Bremen lässt bei Landtagswahlen erstmals 16-Jährige zu Jugendforscher: Sogar 14-Jährige könnten schon mitwählen

Jugendliche sollten nach Ansicht des Berliner Jugendforschers Klaus Hurrelmann stärker an Wahlen beteiligt werden. Zwar werde bei Wahl am Sonntag in Bremen, wo erstmals Jugendliche ab 16 Jahren an einer Landtagswahl teilnehmen dürfen, vermutlich die Hälfte von ihnen auf eine Stimmabgabe verzichten, sagte Hurrelmann unter Berufung auf einschlägige Studien.

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Jugendforscher: Sogar 14-Jährige könnten schon mitwählen

Bremen (dapd). Jugendliche sollten nach Ansicht des Berliner Jugendforschers Klaus Hurrelmann stärker an Wahlen beteiligt werden. Zwar werde bei Wahl am Sonntag in Bremen, wo erstmals Jugendliche ab 16 Jahren an einer Landtagswahl teilnehmen dürfen, vermutlich die Hälfte von ihnen auf eine Stimmabgabe verzichten, sagte Hurrelmann unter Berufung auf einschlägige Studien. Mangelnde Wahlbeteiligung sei für ihn jedoch kein Argument, an der Wahlfähigkeit 16- und 17-Jähriger zu zweifeln, sagte Hurrelmann am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Seiner Ansicht nach sollten Jugendliche vielmehr auch in anderen Bundesländern und bei der Bundestagswahl mitstimmen dürfen. Hurrelmann plädierte zugleich für eine noch weitergehende Senkung des Wahlalters. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir eines Tages über das Alter von 14 Jahren reden", sagte er. Zur Wahl zu gehen, einen Zettel mit Wahlvorschlägen zu lesen und rational zu entscheiden, ob eine Partei oder ein Kandidat eine überzeugende Politik vertrete, das sei etwa ab der Pubertät möglich. Es spreche zudem nichts dagegen, jugendliche Erstwähler bei allen Wahlen zuzulassen. "Dass nach politischen Ebenen unterschieden wird, verwirrt eher."

Die erfahrungsgemäß geringe Wahlbeteiligung junger Leute spricht aus Sicht Hurrelmanns nicht gegen die Zulassung von Jugendlichen. "Diese Gruppe geht nicht aus Pflichtgefühl zur Wahl wie Ältere, aber das ist auch nicht die Idee der Demokratie", sagte der Wissenschaftler. Jugendliche seien vielmehr unbefangen und sehr auf eigene Interessen ausgerichtet. "Sie wählen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und das ist urdemokratisch."

Wenn Politiker die Erstwähler erreichen wollten, dürften sie sich nicht kumpelhaft geben. Jugendliche suchten Menschen, die ihre Aufgabe und ihre Positionen ernst nähmen. "Sie suchen nach einer authentischen Stimme, die das, was sie sagt, auch wirklich vertritt", betonte Hurrelmann.

Nach Einschätzung des Wissenschaftlers treffen beispielsweise die Grünen oder die Piratenpartei, was junge Leute anspricht. Deshalb würden diese Parteien am Sonntag von den Erstwählern profitieren, ebenso wie auch manche Gruppe an den extremen Rändern. Die Erstwähler würden aber die Wahl in Bremen wie anderswo wegen ihrer relativ geringen Zahl nicht deutlich beeinflussen. "Dafür müssten sie zu 60 Prozent dieselbe Partei wählen." Das aber sei nicht zu erwarten, da Jugendliche "breit aufgestellt" seien.

dapd