Handwerk trifft auf Gaming Wenn Handwerker zum Zocker und Berufsberater werden

In "Work hard play hard" spielen echte Handwerker ihren Beruf am Computer nach. Gestern startete die sechsteilige Gaming-Show auf ARD Twitch mit Geselle Maurice, der virtuell das Dach einer Blockhütte decken musste und dabei viel über seinen Beruf erzählte. Die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) hat sich das neue Format angeschaut und kommt zu einem eindeutigen Fazit.

Dachdecker Maurice (kleines Bild rechts) testete auf ARD Twitch das Game "House Builder". Die Aufgabe: Das Dach einer Blockhütte decken. Während des Livestreams konnte die Community Fragen rund um den Beruf des Dachdeckers stellen. - © Screenshot/ARD Twitch/"Work hard – play hard"

Die Aufgabe lautet: Decke das Dach einer Blockhütte in Russland. Kein Problem für Maurice Odendahl. Eigentlich. Dieses Mal arbeitet der Dachdecker aus Kleve in Nordrhein-Westfalen allerdings nicht in der realen, sondern in der virtuellen Welt. Der junge Handwerker war Gast beim neuen Format "Work hard – play hard". Darin testen echte Profis aus verschiedenen Handwerksberufen in Simulatoren ihrer eigenen Jobs. Das geschieht live auf dem Streaming-Portal Twitch.

Simulatoren-Games, also Computerspiele, in denen echte Jobs digital nachgespielt werden, sind seit Jahren beliebt. Aber wie realistisch können sie wirklich sein? Dieser Frage geht die sechsteilige Gaming-Show nach, die live aus dem SWR-Studio X in Baden-Baden auf den Twitch-Kanal der ARD übertragen wird. Der 23-jährige Maurice Odendahl – auf Instagram auch bekannt als "moris_odndhl" – startet mit dem Computerspiel "House Builder". Darin lassen sich Häuser auf der ganzen Welt von Grund auf bauen.

Handwerk trifft Gaming plus Wissen

Aber in der Sendung geht es längst nicht nur ums Gaming. Während des Zockens wird der Beruf des Gastes von allen Seiten durchleuchtet. Die Fragerolle übernehmen hier einerseits die Moderatoren. Aber auch die Zuschauer können in den etwa zweistündigen Sendungen Fragen im Chat stellen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, anhand von gesammelten Punkten vorbereitete Klischeefragen freizuschalten, denen sich die Profis dann stellen müssen. In der Folge mit Dachdecker Maurice lauten die zum Beispiel: Sind alle Dachdecker Alkoholiker? Oder: Wie viele Kippenstummel hast du schon in irgendwelchen Dächern verbaut? "Die Stummel, die würde ich dann doch sicherheitshalber weit wegwerfen, weil das wäre mir sehr unangenehm, wenn der Stummel nachher einen Vollbrand auslöst", antwortet Maurice darauf süffisant.

Was ist Twitch?

Twitch ist ein sogenanntes Live-Streaming-Portal, das seit 2011 existiert. In erster Linie geht es dabei ums Gaming. Zuschauer können Nutzern live dabei zusehen, wie sie diverse Computerspiele testen und dabei per Chat mit ihnen interagieren. Mittlerweile werden aber auch Inhalte abseits vom Gaming auf Twitch gestreamt. Möglich ist es ebenso, selbst einen Kanal zu erstellen und Inhalte zu übertragen. Zuschauen geht bei Twitch kostenfrei und ohne Anmeldung. Wer allerdings Funktionen wie den Chat nutzen, seinen Lieblingskanälen folgen oder selbst streamen will, muss sich registrieren. Laut der Statistikplattform Statista kam Twitch im Februar 2024 weltweit auf rund 985 Millionen Visits. 

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Kann man auch im Winter ein Dach decken? Tiefe Einblicke in den Beruf

Aber es ging in der Startfolge auch um ernstgemeinte Fragen: Kommt es oft vor, dass Dachdecker vom Dach stürzen? Wann zahlt eigentlich die Berufsgenossenschaft bei einem Arbeitsunfall? Kann man auch im Winter ein Dach decken? Wie sieht die Zunfthose der Dachdecker aus? Und was verdient man eigentlich als Geselle? All das und vieles mehr erklärt der junge Handwerker und demonstriert während der Sendung auch eine typische Arbeit aus seinem Beruf: nämlich das Bearbeiten von Schiefer.

Vor allem als junger Zuschauer kann man von Maurice Odendahl sehr viel lernen. Die Macher des Formats haben sich bewusst junge Handwerkerinnen und Handwerker ausgesucht, die mit ihren Berufspräsentationen selbst schon erfolgreich auf Social Media sind. Und das ist genau die richtige Wahl: Der versierte Maurice Odendahl erklärt für junge Menschen verständlich, ist sympathisch und nahbar. Und auch mit dem interessierten Moderator Kimon Schanze stimmt die Chemie. Der Ton ist locker, an einer Stelle werden sogar Dachdecker-Flachwitze ausgetauscht. Das bringt zusätzlichen Spaß in die Sendung.

Diese Vollblut-Handwerkerinnen und Handwerker testen ihre Berufe im Simulator-Game: Dachdecker Maurice Odendahl, Malerin Nina Manno, Schreinerin Mara Pischl, Elektrikerin Anna-Lena Hochuli, Bäcker Paul Süpke (v. l. n. r.). - © SWR

Das Game: Nicht realistisch, dafür aber unterhaltsam

Das Zocken kommt selbstverständlich nicht zu kurz. Dabei wird nicht nur dem Dachdecker, sondern auch dem Laien schnell klar, dass das Spiel "House Builder" nicht ganz realistisch ist. Zunächst wird der Dachstuhl gebaut, für den eigentlich der Zimmermann zuständig ist. Dabei erledigt die Säge nicht nur die Schneidarbeiten, sondern gleich auch das Entrinden der Baumstämme. Gleich mehrere schwere Holzbalken hieven und damit die Leiter hoch balancieren, ist selbstverständlich auch kein Problem. Aber auch wenn das Game nicht ganz realistisch daherkommt: Den Spaß beim Spielen merkt man Odendahl deutlich an. Am Ende haben die Handwerkerinnen und Handwerker übrigens die Möglichkeit, das Spiel auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten.

Fazit: "Work hard – play hard" ist Berufsberatung auf spielerische Art – und die ist durchaus gelungen. Das neue Format hat das Potenzial, jungen Menschen nicht nur Handwerksberufe näherzubringen, sondern diese auch dafür zu begeistern. In der gelungenen ersten Folge lernt man als Zuschauer so einiges darüber, was ein Dachdecker täglich macht. Dafür sorgt aber letztlich nicht der Simulator, sondern der Protagonist, dessen Leidenschaft für seinen Beruf deutlich spürbar ist.

Folgenübersicht "Work hard – play hard"

In sechs Folgen "Work hard – play hard" testen folgende Profis je ein Simulator-Game ihres Berufs: Den Start machte am 15. Mai Maurice Odendahl (aktuell lässt sich die Folge noch auf Twitch abrufen), Dachdecker aus Kleve. Auf ihn folgen: Bäcker Paul Süpke aus Sömmerda (22. Mai), Schreinerin Mara Pischl aus Schwaig (29. Mai), Malerin Nina Manno aus Meßkirch (5. Juni) und Elektrikerin Anna-Lene Hochuli aus Karlsruhe (12. Juni). Die Folgen starten jeweils um 16 Uhr.

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