Mein Name ist Jörg Dittrich, und ich bin Dachdeckermeister. 54 Jahre zähle ich auf meinem Lebensweg, der in Dresden begann, und der seither auch dort auf den Spuren meiner Vorfahren stattfindet. Neben dem Dachdeckermeister habe ich berufsbegleitend den Abschluss als Diplom Hochbau-Ingenieur erlangt. Heute leite ich mit meiner Frau und meinem Neffen unser Familienunternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir sind quasi schon in der vierten Generation und fünften Generation aktiv.
In der DDR war die Selbstständigkeit meines Vaters von Willkür, Enteignung und Verstaatlichung bedroht. Diese Sorge haben wir zum Glück seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Möglichkeit zur freien unternehmerischen Tätigkeit war die Grundlage für die innovative Weiterentwicklung unseres Betriebes.
Heute sind wir weit mehr als ein Dachdeckerbetrieb. Wir beschäftigen auch Dachklempner, Zimmerer und Trockenbauer und probieren gerne Neues aus wie etwa die Begrünung von Dächern oder die Forschung an einem Dachroboter.
Zwar bin ich ein leidenschaftlich selbstständiger Handwerker, kann aber als Chef von mehr als 100 Mitarbeitern nicht mehr jeden Tag auf dem Dach stehen.
Das geht auch aus einem weiteren Grund nicht: Ich engagiere mich in verschiedenen Ehrenämtern. Unter anderem bin ich seit zwölf Jahren Präsident der Handwerkskammer Dresden und seit Januar 2023 Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Ich habe die große Ehre und verantwortungsvolle Aufgabe, Sprecher für 5,7 Millionen Beschäftigte im Handwerk und für die Betriebsmeisterinnen und -meister in unseren rund 1 Million Betrieben zu sein und für sie alle gegenüber der Politik zu sprechen. Dafür pendele ich zwischen Dresden und Berlin. Das brachte es auch mit sich, dass ich gewohnte Abläufe neu sortieren musste, und dass ich manch andere Aufgabe in andere Hände gelegt habe, wie beispielsweise den Vorstandsvorsitz der Abteilung Volleyball des Dresdner SC.
Durch meine Familie, meine sechs Kinder, meine Firma und meine Ehrenämter sage ich immer scherzhaft, dass Schlafmangel bei mir zum Job gehört. Doch mir ist es wichtig, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Vier meiner Kinder sind noch klein. Auf meine Familie kann ich mich immer verlassen. Ich bin dankbar, dass meine Frau die Last der Aufgabe gemeinsam mit mir trägt. Wir führen beruflich als Geschäftsführer wie privat eine Partnerschaft auf Augenhöhe.
Die Gepflogenheiten des politischen Parketts sind mir vertraut. Einer Partei gehöre ich nicht an, denn die Interessenvertretung des Handwerks ist keine parteipolitische Angelegenheit. Handwerkspolitische Arbeit braucht aber die gute Vernetzung. Ich empfinde es so, dass ich zu vielen sächsischen, aber inzwischen auch Bundes-Politikern aus unterschiedlichen Parteien eine vertrauensvolle, belastbare Beziehung aufbauen konnte, und dass das bei meiner Aufgabe als Interessenvertreter des Handwerks durchaus von Vorteil ist, egal ob in den Parlamenten oder den Ministerien. Selbstironie und Humor helfen mir des Öfteren in der politischen Diskussion. Unbequeme Realitäten müssen mit deutlichen Worten angesprochen werden, aber ich lege großen Wert auf einen sachlichen, fairen und respektvollen Umgang – ebenso, wie ich es umgekehrt erwarte, wie das Handwerk behandelt wird. So kann man harte Kritik durchaus charmant verpacken, ohne die Wirkung zu verfehlen.
Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen wie Fachkräftesicherung, Bürokratieabbau oder Energiewende – um nur drei der wichtigsten Themen zu nennen. Im Handwerk begegne ich wunderbaren Menschen. Ihnen höre ich zu, und für sie setze ich mich ein.
Im Podcast "Motivation Handwerk verstehen" spricht Jörg Dittrich mit Schauspieler und Mr. Universum Ralf Moeller darüber, was politisch notwendig ist, um das Fachkräfte-Dilemma zu lösen.
