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Widerstandskämpfer Claus von Stauffenberg Johanna von Stauffenberg: "Natürlich trage ich meinen Namen gerne"

Am 20. Juli gedenkt Deutschland der Widerstandskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Während die männlichen Familienmitglieder der Stauffenbergs früher beim Militär Karriere machten, pflegen die weiblichen Familienangehörigen heute die Tradition einer handwerklichen Ausbildung.

Es passiert häufig am Flughafen. Jemand liest ihren Namen und bekommt große Augen. "Ich werde schon oft darauf angesprochen", sagt Johanna von Stauffenberg. Eigentlich heißt sie Johanna Schenk Gräfin von Stauffenberg. Und damit ist die Namensverwandtschaft zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Symbolfigur des Widerstands gegen Adolf Hitler, eindeutig. "Natürlich trage ich meinen Namen gerne." Eine Belastung sei er nie gewesen. "Man darf nicht vergessen, dass es weder die Leistung eines meiner heutigen Familienmitglieder noch meine Leistung war, sondern die meines Großonkels, auf die wir  stolz sein dürfen."

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944) war der Onkel ihres Großvaters. Oder anders ausgedückt: Johanna von Stauffenbergs Ur-Ur-Großvater war der Bruder des Vaters von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Innerhalb einer ganzen Gruppe von Widerstandskämpfern plante Oberst Claus von Stauffenberg den Sturz des NS-Regimes. Für das gescheiterte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 bezahlte er mit seinem Leben.

Nach dem Attentat kommt die Familie in Sippenhaft

Er war jedoch nicht der Einzige, den die Familie durch den Widerstand verlor. "Das Netzwerk war ja viel größer. Es war nicht nur Claus von Stauffenberg beteiligt, sondern auch viele andere im Hintergrund." Berthold von Stauffenberg etwa, ein Bruder von Claus, unterstützte den Umsturz am Tag des Attentats vom Bendlerblock aus. Er wurde noch am selben Tag verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem Onkel der Brüder, Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband. "Teile meiner Familie sind unmittelbar nach dem Attentat in Sippenhaft genommen worden", erzählt Johanna von Stauffenberg. Nina von Stauffenberg, die Ehefrau von Claus, musste ihr fünftes Kind in Haft zur Welt bringen.

So wie an vielen Stätten in Deutschland der Helden des 20. Juli 1944 gedacht wird, hält auch die Familie die Erinnerung wach. "Gerade meinem verstorbenen Großvater war es sehr wichtig. Er hielt in Schulen und an Universitäten Vorträge, um seine Lebensgeschichte an die jüngere Generation weiterzutragen." Der berühmte Onkel war oft zu Gast auf Schloss Greifenstein in Heiligenstadt im Landkreis Bamberg, wo die Familie von Johanna von Stauffenberg lebt.

Für die männlichen Familienmitglieder war es Tradition, beim Militär Karriere zu machen. Die weiblichen Angehörigen der Adelsfamilie haben eine handwerkliche Tradition begründet. Johanna von Stauffenberg hat neben ihrem Abitur eine Ausbildung zur Maßschneiderin absolviert – ebenso wie ihre Mutter. "Und auch viele meiner Tanten und Cousinen waren in Kloster Wald und haben dort die Ausbildung gemacht", sagt die 20-Jährige.

Ausbildung ab Klasse 9 parallel zum Abitur

Kloster Wald ist eine Internatsschule für Mädchen im Landkreis Sigmaringen. Begleitend zum Abitur können die Schülerinnen ab der 9. Klasse eine handwerkliche Ausbildung zur Holzbildhauerin, Schreinerin oder Maßschneiderin beginnen. Sie lernen das Handwerk bis zum Abitur jeweils an einem Nachmittag in der Woche.

Ein anspruchsvolles Angebot, das die Benediktinerinnen von Kloster Wald nach dem ganzheitlichen Prinzip des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi "Bildung von Kopf, Herz und Hand" nennen. "Das ist doch gerade in der heutigen Zeit wichtig, dass man nicht immer nur mit dem Kopf lernt und denkt, sondern auch die Möglichkeit der händischen Arbeit hat", sagt Johanna von Stauffenberg.

Nach dem Abitur bereiten sich die Schülerinnen ein halbes Jahr ganztägig auf ihre theoretische und praktische Gesellenprüfung vor. "Es gibt natürlich immer Momente, in denen man sich durchkämpfen muss, aber daran wächst man ja auch", sagt Johanna von Stauffenberg.

Gesellenstück beim Wettbewerb ausgezeichnet

Ihr selbstentworfenes Gesellenstück ist ein auf sie maßgeschneiderter Hosenanzug, der ihr den 3. Platz im Wettbewerb "Die Gute Form" auf Landesebene in Baden-Württemberg einbrachte. "Mein Hosenanzug hat viele Teilungsnähte, das sind Längsnähte, die auf der gesamten Jacke zu sehen sind. Sie sind wichtig für eine exakte Passform." Eine weitere Besonderheit ist die nach oben steigende Reversspitze. "Das ist recht aufwändig und schwieriger zu nähen als die klassische Variante."

Seit vergangenen Oktober studiert Johanna von Stauffenberg Medien und Kommunikation an der Universität Passau. Dem Maßschneiderhandwerk will sie verbunden bleiben, auch "wenn ich mir jetzt nicht ständig ein neues Kostüm oder Kleid nähen werde, aber es ist auf jeden Fall sehr nützlich im Alltag." Für Freunde müsse sie manchmal Hosen kürzen oder Knöpfe annähen. "Das ist in Ordnung, denn es hat mir immer großen Spaß gemacht."

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944) ist das Gesicht des Widerstands gegen Adolf Hitler rund um das Attentat vom 20. Juli 1944. Als Offizier der Wehrmacht war er an der Planung und am anschließenden Staatsstreich (Operation Walküre) zur Machtübernahme und zum Sturz des NS-Regimes beteiligt.

Am 20. Juli 1944 fliegt Stauffenberg von Berlin zu einer Lagebesprechung ins Führerhauptquartier in Rastenburg (Ostpreußen). Stauffenberg hatte als Stabschef beim Befehls­haber des Ersatzheeres direkten Zugang zu Hitler. In der "Wolfsschanze" platziert Stauffenberg während der Lagebesprechung die Sprengladung in der Nähe von Hitler. Als diese um 12.42 Uhr explodiert, sterben vier Menschen, doch Hitler überlebt.

Zu diesem Zeitpunkt ist Stauffenberg bereits auf dem Rückweg nach Berlin, um vom Bendlerblock aus – damals Sitz des Oberkommandos des Heeres und heute nach der Hardthöhe in Bonn der zweite Dienstsitz des Bundesverteidigungsministeriums – den Umsturz zu führen. Er geht immer noch davon aus, dass Hitler tot ist. Da ist der Verdacht schon auf ihn gefallen. Zu schnell und zu früh hat den Bendlerblock die Nachricht erreicht, dass Hitler überlebt hat. Als Stauffenberg gegen 16.30 Uhr eintrifft, hat die Verfolgung der Attentäter und die Niederstreckung des Staatsstreiches bereits begonnen. Die Operation Walküre scheitert. Noch in derselben Nacht wird Stauffenberg zusammen mit anderen Aufständischen im Innenhof des Bendlerblocks erschossen.

Im Bendlerblock befindet sich eine Gedenkstätte des Widerstands. Im Innenhof erinnert ein Ehrenmal an die Widerstandskämpfer. Zu Ehren Stauffenbergs wurde am 20. Juli 1955 die Bendlerstraße in Stauffenbergstraße umbenannt. Quelle: BMVg

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