würdigte die duale Ausbildung und hob hervor, dass insbesondere die Handwerksbetriebe und der Handel das Gros der Ausbildungsplätze für junge Menschen zur Verfügung stellten.
Gleichzeitig forderte der SPD-Mann die Betriebe auf, ihre Ausbildungsanstrengungen nochmals zu verstärken. Ziel müsse sein, dass allen Jugendlichen, die einen Ausbildungsberuf erlernen wollen, auch ein Ausbildungsplatz angeboten werden könne.
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Alois Rainer sagte, die Beibehaltung des Meisters sei für das Handwerk enorm wichtig. "Der Mittelstand muss durch die Bundesregierung als Rückgrat der Gesellschaft gestärkt werden", so Rainer, der selbst Handwerksmeister ist.
Berting fasste zusammen: "Der Meister muss mit all seinen Zugangsvoraussetzungen erhalten bleiben!" dhz